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G20

Kommentar: G20 - Gerade noch so überlebt

Ein Treffen zwischen Gewaltexzessen und widerstreitenden Interessen - ein gelungener Gipfel sieht anders aus. Aber es hätte schlimmer kommen können, findet Dagmar Engel.

Es hätte schlimmer kommen können beim G20-Gipfel. Gemeint sind nicht die brutalen Krawalle, da hätte es kaum schlimmer kommen können. Gewalt, Zerstörung, Plünderungen in einer Dimension, wie sie in Deutschland eigentlich unbekannt ist.

Es hätte schlimmer kommen können, was das Ergebnis des Treffens dieser 19 Staaten plus der Europäischen Union angeht. Allein die Zusammensetzung dieser Runde musste jedem den Schweiß auf die Stirn treiben, der als Ziel hat, ein einstimmiges Abschlussdokument  zu produzieren: Da saßen echte Demokraten mit lupenreinen Autokraten und vielfachen Menschenrechtsverletzern zusammen, einige haben weißen Westen, andere Verfahren wegen Korruption am Hals, und einer war dabei, der Trump heißt und für zusätzliche Anspannung sorgt mit seinem unverhohlenen und massiven "America-First".

Geschafft

Kommentarbild Kommentatorenfoto Dagmar Engel

Dagmar Engel leitet das Hauptstadtstudio der DW

Unter diesen Voraussetzungen könnte man mit dem Gipfelergebnis zufrieden sein: Erstaunlicherweise haben sich alle gemeinsam darauf verständigt, dass sie Protektionismus ablehnen. Wer meint, unfair behandelt zu werden, muss sich bei der Abwehr an die Regeln der Welthandelsorganisation WTO halten - das ist ein Bekenntnis zum Multilateralismus, wie die deutsche Bundeskanzlerin sich das gewünscht hat. Das ist wohl auch ihr Erfolg - Lob kam sowohl aus der Ecke des französischen Präsidenten als auch aus der des russischen.

Beim Klima allerdings muss man schon ein Feinschmecker von politischen Abschlusserklärungen sein, um da noch einen Erfolg hineinzulesen. Die USA treten aus dem Pariser Abkommen aus, das steht schwarz auf weiß im Kommuniqué. Das erste Mal in der Geschichte der G20, dass ein Dissens festgehalten wird. Immerhin: Die anderen 19 haben sich geschlossen hinter das Pariser Abkommen gestellt. Es hätte, wie gesagt, schlimmer kommen können.

Gescheitert

Aber das ist an Tagen wie diesen nicht genug. Gute Ideen wie die Teilhabe der Frauen zu stärken, einen neuen Vertrag mit Afrika, Aktionspläne für diese Lieferketten und jene digitale Bildungsinitiative sind nicht genug. Die G20 hat es nicht geschafft, der Globalisierung ein neues Gesicht zu geben. Überall auf der Welt glauben viele Menschen, dass die Weltwirtschaft nicht das Wohl aller, sondern nur das einiger weniger im Auge hat. Angela Merkel hat zum Abschluss des Gipfels gesagt, die Aktionen der Zivilgesellschaft vor dem Gipfel und bei den friedlichen Demonstrationen hätten einen Beitrag geleistet und Einfluss gehabt. Zu sehen ist er nicht. Die G20 hat sich nicht weiter entwickelt, ist den Menschen nicht näher gekommen. Vor dem Gipfel war Merkel vorgeworfen worden, sie wolle im Wahljahr Symbolbilder von ihr als internationaler erfolgreicher Akteurin erzeugen.  

Die Symbolbilder von Hamburg sind andere.


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