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Fußball

Kommentar: Handball?

Nach dem Schalker Ausgleichstor gegen den FC Bayern durch ein (unabsichtliches) Handspiel fordert DW-Redakteur Tobias Oelmaier: Es muss eine stringente Regelauslegung geben!

Es ist die 62. Minute des Bundesligaspiels zwischen Schalke 04 und dem FC Bayern. Der Münchener Neuzugang Xabi Alonso versucht, einen Kopfball auf der Torlinie zu klären, schießt den Ball volley an den Ellbogen des Schalkers Benedikt Höwedes, von dem aus er ins Tor springt. Trotz vehementer Proteste der Bayern-Profis, die die Aktion aus nächster Nähe beobachtet haben, gibt Schiedsrichter Marko Fritz den Treffer. Und das wohl zu Recht. Höwedes ist sicher kein Vorwurf zu machen. Aus einem halben Meter Entfernung ist der Ball von Alonso keinen Wimpernschlag unterwegs, eine willentliche Reaktion ist also auszuschließen. Die Handbewegung war auch nicht "unnatürlich", ein weiteres Kriterium, die ein Handspiel als ein solches im regeltechnischen Sinne strafbar macht. "Wenn er mich aus 30 Zentimetern anschießt, ist es ein reguläres Tor", verteidigt sich Torschütze Höwedes.

DW Hintergrund Deutschland Moderatoren Tobias Oelmaier

Tobias Oelmaier, DW Sport

Andererseits hat der seine Körperfläche durch den nicht ganz angelegten Arm vergrößert, und unstrittig wäre der Ball nichts ins Tor geprallt, wäre der Arm eben nicht da gewesen. Bayer-Torwart Manuel Neuer machte nach dem Schlusspfiff beim Fernsehkanal "Sky" seinem Ärger Luft: "Was, wenn er als Abwehrspieler auf der Linie gestanden hätte? Der Schiedsrichter hätte bestimmt Elfmeter gepfiffen!". Und damit hat Neuer wohl auch recht. Häufig wurden in den letzten Monaten ähnliche Aktionen in der Defensive mit Freistößen oder Strafstößen geahndet. Wurde eine klare Torchance verhindert, gab´s dazu sogar noch einen Platzverweis für den unglücklich Angeschossenen.

Was also tun? Wie die Ungleichbehandlung verhindern? Wie die Unsicherheit bei den Akteuren beheben? Ganz einfach: Es muss eine stringente Regelauslegung her! Und die kann nur heißen: Berührt ein Spieler den Ball mit der Hand oder dem Arm, der in diesem Moment nicht angelegt ist, ist das als Handspiel zu werten und zu bestrafen. Egal, ob er das mit Absicht tut oder nicht. Denn welcher Schiedsrichter kann sich schon in den Fußballer - oder besser Handballer - hineinversetzen? Das mag im Einzelfall hart sein, zum Beispiel, wenn eben ein Spieler aus einem halben Meter angeschossen wird, aber wenigstens wäre eine solche Regel transparent und nachvollziehber. Und im günstigsten Fall gleichen sich die unglücklichen und glücklichen Handspielmomente in einer Spielerkarriere sogar aus.

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