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Wirtschaft

Kommentar: Großreinemachen bei Siemens

Nicht einmal zwei Tag nach den ersten Gerüchten über seine mögliche Absetzung zog Siemens-Chef Klaus Kleinfeld die Konsequenzen. Karl Zawadzky kommentiert die Führungskrise von Siemens.

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Wer gedacht hatte, mit dem Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich von Pierer seien die personellen Konsequenzen der Korruptionsaffäre im Siemens-Konzern beendet, der sieht sich eines Besseren belehrt. Auch Vorstandschef Klaus Kleinfeld gibt sein Amt ab. Und das dürfte längst nicht das letzte Opfer auf der Chefetage sein. Vorstandsmitglieder von Siemens haben mit dem Staatsanwalt zu tun, ein aktives Vorstandsmitglied saß zwischenzeitlich in Untersuchungshaft, ein ehemaliges ebenso. In einem offenen Machtkampf hat der Aufsichtsrat Kleinfeld die anstehende Verlängerung seines Chefvertrages verweigert. Kleinfeld blieb nichts anderes, als die Ankündigung seines freiwilligen Rückzugs. Damit ist er einem Rausschmiss zuvorgekommen.

Skandalöses Management

Längst geht es nicht mehr nur um das berufliche Schicksal von Führungspersonen beim weltweit agierenden Traditionskonzern. Es geht um Siemens selbst. Das Management der Krise ist so skandalös wie der Anlass. Um in dafür anfälligen Ländern an Großaufträge zu kommen, sind bis zu 400 Millionen Euro als Schmiergelder veruntreut worden, eine gigantische Summe. Fieberhaft wird nach Belegen für Korruption, nach Tätern und Verantwortlichen gesucht. Bislang geht niemand davon aus, dass der langjährige Vorstandschef Heinrich von Pierer oder dessen Nachfolger Klaus Kleinfeld persönlich in den Skandal involviert sind oder von den Bestechungen auch nur Kenntnis hatten. Aber frei von Verantwortung sind sie dennoch nicht.

Wie können in einem Unternehmen Millionen über Millionen in dunkle Kanäle verschwinden und der Chef weiß von nichts? Wenn dem so ist, dann hat es an Kontrolle und Kontrollmechanismen gefehlt. Vielleicht hat die Unternehmensspitze nicht so genau hingeschaut, weil sonst eine gängige Praxis, die so schön zu Großaufträgen führte, nicht mehr funktioniert hätte? Das ist nur ein Verdacht. Doch auch der reicht. Hinzu kommt noch ein Skandal im Skandal: Siemens hat in Verletzung des Betriebsverfassungsgesetzes die Gründung einer arbeitgeberfreundlichen Arbeitnehmervertretung mit Millionenbeträgen gesponsert, um die Gewerkschaft zu schwächen. Nach dem Motto: Teile und herrsche.

Ideale Gelegenheit

Es ist richtig: Ohne ein Großreinemachen an der Spitze ist ein glaubhafter Neubeginn nicht möglich. Doch die Arbeitgebervertreter im Aufsichtsrat haben äußerst dilettantisch agiert und damit dem Unternehmen weiteren Schaden zugefügt. Siemens ist mit fast 500.000 Mitarbeitern und Produktionsstätten, Joint Ventures oder Vertriebsniederlassungen in fast allen Ländern der Welt eines der größten globalen Unternehmen - und nun ohne Führung. Fieberhaft wird nach einem neuen Chef gesucht. Das ist eine ideale Gelegenheit für Unternehmensjäger, die schon lange empfehlen, den Konzern aufzuspalten und seine Einzelteile zu verkaufen.

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