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Europa

Kommentar: Frankreich ist fertig mit "Flanby"

Francois Hollande verschärft die wirtschaftliche und politische Krise Frankreichs und treibt die Franzosen in die Arme des Front National. Mit diesem Mann als Präsidenten kann das Land nicht reüssieren meint Max Hofmann.

Francois Hollande ist, nach neuen Meinungsumfragen, inzwischen der unbeliebteste französische Präsident aller Zeiten. Und das vollkommen zurecht! Alles, was er bisher als Le Président anfasste misslang oder zerfloss in Tränen, von der Wirtschaftpolitik bis hin zu seiner ehemaligen Lebensgefährtin Valérie Trierweiler. Aber eins nach dem anderen.

Hollande ist die jüngste Verkörperung einer französischen Tradition, den Unternehmen vorzuschreiben, was sie tun sollen. Deshalb ruft er auch zum "industriellen Patriotismus" auf. Schließlich hätten die Unternehmen – so Hollande – die Verantwortung mehr Menschen einzustellen. Eine geradezu geniale Idee, die hohe Arbeitslosigkeit und verheerende Jugendarbeitslosigkeit (rund 20 Prozent) ausschließlich der Wirtschaft in die Schuhe zu schieben. Wer sich nicht von der 35-StundenWoche blenden lässt, weiß die Verantwortung allerdings auch bei verfehlter Industriepolitik und einem teuren und unflexiblen Arbeitsmarkt.

Von Katastrophe zu Katastrophe

"Flanby" taufte der ehemaligen Wirtschaftsminister Montebourg schon 2003 seinen späteren Präsidenten. Der Titel kommt vom gleichnamigen Pudding-Dessert und soll Hollandes Unzuverlässigkeit verdeutlichen. Ganz stimmt das allerdings nicht, denn Monsieur le Président eilt zuverlässig von Katastrophe zu Katastrophe und das auch mit einer gewissen Sturheit, was seine Politik angeht. So hält er an seinem 50 Milliarden Euro Subventions-Programm für Unternehmen fest, obwohl selbst die Unternehmer mehrheitlich sagen, dass es besser wäre, etwas für die Nachfrage zu tun. Wer in den eigenen Reihen Widerworte gibt, so wie eben jener "Flanby"-Erfinder, fliegt! Oder es wird gleich die ganze Regierung aufgelöst. Hollande hat mit seiner Politik schon zwei davon verschlissen.

Die meisten Einnahmen für die Privatwirtschaft hat Hollande sicherlich bisher mit seinem Liebesleben erzeugt. Nur zur Erinnerung: wie ein amouröser Pennäler stahl sich das Staatsoberhaupt auf einem Moped aus dem Elysée-Palast, um die Schauspielerin Julie Gayet zu treffen. Als das rauskam war die Republik fassungslos und seine Lebensgefährtin Valérie Trierweiler am Boden zerstört. Das gibt es jetzt auch in schriftlicher Form: "Merci pour ce moment" heißt Trierweilers Buch und damit brach sie gleich den bisherigen französischen Verkaufsrekord von "50 Shades of Grey". Dabei schreibt sie ja nur, was alle schon wussten: der Mann ist auch privat mehr als glücklos in Wort und Tat. Nicht einmal die Armen würde er, der Sozialist, wirklich mögen, erzählt sie.

Mann ohne Plan

Kein Wunder also, dass die meisten Franzosen inzwischen glauben, Hollande hätte die Grande Nation quasi im Alleingang in die Grande Depression geführt. Natürlich hat auch die deutsche Bundeskanzlerin Schuld daran. Schließlich will sie immer nur sparen – wie soll denn da die französische Wirtschaft wieder in Gang kommen? Es ist zwar nicht gut fürs ohnehin ramponierte Selbstwertgefühl, aber insgeheim stimmen die meisten Franzosen dann doch zu: der große Nachbar Deutschland hat wirtschaftlich einiges richtig gemacht und taugt zur Zeit jedenfalls durchaus als Vorbild – et oui!

Schlussendlich führt kein Weg daran vorbei: Frankreich braucht großangelegte soziale und strukturelle Reformen um der Malaise zu entkommen. Die muss jemand durchsetzen, auch gegen den Widerstand mächtiger, streikwütiger Gewerkschaften. Dieser Jemand muss das mehrheitliche Vertrauen der Bevölkerung besitzen, starken politischen Rückhalt haben, tja, und einen Plan. Francois Hollande ist das nicht, da sind sich alle einig. Das Beängstigende: zumindest einer Umfrage zufolge glaubt eine Mehrheit der Franzosen, diese Person sei Marine Le Pen, die Präsidentin des rechtsextremen Front National.