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Kommentar: Gesundheit geht vor

Marco Reus fährt wegen einer Entzündung des Schambeins nicht mit zur EM. Bundestrainer Löw verzichtet notgedrungen auf den Offensivspieler. Eine bittere, aber richtige Entscheidung, findet Andreas Sten-Ziemons.

2014 war es eine gerissene Syndesmose, diesmal zwicken die Adduktoren. Schon 2010 konnte Marco Reus nicht mit zur WM nach Südafrika fahren - wegen muskulärer Probleme. 2012 bei der EM war er zwar dabei, doch war da im Halbfinale gegen Italien Schluss. Nachdem er im Sommer vor zwei Jahren nur tatenlos beim WM-Erfolg der Kollegen zuschauen konnte, wollte er diesmal unbedingt auf dem Platz stehen und Teil der Mannschaft sein, sollte es erneut einen Titel für das DFB-Team zu feiern geben.

Doch nun muss Marco Reus ausgerechnet an seinem 27. Geburtstag die schlimme Nachricht verkraften, dass er auch in Frankreich nicht dabei sein wird. Fast wie Hohn wirken da die Geburtstagsgrüße, die Reus zuvor zahlreich von Fans - aber auch vom DFB-Team, DFB-Fanclub und einigen Mitspielern - über die sozialen Medien erhalten hat.

Die nächste große Chance auf einen wichtigen Titel für den außergewöhnlich talentierten, aber auch überdurchschnittlich oft verletzten Kicker ist weg.

Kaum vergleichbare Spieler im Kader

Sportlich ist der Verlust für die deutsche Mannschaft groß. Es gibt im deutschen Kader nicht viele Fußballer wie Marco Reus, die sich schnell und trickreich mit dem Ball am Fuß gegen mehrere Gegner durchsetzen können, die selber Tore schießen, aber auch in der Lage sind, den Weg bis an die Grundlinie zu machen, um so Treffer vorzubereiten.

Mit Julian Brandt und Karim Bellarabi hat Löw zudem auf zwei weitere Offensivspieler verzichtet, die an guten Tagen punktuell in der Lage sind, Gleiches wie Reus zu leisten. Mit dem Unterschied, dass Reus regelmäßig starke Leistungen abruft. Zwölf Tore steuerte der Mittelfeldspieler in der abgelaufenen Bundesliga-Saison zur Vizemeisterschaft der Dortmunder Borussia bei - sechsmal war es das wichtige 1:0.

"Reine Vorsicht" gegen "massive Probleme"

Andreas Sten-Ziemons (Foto: DW)

Andreas Sten-Ziemons

Merkwürdig wirkt lediglich die Informationspolitik des DFB. Vor wenigen Tagen noch hieß es, Reus reise als "reine Vorsichtsmaßnahme" nicht mit zum

Testspiel gegen die Slowakei

nach Augsburg. Nun spricht der Bundestrainer von "massiven gesundheitlichen Problemen". Der Spieler könne momentan "nur geradeaus laufen". Die Mediziner seien "sehr, sehr skeptisch" gewesen, dass er in den kommenden Wochen "bei einem zehrenden Turnier voll belastet werden kann". Eine unerwartet drastische Verschlimmerung von Reus' Gesundheitszustand innerhalb kurzer Zeit.

Dennoch bleibt die Entscheidung Löws im Sinne der Gesundheit des Spielers richtig. Wenn bei Reus, der sich im vergangenen November einen Muskelfaserriss in den Adduktoren zuzog und seitdem immer wieder einmal kurzzeitig mit Adduktorenproblemen ausfiel, mittlerweile tatsächlich das Schambein in Mitleidenschaft gezogen ist, ist Vorsicht geboten. Denn Schambeinentzündungen werden, wenn man die Belastung nicht herunterfährt und unter Schmerzmitteln weiterspielt, irgendwann chronisch.

Nächste Chance in Russland 2018

Reus ist heute erst 27 Jahre alt geworden. Kuriert er seine Verletzung über den Sommer in Ruhe aus, wird er keine Probleme haben, seine Karriere noch jahrelang auf hohem Niveau fortzusetzen. Möglicherweise - und die Chancen stehen gar nicht schlecht - kann er sich dann an seinem 29. Geburtstag darüber freuen, es für die WM in Russland fit und gesund in den endgültigen 23er Kader geschafft zu haben. Würde seine Gesundheit für die Möglichkeit auf den EM-Titel leichtfertig aufs Spiel gesetzt, könnte er bald öfter auf der Tribüne sitzen, als auf dem Rasen zu stehen. Und davon hätten weder die deutsche Nationalmannschaft noch Marco Reus persönlich etwas.

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