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Asien

Kommentar: Frieden in Aceh als Vorbild

Seit einem Jahr gibt es Frieden in der indonesischen Provinz Aceh - nach fast drei Jahrzehnten Bürgerkrieg. Erst der Tsunami 2004 brachte die Wende. Sybille Golte kommentiert.

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Das internationale Krisen- und Konflikt-Management der letzten Jahre kann nicht gerade eine Erfolgsbilanz vorweisen: Der Irak versinkt in Gewalt, in Afghanistan verschlechtert sich die Sicherheitslage fast täglich, der Atom-Konflikt mit dem Iran schwelt weiter und für den Libanon steht eine wirkliche Lösung der Krise noch aus.

Da lohnt sich schon der Blick in die ferne indonesische Provinz Aceh, die nach 30 Jahren Bürgerkrieg im vergangenen Jahr fast geräuschlos zu Frieden und Demokratie zurückgekehrt ist - trotz extrem schwieriger Rahmenbedingungen. Ethnische Gegensätze, ein schwer kontrollierbarer Militärapparat, eine um Autonomie kämpfende Rebellenbewegung - das ist der Stoff, aus dem Konflikte entstehen. Außerdem ist Aceh die am stärksten islamisch geprägte Provinz im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt. In vielen Teilen des lokalen Rechtssystems gilt bereits die Scharia - das alles machte für viele Beobachter die Lage noch brisanter. Diese explosive Gemengelage zu entwirren und den Frieden vertraglich abzusichern, ist schon ein Meisterstück der Verhandlungskunst.

Chaos und Neuanfang

Der Erfolg in Aceh hat zwei Väter: Mit viel Diplomatie und Fingerspitzengefühl ist es dem ehemaligen finnischen Präsidenten Martti Ahtisaari gelungen, die Kontrahenten fern vom Kriegsschauplatz an den Verhandlungstisch zu bringen. Noch wichtiger ist die Rolle, die Indonesiens demokratisch gewählter Präsident Susilo Bambang Yudhoyono gespielt hat.

Es mag zynisch klingen, doch die Wende für Aceh nach drei Jahrzehnten Bürgerkrieg kam erst Ende 2004 nach dem Tsunami. Yudhoyono nutzte das Chaos nach der Katastrophe, um das Kriegsrecht zu beenden und die bis dahin hermetisch abgeschlossene Provinz über Nacht für Hilfsorganisationen aus aller Welt zu öffnen. Damit stand der Aceh-Konflikt erneut auf der Agenda. Im Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit sahen sich alle Kontrahenten zu Gesicht wahrenden Zugeständnissen gezwungen. Die Rebellenbewegung GAM zog ihre Forderung nach kompletter Autonomie zurück. Das Militär, das die Provinz unter dem Kriegsrecht beherrschte, beugte sich den Vorgaben aus Jakarta. Und die Zentralregierung erlaubte auch der Bevölkerung von Aceh endlich, an den reichen Bodenschätzen der Region teilzuhaben.

Indonesien als Vorbild

Mit dem Friedensvertrag von Aceh vom 15. August 2005 sind Zeichen gesetzt worden, mit denen viele Konflikte an den Rändern Indonesiens gelöst werden könnten. Bis heute leidet das Land unter den Strukturen, die während der 30-jährigen Herrschaft des Generalspräsidenten Suharto. Sein mächtiger Militärapparat sicherte über Jahrzehnte eine ungerechte Verteilung der Ressourcen des rohstoffreichen Landes. Eine korrupte Führungsschicht profitierte davon. Keine zehn Jahre nach dem erzwungenen Rückzug Suhartos sind jetzt die Weichen gestellt, um die Fehler der Vergangenheit zu bereinigen.

Seit seinem Amtsantritt versucht Indonesiens neuer Präsident, sich als Vermittler auf dem internationalen Parkett zu etablieren. Seine Stimme zählt in der islamischen Welt. Als demokratisch gewähltes Oberhaupt eines säkularen Staates zeigt er die Alternative zum viel beschworenen Kampf der Kulturen. Ein Beispiel, das Schule machen sollte.

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