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Afrika

Kommentar: Gute Basis für Malis Neuanfang

Eineinhalb Jahre nach dem Militärputsch hat das westafrikanische Mali gewählt. Mit Präsident Ibrahim Boubacar Keïta könnte sich das krisengeschüttelte Land wieder stabilisieren, meint Claus Stäcker.

Claus Stäcker, Leiter der Afrika-Programme der Deutschen Welle (Foto: DW)

Claus Stäcker, Leiter der Afrika-Programme der Deutschen Welle

Mali hat richtig gewählt. „Glaubwürdig und transparent“, meinen die EU-Wahlbeobachter. Und auch noch: den richtigen Mann. So jedenfalls lassen sich die europäischen Reaktionen auf den Wahlsieg Ibrahim Boubacar Keïtas zusammenfassen. Der neue Mann an der Spitze, den sie alle nur IBK nennen, ist zuallererst Frankreichs Mann. Präsident François Hollande wartete nicht einmal das offizielle Ergebnis ab, um zu gratulieren. Ein Sieg für die Demokratie sei das und Frankreich werde an seiner Seite stehen, versprach Hollande. Keïta hat in Paris studiert und doziert. Er leitete EU-Programme und arbeitete für Terre des Hommes. Seine Wahlkampagne wurde von einer französischen PR-Agentur geführt. Er gilt als berechenbar und zuverlässig. Paris ist zufrieden.

Erleichterung auch in Deutschland

Aber auch Berlin ist erleichtert. Keïta ist auch Deutschlands Mann. Die Bundesregierung kennt ihn gut, auch wenn sie gewarnt ist: Auf seinen Vorgänger Amadou Toumani Touré hielt sie ebenfalls große Stücke, bis er 2012 gestürzt wurde. Mali und Deutschland haben gute Beziehungen, die weit zurückreichen. Dem Afrikaforscher Heinrich Barth, eine Legende, ist in Timbuktu ein Museum gewidmet. Als erste erkannte die Bundesregierung 1960 Malis Unabhängigkeit an. Malische Militärs wurden auf deutschem Boden ausgebildet, Studenten in Ost- und West. Es gibt Städtepartnerschaften und Freundeskreise. Malis erste Demokratisierungsphase Anfang der 1990er Jahr löste eine rege Besuchsdiplomatie aus. Bundespräsident, Außen-, Entwicklungs- und Verteidigungsminister, Parlamentspräsident. Nicht jedem Land mit einem so dürftigen Handelsvolumen - der deutsch-malische Warenaustausch lag 2010 gerade mal bei 70 Millionen Euro - wird so viel Aufmerksamkeit zuteil. Aber Mali galt als Modellstaat für eine demokratische Transformation in Afrika. Und im Krisenmeer Sahel als Insel der Hoffnung und Stabilität. Bis zum Putsch.

Ein Mann des Militärs

Der neue Präsident Keïta hat den Umsturz nie verurteilt. Er ist ein Mann des Militärs und macht keinen Hehl daraus: Wie kann jemand ein guter Präsident sein, wenn er nicht das Vertrauen der Militärs hat, fragte er in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur rhetorisch. Den deutschen Ambitionen kommt das durchaus entgegen: Die Bundesregierung will, dass die malischen Sicherheitskräfte die fragile Lage im Norden selbst in den Griff bekommen und hilft deshalb mit 180 Soldaten und Polizisten bei der Ausbildung. Keïta brachte aber auch die muslimischen Würdenträger hinter sich. Koranverse am Anfang seiner Reden symbolisierten den Wählern: Ich, IBK, bin auch der Mann des Islam. Große Skepsis hatte die Wahl begleitet: Sie sei zu hastig vorbereitet, neue politische Kräfte hätten keine Chance. Die biometrischen Wahlkarten könnten nicht rechtzeitig fertig werden, die Wähler in der Regenzeit wegbleiben.

Alle wollen Stabilität

Aber dann stimmten mehr Malier ab als früher - trotz heftiger Regengüsse, tiefem Matsch und manch anderem Mangel. Und gaben einem Mann aus dem alten Establishment ihre Stimme, der sich in seinen sechs Jahren als Ministerpräsident jedoch den Ruf des „Kankeletigui“ erworben hatte. In der Bambara-Sprache ist das einer, der sein Wort hält. Offenbar trauen sie ihm die Vaterrolle zu, den Part des nationalen Versöhners, den Mali so dringend benötigt.

Freilich blieb Keïta, ein Mann des Südens und der Stadt, vage, was die Aussöhnung mit den radikalen Tuareg im Norden angeht. Die Probleme sind also immens. Aber Keïta hat gute Startvoraussetzungen. Nach dem gelungenen Wahlgang sind ihm drei Milliarden Euro versprochen, so hat es eine große Geberkonferenz im Mai beschlossen. Das ist ermutigend für das Land, für die krisengeschüttelte Region und für Europa, das sich nach den Fehlentwicklungen der Arabellion nichts mehr wünscht als ein stabiles Mali. Es ist nun an dem 68-jährigen Altpolitiker Keïta zu beweisen, dass er auch im neuen Amt ein „Kankeletigui“ ist. Ein Mann, der sein Wort hält.

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