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Nahost

Kommentar: Gefährliches Spiel

Der Militäreinsatz Saudi-Arabiens und seiner Verbündeten im Jemen ist ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Doch die Verlierer stehen schon jetzt fest, meint Rainer Sollich.

Saudi-Arabien Verteidigungsminister Mohammad bin Salman

Saudi-Arabiens Verteidigungsminister Mohammad bin Salman mit Offizieren der saudischen Armee

Saudi-Arabien hat - aus seiner Sicht - im Jemen die Notbremse gezogen: Nachdem die schiitischen Huthi-Rebellen und abtrünnige Teile der Armee nach dem Norden des Landes, der Hauptstadt Sanaa und zuletzt der Stadt Taiz auch den kompletten Süden zu erobern drohten, lässt Riad nun mit Hilfe zahlreicher arabischer Alliierter die Waffen sprechen: Stellungen der Huthis werden bombardiert, eine Bodenoffensive könnte der nächste Schritt sein.

Offizielle Ziele der Operation "Sturm der Entschlossenheit" sind die Wiedereinsetzung des Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi und die Wiederherstellung von Sicherheit und Stabilität im Jemen. Ersteres könnte gelingen, zweiteres garantiert nicht: Sicherheit und Stabilität lassen sich im hoffnungslos armen und konfliktreichen Jemen nicht militärisch erzwingen. Sie bedürfen einer politischen Einigung unter Einbeziehung aller maßgeblichen Kräfte.

Machtdemonstration

Dass gewichtige Staaten wie Ägypten, Jordanien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Marokko und sogar Pakistan jetzt militärisch an einem Strang ziehen, ist eine durchaus bemerkenswerte Machtdemonstration. Sie sollte jedoch nicht als Solidaritäts-Aktion zugunsten der jemenitischen Bevölkerung missverstanden werden. Der Jemen dürfte von seinen reichen arabischen Nachbarn künftig wohl genauso am wirtschaftlichen Bettelstab gehalten werden wie in der Vergangenheit. Denn für diese "Bruderstaaten" und insbesondere für den übermächtigen Nachbarn Saudi-Arabien ist der Jemen nur ein Teil in einem großen Spiel, das auch im Irak, in Syrien und im Libanon gespielt wird: Es geht ihnen darum, den Einfluss des schiitischen Iran in der Region zurückdrängen, der aus saudischer Perspektive durch die militärische Expansion der Huthis im Jemen gefährlich gestiegen ist.

Deutsche Welle Rainer Sollich Arabische Redaktion

Rainer Sollich, DW-Arabisch

Bisher spricht zum Glück wenig dafür, dass der Iran sich - wie teils in Syrien und im Irak - selbst aktiv in das jemenitische Kampfgeschehen begibt. Die militärische Übermacht seiner Gegner ist schlichtweg zu groß. Und die Risiken eines regionalen Flächenbrandes wären auch für Teheran völlig unberechenbar. Doch so oder so: Es ist ein gefährliches Spiel, dass hier gespielt wird - denn der Iran hat in seinem Kampf um regionalen Einfluss auch andere Mittel: Teheran könnte die Huthis im Verborgenen noch stärker als bisher schon mit Waffen und militärischer Beratung unterstützen. Ebenso könnte es versucht sein, schiitische Bevölkerungsgruppen in Ländern wie Saudi-Arabien und Bahrain zu weiteren Aufständen gegen ihre sunnitischen Herrscher zu ermuntern oder die konfessionell aufgeladenen Konflikte in Syrien und Irak weiter anzuheizen. Auch dem Regime in Teheran geht es dabei nicht um Solidarität oder gar um Minderheitenrechte. Es will tatsächlich seine Macht in der Region ausbauen - deswegen blicken die sunnitischen Staaten dort auch ähnlich besorgt auf das iranische Atomprogramm wie die Israelis.

Gewinner und Verlierer

Mit entscheidend dürfte sein, wie der ehemalige Präsident Ali Abdullah Saleh sich künftig verhalten wird. Der ebenso wendige wie korrupte ehemalige Langzeit-Herrscher war ein Zweckbündnis mit den Huthis eingegangen, um sich selbst zurück an die Macht zu bringen. Diese Rechnung haben die arabischen Staaten nun erst einmal mit ihren Militäraktionen durchkreuzt. Doch Saleh hat weiterhin einen gewichtigen Teil des Militärs hinter sich. Wenn diese Einheiten auch künftig an Seiten der Huthis kämpfen sollten, könnte ein Bodenkrieg verlustreich ausfallen.

Teheran und verbündete schiitische Kräfte wie die libanesische Hisbollah warnen bereits vor den Konsequenzen des Militäreinsatzes für die gesamte Region, ebenso der Irak. Das mögen nur Drohgebärden sein, doch die schon vorher gefährlich zugespitzten konfessionellen Spannungen im Nahen und Mittleren Osten werden durch den Militäreinsatz noch einmal deutlich angefacht. Davon profitieren naturgemäß radikale Kräfte wie Al Kaida und der "Islamische Staat", ebenso Hardliner auf schiitischer Seite. Zugleich stehen dadurch auch schon die Verlierer der Eskalation fest: die Zivilbevölkerung im Jemen, auf deren Rücken ein Stellvertreter-Krieg ausgefochten wird - und alle politischen Kräfte, die auf Dialog, Entwicklung und Erneuerung in der arabischen Welt setzen.

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