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Standpunkt

Kommentar: Impfgegner sind wissenschaftsfeindliche Egoisten

Der künftige US-Präsident Donald Trump besetzt eine Impfkommission mit einem Verschwörungstheoretiker. So macht er einen Bock zum Gärtner und Impfgegnerschaft damit leider gesellschaftsfähig, meint Fabian Schmidt.

Berlin Impfungen syrischer Flüchtlinge (picture-alliance/dpa/K. Nietfeld)

Guten Schutz bietet nur die Impfung

In dieser Woche erklärte der Jurist und Umweltaktivist Robert F. Kennedy Jr., dass Donald Trump ihn beauftragt habe, eine Kommission zur Sicherheit von Impfungen in seiner neuen Regierung zu leiten.

Diese Ernennung ist ein Skandal! Denn Kennedy ist Anhänger einer Verschwörungstheorie, die sich gegen die US-Gesundheitsbehörde CDC (Center for Disease Control and Prevention) richtet.

Er unterstellt dem CDC, dass es Forschungen unterdrückt, die zeigen sollen, dass ein Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) Autismus hervorrufen kann.

Fake-News gegen verifizierbare Forschungsergebnisse

Diese vermeintlichen Forschungsergebnisse wurden allerdings längst als Fälschungen entlarvt und es gibt auch keinen wissenschaftlich haltbaren Beweis für eine Verbindung zwischen Autismus und dem MMR-Impfstoff.

Schmidt Fabian Kommentarbild App

DW-Wissenschaftsredakteur Fabian Schmidt

Offensichtlich interessiert Wissenschaft den künftigen US-Präsidenten und seinen neuen Impf-Experten herzlich wenig. Trump und Kennedy beteuern zwar grundsätzlich "sehr für Impfungen" zu sein, aber sie machen sich gleichzeitig die Position eingefleischter Impfgegner zu eigen. Und beide haben ihre Impfkritik auch schon mit Vehemenz im Fernsehen vertreten. Trump tat das zuletzt auch in einer Debatte im Vorwahlkampf.

Vielleicht sollte uns das nicht überraschen, denn Trump hat seine Qualitäten als Meister des post-faktischen ja auch jenseits der Wissenschaft schon unter Beweis gestellt. Evidenz-basierte Medizin und nachprüfbare Forschungsergebnisse gehen schnell im Feuerwerk der unsachlichen Twitter-Meldungen und der politischen Emotionen unter. Umso wichtiger ist es, dass seriöse Mediziner und Forscher in so einer Situation klar Stellung nehmen - für Impfungen und auch mit dem MMR-Kombinationsimpfstoff.

Medizin und Wissenschaft muss deutlicher Kante zeigen

Die Stärke der Wissenschaft ist leider auch ihre größte Schwäche: Viele Wissenschaftler haben ein allzu großes Vertrauen in die Vernunft der Menschen. Sie gehen davon aus, dass belastbare Forschungsergebnisse, die sie vorlegen, allein deshalb schon autoritativ und überzeugend sind.

Eine aufgeklärte Gesellschaft werde sie wohl zu würdigen wissen, meinen sie. Die implizite Kriegserklärung von Trump an die medizinische Forschung zeigt indes, dass sich Wissenschaftler nicht auf den Verstand der Gesellschaft verlassen können. Sie müssen ihre Positionen selbst in den Medien lautstark vertreten - auch wenn ihnen der Rummel und die oft notwendige Vereinfachung der komplexen Sachverhalte zuwider sind.

 Symptomatisch für eine gefährliche Anti-Intellektualität

Es sind ja nicht nur Trump und Robert F. Kennedy Jr., die unwissenschaftlichem Hokuspokus Vorrang vor seriöser Forschung einräumen. Insbesondere in modernen Industrieländern - so auch in Deutschland - gibt es schon lange eine starke Lobby von Impfgegnern, die immensen gesellschaftlichen Schaden anrichten.

Das führt zum Beispiel in Deutschland dazu, dass weniger als die Hälfte der Kinder vollständig gegen Masern geimpft werden, wie es die ständige Impfkommission empfiehlt. Geschätzte 28.000 Kinder sind sogar überhaupt nicht gegen die hochgefährliche Viruserkrankung geimpft. Das Ergebnis: 2015 wurden in Deutschland 2500 Masernfälle gemeldet. Im vergangenen Jahr waren es zwar deutlich weniger, aber das ist kein Grund zur Entwarnung.

Impfschutz muss aufrechterhalten bleiben

Dass es "nur" relativ geringe Fallzahlen in Deutschland gibt, ist auch der Tatsache zu verdanken, dass immer noch viele Menschen grundimmunisiert sind. Impfgegner, die sich oder ihre Kinder nicht impfen lassen, profitieren also indirekt davon, dass viele andere über einen Schutz verfügen und das Virus sich daher nicht so schnell ausbreiten kann.

Sich auf so eine "Herden-Immunität" zu verlassen, ist zwar möglich, aber unverantwortlicher Egoismus. Aus Angst vor einem minimalen Impfrisiko nehmen die Anhänger der Verschwörungstheorien es in Kauf, dass die Bekämpfung einer Seuche nur schleppend vorankommt. Frühere Erfolge werden zum Teil so wieder zunichte gemacht.

Polio-Ausbrüche sollen uns eine Warnung sein

Wozu es führt, wenn eine einst gut immunisierte Bevölkerung bei der Impfung nachlässt, kann man im Falle der Kinderlähmung (Poliomelitis) gut sehen: In Krisenländern wie Syrien, dem Irak oder Afghanistan, wo die medizinische Versorgung mangelhaft ist, oder dort wo extremistische Gruppierungen - wie Boko Haram in Nigeria - Impfungen verbieten, kommt es nämlich immer wieder zu Neuinfektionen. Und das gilt auch für Länder, in denen Polio eigentlich bereits seit Jahrzehnten als besiegt galt.

Auf die organisierten Impfgegner kann es jedenfalls nur eine Antwort geben: Ärzte und Pharmakologen müssen deutlich vernehmbar über den Sinn der Impfungen und den Unsinn der Impfkritik aufklären.

Und sie müssen Stellung beziehen: Ja zur Impf-Pflicht gegen gefährliche Krankheiten! Dort wo es um die körperliche Unversehrtheit und das Leben Schutzbefohlener geht, ist kein Platz für esoterischen Irrglauben und ideologische Verbohrtheit. Und deshalb darf die Entscheidung ob oder ob nicht geimpft wird auch nicht dem Einzelnen überlassen bleiben.

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