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Wirtschaft

Kommentar: Gier schlägt Verstand

Post-Chef Klaus Zumwinkel soll Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben - obwohl er finanziell mehr als ausgesorgt hatte. Ein Zeichen völlig entfesselter Gier, meint Karl Zawadzky.

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Klaus Zumwinkel ist nicht irgendwer, sondern einer der bekanntesten, mächtigsten und erfolgreichsten Manager der deutschen Wirtschaft. Seit 19 Jahren steht Zumwinkel an der Spitze der Deutschen Post, zudem überwacht er als Vorsitzender des Aufsichtsrats die Deutsche Telekom. Zumwinkel ist nicht nur in der deutschen Wirtschaft vernetzt wie kaum ein anderer Spitzenmanager, sondern er hält auch enge Kontakte zur Politik, schließlich ist der deutsche Staat immer noch an der Post und an der Telekom beteiligt. Sein Erfolg ist unbestritten.

Als Manager erfolgreich

Karl Zawadzky

Als er die Leitung der Post übernahm, war aus der Behörde gerade erst ein Unternehmen geworden; allerdings hatte sich an den chronischen Verlusten noch nichts geändert. Geändert hat sich das in Zumwinkels Amtszeit. Aus der verschlafenen Post hat er den weltweit größten Logistik-Konzern mit rund 500 000 Mitarbeitern in fast allen Ländern der Erde geformt. Von der Zahl der Beschäftigten ist die Deutsche Post das siebtgrößte Unternehmen der Welt. Aus den Verlusten sind milliardenhohe Gewinne geworden.

Und nun hat ein solch erfolgreicher Mann ein halbes Jahr vor seiner Pensionierung Polizei und Staatsanwalt im Haus und im Büro, die nach Belegen für eine groß angelegte Steuerhinterziehung suchen. Dabei gilt natürlich auch in diesem Fall erst einmal die Unschuldsvermutung. Das heißt: Bis zum Beweis der Straftat und der rechtskräftigen Verurteilung ist Vorsicht geboten. Es kann sich ja erweisen, dass Zumwinkel völlig legal gehandelt hat und dass er den Vorwurf der Staatsanwaltschaft entkräften kann.

Das Bild des seriösen Managers hatte schon Kratzer

Gelingt ihm das nicht, hat er also tatsächlich in großem Stil Steuern hinterzogen, dann lässt sich wieder einmal feststellen: Gier schlägt den Verstand. Und das bei einem Mann, der es wirklich nicht nötig hat, wegen Geld seinen guten Ruf und seinen Job zu riskieren. Zumwinkels Vergütung bei der Post belief sich zuletzt auf rund 3,5 Millionen Euro im Jahr. Hinzu kommt, dass er durch ein Erbe bereits vor seinem Start ins Berufsleben finanziell ausgesorgt hatte. Vielleicht hat ihn das in finanziellen Dingen unsensibel werden lassen. Das Bild des überaus seriösen Managers hat erstmals vor einigen Monaten Kratzer bekommen, als Zumwinkel in der Politik den Mindestlohn für Postboten durchsetzte und den darauf einsetzenden Aufschwung der Postaktie nutzte, mit Aktienoptionen einen millionenschweren Reibach zu machen.

Hat Zumwinkel Steuern hinterzogen, dann handelt es sich zwar um einen besonders prominenten Fall, aber keineswegs um einen Einzelfall. Steuerhinterziehung ist in Deutschland Volkssport. Die einen schummeln bei der Fahrtkostenpauschale und bei anderen berufsbedingten Ausgaben, die anderen leiten Einnahmen am Finanzamt vorbei oder geben in der Einkommensteuererklärung ihre im Ausland anfallenden Zinserträge nicht an. Letzteres wird Zumwinkel vorgeworfen. Es geht um einen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe. Experten der Finanzverwaltung gehen davon aus, dass den deutschen Finanzämtern durch Steuerhinterziehung pro Jahr rund 30 Milliarden Euro verloren gehen.

Auch Liechtenstein ist nicht mehr sicher

Vor Jahren sind in großer Zahl Deutsche aufgeflogen, die ihr Geld nach Luxemburg geschleust hatten. Jetzt müssen alle zittern, die es in vermeintliche Sicherheit vor dem Finanzamt nach Liechtensein gebracht haben. Denn dort hat ein Bankangestellter bei seiner fristlosen Kündigung interne Unterlagen über Kunden aus Deutschland mitgehen lassen und anschließend versucht, die Bank zu erpressen. Kopien, die er einem Mittäter in Deutschland überlassen hatte, sind bei der Justiz gelandet. So ein Pech auch – und das nicht nur für Klaus Zumwinkel. Vor dem Gesetz sind alle gleich, der kleine Schummler und der große Betrüger - und auch der ganz große Manager.

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