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Kommentar: Indonesien im Fadenkreuz des Terrors

Islamistischer Terror trifft mitnichten nur die Metropolen des Westens. In islamischen Ländern sind die weitaus meisten Opfer zu beklagen. Doch Indonesien wehrt sich, meint Hendra Pasuhuk.

Paris, Istanbul, Jakarta - die Spur des Terrors wird immer länger. Aber wenn es ihr Ziel war, Angst zu verbreiten, dann haben die Terroristen dieses Mal das falsche Ziel gewählt. Schon wenige Stunden nach dem Anschlag quellen die sozialen Medien in Indonesien über von Mut machenden Sprüchen und Bildern. Die Hashtags des Tages lauten #KamiTidakTakut (WirHabenKeineAngst), #JakartaBerani (MutigesJakarta) und #JakartaAgainstTerrorism.

Mit Witz gegen den Terror

Die Menschen in Jakarta lassen sich nicht einschüchtern und posten fröhliche und ironische Bilder in Facebook, Path, Twitter und Instagram. Tausendfach geteilt wird zum Beispiel das Bild eines Satay-Verkäufers, der nur 100 Meter vom Ort des Geschehens entfernt weiterhin seine Fleischspieße unter freiem Himmel brät und die wartenden Kunden bedient, während hinter ihm eine Menschenansammlung zu sehen ist, die die Arbeit der Polizei am Tatort aufmerksam verfolgt. "Just bring your terror to hell..!" lautet gerade ein sehr populärer Slogan auf Facebook.

Pasuhuk Hendra Kommentarbild App

Hendra Pasuhuk ist Redakteur bei DW-Indonesisch

Der Ort des Anschlags, das Sarinah-Einkaufszentrum, liegt im Herzen der Millionenmetropole Jakarta und ist wegen seiner großen Souvenir-Abteilung auch im Ausland sehr bekannt. Einer der Sprengsätze ist in einem kleinen Polizeihäuschen auf dem Mittelstreifen der vielbefahrenen Straße vor dem Sarinah explodiert. Lokalmedien berichten von einer Granate, die von einem vorbeifahrenden Motorrad in die kleine Behausung hineingeworfen wurde. Jene war inzwischen im Fernsehen zu sehen: Die Wände standen noch, doch Fenster und Türen völlig zerstört. Davor drei Leichen. Weitere Täter haben mit Sprenggürteln und Feuerwaffen ein in der Nähe befindliches Starbucks-Cafe angegriffen.

Es war also der von Sicherheitsexperten in aller Welt gefürchtete Angriff mehrerer Personen auf ein sogenanntes "weiches Ziel" - ein belebtes Geschäftsviertel mit Hotels und Bürogebäuden, in denen auch eine Vertretung der UN-Organisation für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) untergebracht ist. Und auch die deutsche Botschaft liegt nur 1.200 Meter entfernt.

Anschlag nach dem Vorbild Paris

Die Attentäter hätten den Terror in Paris imitiert, erklärte die indonesische Regierung schnell und schrieb die Verantwortung dem sogenannten "Islamischen Staat" zu. Die Terrormiliz ihrerseits hat dies über ein Nachrichtenportal bestätigt. Jeder Tote und Verletzte ist einer zu viel - doch ist der Anschlag von Jakarta im Vergleich zu Paris glimpflich ausgegangen: Fünf der sieben getöteten Menschen waren terroristische Angreifer.

Indonesien, das die größte muslimische Bevölkerung der Welt hat, ist damit zum wiederholten Mal Ziel islamistischen Terrors geworden. Bereits zwischen 2000 und 2009 gab es mehrere schwere Bombenanschläge. Allein bei einem Attentat auf der Urlaubsinsel Bali waren im Jahr 2002 insgesamt 202 Menschen getötet worden.

Seither gehen die Behörden hart gegen islamistische Extremisten vor. Diese hatten in den vergangenen Jahren ihre Anschläge vor allem gegen die indonesische Polizei gerichtet. Der war es seit 2009 immerhin gelungen, weitere Anschläge gegen Ausländer in Indonesien zu verhindern. Vor allem dadurch, dass die neugegründete Anti-Terror-Einheit "Densus 88" massiv gegen Terrorzellen in ganz Indonesien vorging.

Neuer Anschlag war befürchtet worden

Nun ist also der Terror nach Indonesien zurückgekehrt. Das hatte sich in den vergangenen Wochen bereits abgezeichnet: Bereits am Silvesterabend wurden insgesamt 150.000 Polizisten und Soldaten eingesetzt, um Kirchen, Flughäfen und andere öffentliche Orte zu sichern. Danach gab es eine Reihe von Festnahmen. Die indonesische Polizei erklärte, sie habe ein Großangriff militanter Islamisten verhindert, die Regierungsmitglieder, hohe Beamte sowie das Oberhaupt der Schiiten in Indonesien hätten töten wollen.

Die Polizei ist inzwischen überzeugt, dass die militanten Gruppen im Land von Leuten geführt werden, die bereits für den IS in Syrien gekämpft haben und jetzt heimgekehrt seien. Von der Führungsfigur, nach der von mehr als 2000 Beamten im gesamten Inselreich intensiv gefahndet wird, fehlt aber weiterhin jede Spur. Indonesien muss deswegen mit weiteren Terrorattacken rechnen.

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