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Kommentar: Großer Wurf benötigt große Werfer

Das FIFA-Exekutivkomitee verabschiedet ein Reformpaket, das den Fußball-Weltverband in eine skandalfreie Zukunft führen soll. DW-Sportredakteur Stefan Nestler bleibt skeptisch, weil er den Handelnden misstraut.

Zu viel ist schief gelaufen in der FIFA, als dass man jetzt einfach sagen könnte: Super, die Reform, die beim FIFA-Kongress Ende Februar verabschiedet werden soll, ist ein großer Wurf. Das wird sich - wie bei jeder Reform - erst erweisen, wenn sie auch mit Leben gefüllt wird. Immerhin, und das ist bei dem Retro-Laden FIFA schon ein Riesenfortschritt, sind einige längst überfällige Veränderungen in die Wege geleitet worden.

Aufwertung des Generalsekretariats macht Sinn

DW-Sportredakteur Stefan Nestler. Foto: DW

Stefan Nestler, DW Sport

Der Präsident soll maximal zwölf Jahre herrschen dürfen - was, je nach FIFA-Chef, immer noch recht lange erscheint, aber besser als keine Begrenzung ist. Auch der bisherigen Allmacht des Exekutivkomitees, die der Korruption Tür und Tor öffnete, soll ein Ende gemacht werden. Das Komitee soll nicht nur anders heißen ("Council"), sondern auch weniger Befugnisse erhalten. Nach wie vor entscheidet dieses Gremium über die großen sportpolitischen Linien des Weltverbands. Doch das Tagesgeschäft, einschließlich Finanzen, soll künftig das Generalsekretariat übernehmen. Dort, das räumen selbst FIFA-Kritiker ein, sitzen die Fachleute, die dafür sorgen, dass der Ball weiter rollt, auch im übertragenen Sinne. Wären sie nicht, wäre das Kartenhaus FIFA angesichts der chaotischen Ereignisse der letzten Monate wahrscheinlich schon längst eingestürzt. Ihnen mehr Macht einzuräumen, macht also durchaus Sinn.

Immer noch auf der Bremse

Das Reformpapier lässt jedoch Fragen offen. Wie soll sichergestellt werden, dass die FIFA-Kommissionen wirklich "unabhängig" sind und nicht verbandsintern gesteuert? Warum übernimmt die FIFA die nun verbindlich vorgeschriebenen Integritätsüberprüfungen der Council-Mitglieder und lässt sich dabei von einem "unabhängigen Komitee" überwachen, statt sie direkt einer Institution außerhalb des Weltverbands zu überlassen? Warum wurde die ursprünglich vorgeschriebene Altersgrenze für Council-Mitglieder von 74 Jahren fallen gelassen? Diese ungeklärten Fragen wirken, als hätte die Reformkommission oder das Exekutivkomitee, das die Vorschläge absegnen sollte, den Fuß noch immer nicht ganz von der Bremse genommen. Und damit sind wir am wirklich heiklen Punkt angelangt.

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