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Standpunkt

Kommentar: Herthas Kniefall - eine starke Geste

Die Fußballer des Berliner Bundesligisten setzten vor dem Spiel gegen Schalke ein Zeichen gegen Rassismus, indem sie den Protest US-amerikanischer Profis nachahmten. Marcel Fürstenau war im Stadion und fand es bewegend.

Wenn Fußballer in die Knie gehen, haben sie sich entweder verletzt oder jubeln in dieser Pose über ein Tor. Solche Szenen spielen sich Woche für Woche überall auf der Welt ab. Etwas Ungewöhnliches, ja Außergewöhnliches erlebten deshalb die 50.000 Zuschauer am Wochenende im Berliner Olympiastadion: Bevor das Bundesliga-Spiel gegen Schalke 04 angepfiffen wurde, knieten Spieler, Trainer und Offizielle des gastgebenden Vereins Hertha BSC nieder.

Mit ihrer Aktion sorgten sie weltweit für Aufsehen. "Die 'Take a knee'-Bewegung hat den Atlantik überquert", ist in der "Washington Post" zu lesen. In den USA war der US-Profi Colin Kaepernick 2016 als erster Spieler der National Football League (NFL) während der Nationalhymne niedergekniet, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren. Sportler wie Kaepernick sind in den Augen des amerikanischen Präsidenten "Hurensöhne", die von ihren Vereinen gefeuert werden sollten. So denkt, so redet, so twittert der mächtigste Mann der Welt.

Auch in Deutschen Stadien gibt es Rassismus

Derselbe Donald Trump distanzierte sich im August erst nach langem Zögern von einem hasserfüllten, gewalttätigen Nazi-Aufmarsch in Charlottesville. Was, so kann man fragen, hat all das mit Deutschland zu tun? Und ist der Sport die richtige Bühne dafür, sein Missfallen darüber zu artikulieren? Die klare Antwort: ja! Denn Diskriminierung ist ein grenzenloses, globales Phänomen. Auch in deutschen Stadien imitieren Rassisten Affengeräusche oder werfen Bananen nach dunkelhäutigen Spielern.

Deutsche Welle Marcel Fürstenau Kommentarbild ohne Mikrofon (DW )

DW-Korrespondent und Hertha-Fan Marcel Fürstenau

Kritiker, die Herthas Initiative für eine peinliche PR-Aktion halten, machen es sich zu leicht. Natürlich ist der Profi-Fußball von heute extrem durchkommerzialisiert. Aber der Hauptstadt-Klub wird mit seinem Kniefall gewiss keinen neuen Sponsor gewinnen, sondern bestenfalls Sympathie. Und Anerkennung hat sich das Team mit Spielern aus zehn verschiedenen Ländern allemal verdient. Manager Michael Preetz hat recht, wenn er sagt: "Wir leben in Zeiten, in denen es wichtig ist, dass Fußballvereine, die extrem im Fokus stehen, sich positionieren."

Sport war noch nie unpolitisch - im Gegenteil

Die Mär vom unpolitischen Sport war schon immer verlogen. Das Gegenteil ist zutreffend: Er ist seit jeher Spielball der Mächtigen jeglicher Couleur und Geisteshaltung. Olympische Spiele werden boykottiert, Fußball-Weltmeisterschaften mit Unterstützung korrupter Politiker gekauft. Und gleichzeitig beklagen viele, Profi-Sportler seien nur noch gestylt, geldgeil und meinungslos.

Dass es auch anders geht, hat der Verein Hertha BSC, haben seine aus aller Welt kommenden Spieler jetzt eindrucksvoll bewiesen. Man muss nicht immer darauf warten, dass Dachorganisationen wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) oder die Europäische Fußball-Union (UEFA) zu gemeinsamen Aktionen aufrufen. Sei es gegen Rassismus oder Terrorismus, wie nach den Attentaten in Nizza oder Berlin, als mit Schweigeminuten der Opfer gedacht wurde.

Jesse Owens hätte seine helle Freude gehabt

In Berlin fanden 1936 Olympische Spiele unter dem Hakenkreuz statt. Deren größter Star war der dunkelhäutige US-Leichtathlet Jesse Owens, der hier vier Goldmedaillen gewann. Nach ihm ist eine Allee direkt vor dem Stadion benannt, in dem sich am Wochenende ein Fußball-Bundesligist mit Opfern von Rassendiskriminierung solidarisierte. Jesse Owens hätte sich darüber mit Sicherheit gefreut.     

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