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Kommentar: Ich bin dann mal weg - aber nicht für immer

Nigel Farage hat mit dem Brexit-Votum der Briten sein Lebensziel erreicht. Jetzt hat er den Vorsitz der rechtspopulistischen UKIP-Partei hingeworfen. Leider ist das wieder nur Theater, befürchtet Barbara Wesel.

Der nächste britische Vorkämpfer für den Brexit hat das Handtuch geworfen: Nach dem Abgang von Boris Johnson und der Zerstörung von Michael Goves Karriere tritt Nigel Farage jetzt aus freien Stücken von der Parteiführung bei UKIP zurück. Dabei hatte man erwartet, er würde mit unverschämten Sprüchen und breitem Grinsen seine Rolle als Sieger im Kampf um den Brexit noch länger öffentlich auskosten. Aber da dies sein dritter Rückzug von der Parteiführung ist, darf man kaum hoffen, dass Farage wirklich in der Versenkung verschwindet. Er spielt wieder einmal taktisches Theater.

Kleine Pause und neuer Anlauf?

Es gibt zwei Erklärungen für diesen Schachzug von Nigel Farage: Manche vermuten, er suche eine Rolle im nächsten Kabinett der konservativen Regierung oder zumindest im Verhandlungsteam für den Brexit. Vielleicht bereitet sich UKIP auch schon auf baldige Neuwahlen vor, und hofft mit einem weniger krude agierenden Vorsitzenden auf bessere Chancen, vielleicht sogar als Koalitionspartner für die Tories. Wer glaubt, Farage werde dauerhaft aus den TV-Nachrichten verschwinden, dürfte sich in jedem Fall zu früh freuen.

Barbara Wesel ist DW-Korrespondentin in Brüssel (Foto: DW)

Barbara Wesel ist DW-Korrespondentin in Brüssel

Der Systemunterwanderer

Nigel Farage hat mit schockierendem Erfolg betrieben, was die Linke früher den langen Marsch durch die Institutionen nannte: Er hat sich im Herzen der EU eingenistet, Hunderttausende vom Europa-Parlament kassiert und vor allem mit Lügen und Unverschämtheiten brilliert. Bei seinem letzten Auftritt nach dem Referendum übertraf Farage dann mit seinem Triumphgeheul noch die übliche eigene Rüpelhaftigkeit. Schade, dass die anderen Abgeordneten zu zivilisiert waren, um ihn an den Ohren aus dem Saal zu zerren.

Das Problem mit rücksichts- und charakterlosen Gestalten wie Farage ist, dass sie Institutionen von innen zerstören, die sich an die Regeln des Parlamentarismus halten. Sie tun alles, um genau dieses System einzureißen. Der UKIP-Chef hat jahrzehntelang gegen Europa gegeifert und polemisiert. Lüge und Verzerrung waren sein bevorzugtes Mittel: Jede haltlose Polemik war recht, wenn sie nur der EU schaden würde. Und Farage wiederholte seine Slogans so lange und so schamlos, bis ein ahnungsloses Publikum sie schließlich für die Wahrheit hielt.

Zynischer Volksverführer

Es ist kaum zu erklären, warum britische Wähler einem Rattenfänger wie Nigel Farage auf den Leim gehen. Der frühere Banker spielt den Mann aus dem Volk - und ist dabei nur ein zynischer Spieler. Das Votum gegen die EU sei ein Erfolg gegen das britische Establishment, behauptet der UKIP-Chef von früh bis spät. Um dann zu einer Gartenparty mit den Zeitungseigentümern Evgeny Lebedev und Rupert Murdoch zu gehen. Das sind diejenigen, die mit ihren rechten Kampfblättern halfen, den Brexit herbei zu schreiben. Und finanziert wurde die "Leave"-Kampagne von Farage durch einen millionenschweren Unternehmer. Es ist eine richtige Volksbewegung.

Nehmt ihm das Geld weg!

Nigel Farage ist ein Wesen aus dem tiefsten Dunkel des politischen Teichs. Sein Gehalt als Europaabgeordneter will Nigel Farage übrigens weiter kassieren, bis Großbritannien formell aus der EU ausgeschieden ist. Gibt es nicht ein Mittel, ihm wenigstens die Abgeordnetendiäten zu sperren?

Die UKIP-Abgeordneten seien wie die Truthähne, die für Weihnachten gestimmt hätten, sagt Farage zum Abgang, weil sie ihre eigenen Jobs abschafften. Es ist überhaupt nicht komisch, sondern zum Kotzen.

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