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Nahost

Kommentar: Iran und USA müssen kooperieren

Die Krise im Irak mit dem Aufstieg des "Islamischen Staates" hat die alten Erzfeinde Iran und USA einander näher gebracht. Das ist eine Chance, meint Jamsheed Faroughi. Ohne ihre Zusammenarbeit wird der Irak zerfallen.

Der Irak hat momentan mit zwei lebensbedrohlichen Krisen zu kämpfen: eine politische Krise bedingt durch den Machtkampf um das Amt des Premiers. Eine existentielle Krise, die vom Vormarsch der Terrorgruppe "Islamischer Staat" im Nordirak ausgeht. Beide Krisen hängen eng zusammen. An ihrer Entstehung haben sowohl die USA als auch der Iran ihren Anteil.

Die Amerikaner sind mitverantwortlich, da ihre Invasion und ihre darauffolgende Politik sämtliche politische Strukturen im Irak untergraben haben. In der Folge hat sich die Sicherheitslage dramatisch verschlechtert. Der Irakkrieg war ein furchtbarer Fehler, daran wird niemand mehr zweifeln. Aber ein schlechtes Gewissen und der Blick zurück bieten keine wirksame Lösung.

Jamsheed Faroughi (Foto: DW)

Jamsheed Faroughi ist Leiter der persischen Redaktion der DW

Die Ayatollahs im Iran sind mitverantwortlich, da sie das von Diktator Saddam Hussein hinterlassene Machtvakuum einseitig zu ihren Gunsten ausgenutzt haben. Mit Nouri Maliki wurde ein Mann irakischer Regierungschef, der gute Kontakte nach Teheran hatte. Maliki hat während seiner Amtszeit das gemacht, was die Ayatollahs im Iran vorgemacht haben: die Monopolisierung der politischen Macht in den Händen der Schiiten und die Verhinderung jeglicher politischer Mitbestimmung durch die Sunniten.

Das war ein Fehler mit schwerwiegenden Folgen. Die Unzufriedenheit der Sunniten trieb vor allem junge Männer in die Arme der Radikalen. Die fehlende Sicherheitsarchitektur und der Überfluss an amerikanischen Waffen taten ihr Übriges. Der Vormarsch der Terrormiliz "Islamischer Staat" im Irak ist das Resultat.

Angefangen hat alles 2003 mit einer "Koalition der Willigen". Jetzt wird man der Lage nur noch mit einer "Koalition der Unwilligen" Herr werden können. Eine Kooperation zwischen den USA und dem Iran ist natürlich keine freiwillige Entscheidung, aber weder Washington noch Teheran allein sind in der Lage, dem Schrecken des "Islamischen Staates" Einhalt zu gebieten.

Die USA verfügen über die nötige militärische Schlagkraft, der Iran hat den notwendigen politischen Einfluss. Mit anderen Worten muss jeder die Krise lösen, für die er maßgeblich verantwortlich ist. Washington wird nicht umhin kommen, die desolate Sicherheitslage im Nordirak zu stabilisieren. Der Iran muss seinen politischen Einfluss im Irak nutzen, um die Region zu befrieden. Das wird nur mit Zugeständnissen an die Sunniten möglich sein.

Ohne gemeinsame Anstrengungen der USA und des Irans wird ein Zerfall des Iraks wahrscheinlich. Das hätte über die Landesgrenzen hinaus eine fatale Wirkung. Er könnte die gesamte Region inklusive des Iran auf Jahre ins Chaos stürzen. Die internationale Gemeinschaft würde das den USA anlasten. Es gibt also keine wünschbare Alternative zur Kooperation der Erzfeinde.