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Standpunkt

Kommentar: In Russland hat es sich ausgetrumpt

Der neue US-Präsident war beliebt in Russland. Zu beliebt. Nach seiner Forderung, Russland müsse der Ukraine die Krim zurückgeben, hat sich das Blatt gewendet. Zumindest ein bisschen, meint Juri Rescheto.

Diese Landung war überfällig: Die harte Landung in der Realität. Krim ne vasch - nicht eures. Wie bitte? Wer sagt das? Donald Trump? Na dann ist auch Trump ne nasch - nicht unserer. Von da an ging es Berg ab mit der Liebe der Russen zum neuen US-Präsidenten.

Gerüchte von Direktiven "da oben" machten plötzlich die Runde. Von Direktiven, die in der zentralen Schaltstelle russischer TV-Sender verbreitet worden sein sollen, im hohen Fernsehturm Ostankino: Weniger berichten über Trump!

Russland soll über Putin reden, nicht über Trump

Das wurde ja auch Zeit. Um 25 Prozent hat der US-Präsident seinen russischen Kollegen Wladimir Putin inzwischen in der Berichterstattung überholt: 202.000 Trump-Erwähnungen gegenüber nur 147.700 Putin-Erwähnungen in den russischen Medien vergangene Woche. Trump hat gegen Putin gewonnen. Amerika first! Geht´s noch?

Zwar suchte der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow diese Nachricht zu relativieren: die Häufigkeit der Erwähnungen - also die Popularität - sage nichts über die Beliebtheit eines Politikers aus. Aber zu spät. Die Nachricht war raus.

Rescheto Juri Kommentarbild App

Juri Rescheto leitet das DW-Studio in Moskau

Niedlich sah das Grüppchen der im Eiltempo zusammengerufenen "Protestierenden" vor den wuchtigen Beton-Gemäuern der staatlichen Mediaholding "Rossia segodna" / "Russia Today" aus. "Nein dem Trump-Kult in unseren Medien!" und "Wacht auf! Hier ist Russland und unser Präsident heißt W. W. Putin" stand auf den Plakaten, die ein Dutzend Männer und Frauen zusammen mit russischen Fahnen in der Kälte schwenkten.

Überzeugender sahen dagegen nur eine Woche vorher die Erklärungsversuche für Trumps Popularität in Russland aus. Die Zeitung "Vedomosti" führte gleich fünf Punkte an, die Putin und Trump gleichermaßen beliebt machen. Erstens Trumps Alter: "Putins Konkurrent muss nicht zwangsläufig jünger als Putin selbst sein." Zweitens Trumps Frau: "Die Gegenwart einer deutlich jüngeren und attraktiven, wenn auch nicht ganz, ähm, gebildeten Frau an der Seite eines alternden Politikers schreckt den russischen Wähler zumindest nicht ab." Drittens ist laut Vedomosti das wohl überzeugendste Argument Trumps gepflegte, ja betont grobe politische Unkorrektheit. Wenngleich Putins mittlerweile schon geflügelte Drohung, er wolle seine Widersacher "auf dem Scheißhaus zusammenhauen" selbst von Trump noch nicht übertroffen wurde. Schließlich würden Trumps Entschiedenheit und seine damit einhergehende Missachtung internationaler Standards ihn seinem russischen Pendant ähnlich machen. Zu ähnlich, wie man inzwischen sieht.

Trump neu einordnen

Was tun? Die frierenden Protestierenden vor "Russia Today" nutzen nichts. Darüber gab es nur Spott. Über Trump selbst kann man zwar gewiss weniger berichten, den wohl mächtigsten Mann der Welt ganz unerwähnt lassen können aber auch die russischen Medien nicht. Schon gar nicht nach 202.000 Erwähnungen in der vorvergangenen Woche.

Also wird man hier wohl versuchen, die harte Landung in der Realität etwas abzufedern und das Blatt nur ein bisschen zu wenden. Und hinterher gleich eine Rechtfertigung nachzuschieben: Trump würde ja gerne so sein wie er wollte, und das sagen, was er wollte. Aber man lässt ihn eben nicht im bösen Amerika.

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