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Kommentar: Hilflos in Baltimore

Die Polizei hat die Randalierer in Baltimore nicht rechtzeitig gestoppt. Dass es überhaupt zu den Krawallen kam, liegt auch an einer falschen Politik, meint Miodrag Soric.

In Baltimore brennen Geschäfte, Autos werden angezündet, Polizeibeamte mit faustgroßen Steinen beworfen. Nein, für diese Gewalt gibt es keine Entschuldigung. Auch nicht den Tod des Schwarzen Freddie Gray vor gut einer Woche. Der 25-jähre Afroamerikaner kam nach seiner Festnahme unter bislang ungeklärten Umständen ums Leben. Die dafür verantwortlichen Polizisten wurden vom Dienst suspendiert. Sie müssen mit einer Anklage rechnen. Doch das kann dauern.

So lange wollte der wütende Mob in Baltimore nicht warten. Gleich nach der Beerdigung von Gray rotteten sich Hunderte Randalierer zusammen, verbreiteten in der Stadt Angst und Schrecken. Die Polizei versuchte zu deeskalieren, wie sie sagte. De facto sah sie lange hilflos zu, wie Kriminelle plünderten und brandschatzen. Erst nach Stunden verhängte Gouverneur Larry Hogan den Ausnahmezustand, berief die Nationalgarde ein. Viel zu spät, nach Ansicht vieler Amerikaner, die über die Medien Zeugen der Zerstörungen wurden. Hubschrauber mit TV-Kameras drehten wie Falken ihre Kreise über den betroffenen Stadtteilen.

Inzwischen ist klar: Viele vermummte Täter werden ungestraft davon kommen. Besonders jene Randalierer, die aus anderen Teilen der USA angereist sind. Letztlich nur mit einem Ziel: für Randale zu sorgen. Wenn es gelingt, sie festzunehmen, muss sie die Härte des Gesetzes treffen. Sie dürfen nur nicht bei der Festnahme misshandelt werden. So wie Eric Garner in New York. Und wahrscheinlich auch Freddie Gray in Baltimore.

Polizei war vorgewarnt

Spätestens seit letztem Samstag waren die Polizisten vorgewarnt, dass es in Baltimore zu gewaltsamen Unruhen kommen könnte. Tagsüber versammelten sich Tausende Demonstranten, um gegen übermäßige Polizeigewalt zu protestieren - zunächst friedlich. Doch am Abend kam es zu Rangeleien mit der Polizei. Dann war allen klar: Es sind Schlägertypen in der Stadt, die isoliert werden müssen.

Soric Miodrag Kommentarbild App

Miodrac Soric, DW-Korrespondent in Washington

Das ist offenbar nicht gelungen. Zwischen Polizisten und Anwohnern in Baltimore herrscht Misstrauen. Die Lage ähnelt der in Ferguson, wo im vergangenen Jahr ein unbewaffneter schwarzer Teenager erschossen wurde. In beiden Städten sind die sozialen Probleme über Jahrzehnte hinweg kaschiert worden. Die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen ist hoch. Die öffentlichen Schulen sind schlecht. Die lokale Politik ist überfordert.

Kann Präsident Obama daran etwas ändern? Das Weiße Haus ist keine Autostunde von den brennenden Häusern und Autos in Baltimore entfernt. Wer mit den Unruhestiftern redet, stellt schnell fest: Sie erwarten nichts vom ersten schwarzen Präsidenten im Weißen Haus. Sie fühlen sich auch von ihm vergessen.

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