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Sport

Kommentar: Großartig

Die Olympischen Spiele in London haben neue Maßstäbe gesetzt, findet DW-Sportredakteur Stefan Nestler, der auch nicht in das weit verbreitete Jammern über das Abschneiden der deutschen Starter einstimmen will.

Stefan Nestler, DW-Sportredaktion. Foto: DW/Per Henriksen

Stefan Nestler, DW-Sportredaktion

London bot zauberhafte Spiele. Die Olympia-Gastgeber hatten den Mut, Wettbewerbe auch im Herzen der britischen Hauptstadt auszutragen, vor einer Traumkulisse: das Ziel der Marathon- und Radrennen vor dem Buckingham Palace, Beachvolleyball an der Horse-Guard-Parade, Freiwasser-Schwimmen im Hyde Park. Und dann diese Stimmung. Großartig, egal ob im Olympiastadion, auf den Straßen Londons, am Dorney Lake in Eton oder an den anderen Wettkampfstätten. Überall volle Ränge oder dichtes Spalier. Die Zuschauer feierten alle Athleten – Sieger und Verlierer. Auch das ist Fairplay.

Erfolgreiche Briten

Natürlich brandete der Jubel besonders laut auf, wenn britische Sportler nach Gold, Silber oder Bronze griffen. Das kam häufiger vor, als viele im Vorfeld erwartet hatten. Das Konzept der Gastgeber ging auf. In den vergangenen Jahren hatten die Briten viel Geld in die Hand genommen, um ihren Olympiastartern eine optimale Vorbereitung auf die Spiele im eigenen Land zu ermöglichen. Jetzt gehört Großbritannien – sportlich gesehen – zu den großen Drei: hinter den USA und China, vor Russland. Interessant wird sein zu beobachten, ob hier nur der Heimnimbus durchschlug oder der Erfolg der Briten auch nachhaltig sein wird.

Respekt vor Leistungen

Deutschlands Sportler sammelten zwar weniger Gold, aber insgesamt mehr Medaillen als vor vier Jahren in Peking. Das sollten jene bedenken, die alles nur durch die nationale Brille sehen, Medaillenpläne aufstellen und dann über das vermeintlich schlechte Abschneiden jammern. Natürlich gibt es Diskussionsbedarf, was zum Beispiel bei den Schwimmern schief gelaufen ist und für ihre schlechteste Olympiabilanz seit 1932 gesorgt hat. Das schreit geradezu nach Reformen. Dafür aber haben viele andere Deutsche großen Sport geliefert, mit persönlichen Bestmarken, die nicht zwangsläufig für Medaillen reichten, aber doch Respekt verdienen. Genauso wie die Leistungen jener Sportler aus anderen Nationen, die im entscheidenden Augenblick einfach besser waren.

Harting, Bolt, Phelps

Einige deutsche Olympia-Starter haben auch für Sternstunden gesorgt. Stellvertretend genannt seien Diskus-Olympiasieger Robert Harting, der Gold-Achter im Rudern sowie die Sensations-Sieger im Beachvolleyball, Julius Brink und Jonas Reckermann. Auch die große Show des Sprint-Superstars Usain Bolt wird unvergesslich bleiben. Der Jamaikaner machte sich mit seinen neuerlichen Olympiasiegen ebenso zur Legende wie der US-Schwimmer Michael Phelps, der mit seinen Erfolgen in London einen olympischen Medaillenrekord aufstellte, an dem sich wohl Generationen von Sportlern die Zähne ausbeißen werden. Die Zahl der Dopingfälle, zumindest der aufgedeckten, blieb überschaubar. So konnten wir uns auf den Sport konzentrieren. Und der war großartig – bei großartigen Spielen. Danke, London!

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