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Standpunkt

Kommentar: Hilfe, die Armut sinkt!

Hunger und extreme Armut nehmen ab, der weltweite Wohlstand nimmt zu. Doch die Schlagzeilen über Krisen und Katastrophen dominieren. Schluss mit der Angst vor guten Nachrichten, fordert Astrid Prange.

Mitleid ist eine globale Macht. Sie bewegt Milliarden Euro rund um den Erdball. Ohne die Macht des Mitleids gäbe es keinen Einsatz für Menschenrechte und keinen Kampf gegen Hunger und Elend in der Welt. Doch was passiert, wenn anscheinend alles immer schlimmer wird? Wenn Krisen, Kriege und Katastrophen die Schlagzeilen dominieren, wie jüngst beim G20-Gipfel in Hamburg?

An Schuldzuweisungen für Armut und Elend in der Welt mangelt es nicht. Der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, verleiht seiner Kritik mit drastischen Worten Ausdruck. "Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der Dritten Welt", lautet der Titel eines seiner Bücher zum Thema. Er schimpft auf den "Schweizer Bankenbanditismus" und ruft zum Umsturz der "kannibalischen Weltordnung" auf.

Hilfsorganisationen warnen vor Hungersnöten in Afrika, vor verheerenden Auswirkungen von "El Nino", vor Klimakatastrophen, vor Aids, Malaria und Flüchtlingselend. Doch auch wenn die Appelle an die Hilfsbereitschaft angesichts der zahlreichen Kriege und Krisen richtig und wichtig sind, sie verschweigen eine wichtige Entwicklung: den Erfolg der weltweiten Armutsbekämpfung.

Eine Welt ohne Hunger ist möglich

In den vergangenen 30 Jahren haben Hunger und Armut abgenommen, Krankheiten wie Aids und Malaria fordern weniger Todesopfer, die Kinder- und Müttersterblichkeit sind zurückgegangen, und der Zugang zu Grundschulbildung hat sich enorm verbessert.

Prange de Oliveira Astrid Kommentarbild App

DW-Autorin Astrid Prange de Oliveira schreibt über entwicklungspolitische Themen

Nach Angaben der Weltbank ist der Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben, also weniger als 1,90 Dollar pro Tag zur Verfügung haben, von 37 Prozent im Jahr 1990 auf zehn Prozent 2015 gesunken.

Entwicklungsexperten wie der israelische Historiker Yuval Noah Harari und der amerikanische Ökonom Jeffrey Sachs sind überzeugt: Eine Welt ohne Hunger ist möglich. Die Vereinten Nationen haben "Null Hunger bis 2030" zu einem ihrer nachhaltigen Entwicklungsziele deklariert. Warum also werden die Erfolge dieser Armutsbekämpfung verschwiegen? Woher kommt die Angst vor der guten Nachricht? Und wie lange noch lassen Katastrophen bei vielen Hilfswerken die Kassen klingeln?

Hetze gegen Helfer

Ehrenamtliche Helfer und Spender, die sich für benachteiligte Menschen einsetzen, brauchen Anerkennung und Motivation für ihre wertvolle Arbeit. Politiker, die Armut und soziale Spaltung bekämpfen, brauchen Unterstützung statt Shitstorms und abfällige Bemerkungen.

Es muss Schluss sein mit dem Bashing von sogenannten Gutmenschen! Denn wenn alles anscheinend immer nur schlimmer wird, warum sollte man sich dann bemühen, etwas zu verändern? Wenn der Dienst am Gemeinwohl sinnlos ist, warum dann ehrenamtliche Arbeit leisten? Die alltägliche Beschwörung des Weltuntergangs macht die Welt nicht besser, im Gegenteil. Sie stärkt Ohnmachtsgefühle und Frust. Sie zermürbt Hoffnung und verbreitet Pessimismus. Sie diffamiert Weltverbesserer und verschafft Zynikern Geltung.

Der Aufschrei gegen das weltweite Unrecht wirkt nur, wenn er mit konkreter Hilfe verbunden ist. Wenn Erfolge beachtet werden und dazu beitragen, politische Reformen für langfristige Veränderungen anzustoßen. Auch die globale Macht des Mitleids kommt irgendwann an ihre Grenzen. Almosen können akute Not lindern, aber nicht strukturelle Armut bekämpfen. Politische Phrasen vermeintlicher Kapitalismuskritiker allein helfen Menschen in Not nicht weiter.

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