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Fußball

Kommentar: Im Kopf schon beim Europapokal

Der FC Bayern, der BVB und der VfL Wolfsburg schonen ihre Spieler in der Liga für den Europapokal. Verständlich, findet DW-Redakteurin Olivia Gerstenberger. Für einen Verein kann das aber auch nach hinten losgehen.

Piszczek, Mkhitaryan, Gündogan, Castro, Reus und Aubameyang auf der Ersatzbank (Foto: Getty Images/Bongarts/D. Grombkowski)

Hochkarätige BVB-Ersatzbank: Piszczek, Mkhitaryan, Gündogan, Castro, Reus und Aubameyang werden geschont

"Wenn ich eine Auswahl zwischen Derbysieg und Erreichen des Europa-League-Halbfinales treffen muss, dann möchte ich weiterkommen in der Europa League", sagte Thomas Tuchel sehr ehrlich im Sky-Interview vor dem Spiel gegen den Erzrivalen der Liga, FC Schalke 04. Gleich acht neue Spieler hatte der BVB-Coach für das in der Bundesliga größte und wichtigste Derby aufgeboten - vier Tage vor dem ebenso wichtigen Rückspiel beim FC Liverpool in der Europa League. Man wolle keine Verletzungen riskieren angesichts der zahlreichen Pflichtspiele in dieser Saison. Ähnlich machten es Spitzenreiter FC Bayern München vor dem Rückspiel in der Champions League gegen Benfica Lissabon und der VfL Wolfsburg vor seinem Spiel des Jahres in der Königsklasse bei Real Madrid.

Sieben Millionen Euro für das Halbfinale

Sind also Europapokal-Auftritte wichtiger als Bundesligaspiele? Natürlich! Im Europapokal, vor allem in der Champions League, lässt sich ordentlich Geld verdienen. Allein das Startgeld ab der Gruppenphase beträgt pro Klub zwölf Millionen Euro. Bis zum Halbfinale kommen nochmal mehr als zwölf Millionen Euro dazu. Sieben Millionen Euro schüttet die UEFA danach pro Verein für das Erreichen des Halbfinales aus. Der Finalverlierer bekommt als Trostpreis immerhin noch 10,5 Millionen, der Sieger 15 Millionen. In der Europa League geht es etwas bescheidener zu: "nur" 1,5 Millionen gibt es für das Erreichen des Halbfinales, der Gesamtsieger bekommt immerhin 6,5 Millionen Euro. Die Ticketeinnahmen sind da noch gar nicht mit eingerechnet.

Gerstenberger Olivia Kommentarbild App

DW-Sportredakteurin Olivia Gerstenberger

Und dann das Prestige! Die weltweite Aufmerksamkeit! Die Chance, mit einem guten Spiel den Marktwert eines oder mehrere Spieler - ja sogar des ganzen Vereins noch einmal zu erhöhen! Aus professioneller und finanzieller Sicht ist es durchaus verständlich, wenn man im Europapokal seine besten Spieler bringen will, selbst wenn es dann in der Liga nur die B-Elf richten soll. Beim FC Bayern, der auch so locker gewann, sitzen auf der Ersatzbank meist sowieso Spieler, die in jedem anderen Team leistungsstarkes Stammpersonal wären. Beim BVB ist das ähnlich, dennoch wird so mancher Fan nicht gerade begeistert sein, dass der Terminkalender ausgerechnet das Derby gegen den Erzrivalen aus Schalke für diesen Spieltag vorgesehen hatte. Fragen Sie mal einen Dortmund-Fan am Montagmorgen, ob der auch dann mit der Aufstellung einverstanden gewesen wäre, hätte Dortmund das Derby verloren!

Wolfsburg leistet sich ein Remis

Der VfL Wolfsburg, der drei Stammkräfte schonte, kann sich freiwillige Ausfälle der Leistungsträger jedoch eigentlich gar nicht leisten: "In Europa hui, in der Liga pfui", heißt es in dieser Saison und das müssen die Niedersachsen eventuell auch nächste Saison teuer bezahlen: Gegen einen direkten Konkurrenten um die Europapokal-Teilnahme sprang am Samstag nur ein Remis heraus. Und so setzte sich Mainz in der Spitzengruppe fest, während Wolfsburg als Achter immer noch raus ist aus den Europapokal-Platzierungen. Sechs Punkte fehlen den Wolfsburgern. Es wird also ganz eng. Eine schlechtere Platzierung in der Liga wirkt sich zudem auf die Verteilung der TV-Gelder aus. Sollte sich Real als haushoher Favorit im Rückspiel noch dazu mit einem Kantersieg durchsetzen, wäre das fatal. Aber wer weiß, vielleicht gelingt Wolfsburg tatsächlich ein Fußballwunder bei den "Königlichen" - dann hätte VfL-Trainer Dieter Hecking alles richtig gemacht.

Stellt sich abschließend noch die Frage nach dem Respekt für den Liga-Gegner, gegen den man mit einer (stark) veränderten Startelf antritt. Diese sollte der Gegner selbst beantworten. Und zwar am besten auf dem Platz. Mainz und Schalke ist das ganz ordentlich gelungen.

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