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Kultur

Kommentar: Glückwunsch dem Russland von 2014

Die Auswahl Sotschis für die Winterspiele von 2014 ist ein Erfolg für die international in der Kritik stehende Elite in Russland. Dennoch: Es gibt einen guten Grund zur Gratulation, meint Ingo Mannteufel

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Die russische Stadt Sotschi am Schwarzen Meer ist in der Nacht in Guatemala vom Internationalen Olympischen Komitee zum Austragungsort der Winterspiele von 2014 ernannt worden. Damit konnte der eigens angereiste russische Präsident Putin einen deutlichen PR-Erfolg nicht nur für Russland erringen. Es ist auch Putins ganz persönlicher Triumph. Denn die Bewerbung Sotschis für die Winterspiele 2014 war ein wichtiges Prestigeobjekt für Putin, der international und auch national für seine Politik in der Kritik steht.

Ingo Mannteufel

Der Sieg Sotschis in Guatemala-City dürfte nun die Popularität – das Rating wie es in Russland so schön heißt – des Präsidenten Putin und seiner regierenden Elite kurzfristig in unermessliche Höhe ansteigen lassen. Damit hat die Entscheidung heute Nacht in Guatemala auch indirekte Auswirkungen auf die im Dezember 2007 und März 2008 bevorstehenden Parlaments- und Präsidentenwahlen, deren demokratischer Charakter gegenwärtig zumindest angezweifelt werden kann. Die Auswahl Sotschis stützt somit das gegenwärtige politische Ordnungsmodell in Russland.

Neues russisches Selbstbewusstsein

Zudem trägt die Entscheidung für Sotschi zur gegenwärtigen Hochstimmung in der russischen Politik bei: Nach Jahren des politischen und wirtschaftlichen Niederganges haben die hohen Einnahmen aus den Energieexporten und dem damit verbundenen Wirtschaftsaufschwung mittlerweile zu einem neuen russischen Selbstbewusstsein in den Außenbeziehungen geführt. Diese außenpolitische Offensive trägt zuweilen ruppige und aggressive Züge, die Russland wieder als Bedrohung erscheinen lassen. Es ist nun zu erwarten, dass die russische Führung die Auswahl Sotschis als Beleg für die Richtigkeit der eigenen Politik interpretieren wird. Somit kommt aus der politischen Perspektive des Jahres 2007 keine Begeisterung für die Auswahl Sotschi als Austragungsort für die Winterspiele 2014 auf.

Dennoch: Das Russland von heute ist nicht das Russland, das 2014 die Winterspiele austragen wird. Denn auch wenn uns die Putin-Führung etwas anderes glauben machen will, Russland hat noch lange nicht zur Normalität gefunden. Es befindet sich immer noch in einem heftigen politischen, ökonomischen und sozialen Umbruchprozess von historischem Ausmaß. Das wird auch in den nächsten Jahren weitergehen. Im Jahre 2014 wird die erste, wahrlich postsowjetische russische Jugend, die also nach 1991 geboren wurde, gerade die Hochschulen verlassen und in den Beruf einsteigen. Ob mit dieser Generation das gegenwärtige politische Ordnungsmodell mit der Beschränkung von Freiheitsrechten und den autoritären Tendenzen erhalten bleiben kann, ist äußerst fraglich. In diesem Sinne, herzlichen Glückwunsch dem Russland von 2014.

Ingo Mannteufel, Leiter der russischen Online-Redaktion der Deutschen Welle

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