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Kommentare

Kommentar: Gefährliche Todesspirale

Mit Ananta Bijoy Das wurde in Bangladesch erneut ein Blogger ermordet. Die liberalen Kräfte im Land geraten zunehmend unter Druck, doch die Regierung in Dhaka unternimmt kaum etwas dagegen, meint Grahame Lucas.

Der Preis für Meinungs- und Redefreiheit in Bangladesch ist extrem hoch. Das musste auch der 31-jährige Blogger Ananta Bijoy Das erfahren. Er war bereits der dritte Blogger, der in diesem Jahr auf offener Straße ermordet wurde. Bereits im Februar wurde Avijit Roy getötet, im März sein Kollege Washiqur Rahman. Zwar wurde noch kein Täter gefasst, aber diese Morde trugen die typische Handschrift der islamistischen Extremisten.

Wie Roy und Rahman war Ananta Bijoy Das ein moderner liberaler Schriftsteller. Er schrieb insbesondere über Wissenschaft und Religion und arbeitete für mehrere Medien, unter anderem für den Blog "Mukto-Mona", auf deutsch "Freie Meinung". Dieser Gruppenblog gewann im April beim Wettbewerb The Bobs ("Best of the Blogs") der Deutschen Welle den Preis in der Kategorie Social Change.

Grahame Lucas, Leiter der Südostasien-Redaktion der DW. (Foto: DW)

Grahame Lucas, Leiter der Südostasien-Redaktion der DW

Kritik an Dogmen und Extremismus

"Mukto-Mona" hat sich insbesondere durch seine kritische Haltung zum Islam im Land einen Namen gemacht. Die Webseite setzt insbesondere wissenschaftliche Erkenntnisse ein, um besonders von den Extremisten gehegte religiöse Dogmen in Frage zu stellen. Das konnte Ananta Bijoy Das besonders gut. Er war auch Redakteur für das Magazin "Jukti" ("Der Grund"). Für seinen Einsatz für den Säkularismus zeichnete ihn der Gruppenblog "Mukto-Mona" mit dem "Rationalist Award" aus.

In Bangladesch werben die Islamisten schon seit Jahren mit allen Mitteln für ihre verzerrten Ansichten über eine "islamische Gesellschaft". Sie verhindern damit eine kritische Diskussion über die Rolle des Islams.

Dabei war diese in der Gesellschaft Bangladeschs von Anfang an eine sehr zwiespältige. Die Verfassung des Landes von 1972 definiert Bangladesch als "säkulares Land", sehr zum Ärger der Islamisten. 1988 erklärte Staatspräsident Hossain Mohammad Ershad den Islam wieder zur Staatsreligion. Erst 2010 setzte dann das Oberste Gericht den Säkularismus als einen der Grundpfeiler der Verfassung wieder in Kraft.

Eine der weltweit kritischsten Blog-Kulturen

Dies führte zur Entstehung der Blog-Bewegung, die eine der lebendigsten, zugleich aber auch eine der kritischsten in der ganzen Welt ist. Die Blogger kämpfen darum, das Spektrum der freien Meinungsäußerung im Lande zu erweitern, um den konventionellen und extrem religiösen Standpunkten etwas entgegenzusetzen.

Die Regierung in Dhaka ist sich der Tatsache bewusst, dass die Ideen, die von den Bloggern vertreten werden, in der Mainstream-Politik des moderat muslimischen Landes wenig attraktiv sind. Sie hat zu wenig getan, um die Extremisten in die Schranken zu weisen.

Tatenlose Polizei

Das Verhalten der ebenfalls untätigen Polizei, die weder die Blogger ausreichend schützt noch gegen die religiösen Führer wegen Mordes ermittelt, sorgt für Angst und Unsicherheit im liberalen Teil der Gesellschaft Bangladeschs. Nicht zuletzt, weil die Islamisten offen damit gedroht haben, insgesamt 84 Blogger und Denker zu töten. Das letzte Opfer war die Nummer neun.

Ananta Bijoy Das (Foto: privat)

Ermordet: Ananta Bijoy Das

Die Morde an Ananta Bijoy Das, Washiqur Rahman und Avijit Roy sind abscheuliche Taten religiöser Fanatiker, die fanatisch daran glauben, jede vermeintliche Bedrohung ihrer Religion durch die Säkularisierung beseitigen zu müssen. Sie glauben, sie seien dazu bestimmt zu entscheiden, wo die Grenzen der freien Meinungsäußerung liegen und wo die Gotteslästerung beginnt. Sie erkennen die Verantwortlichkeit demokratisch gewählter Parlamente und unabhängiger Gerichte nicht an. Diese religiösen Fanatiker haben ihre Religion, die eigentlich Frieden und Toleranz bei Millionen Anhängern predigt, dazu missbraucht, ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu legitimieren.

Es sieht so aus, als befinde sich Bangladesch in einer Krise, die noch zu mehr Blutvergießen führen könnte. Auch westliche Länder müssen die Dringlichkeit dieser Situation erkennen. Schließlich ist der Kampf gegen den Islamismus in Bangladesch auch ihr Kampf.

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