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Nahost

Kommentar: Festspiele für die Extremisten

Der Jemen steckt schon seit Jahren in einer Krise. Aber das ärmste Land der arabischen Halbinsel hat die internationale Gemeinschaft lange nicht interessiert. Das rächt sich jetzt, meint Anne Allmeling.

Die Huthi-Rebellen meinen es ernst: Seit sie im September 2014 die jemenitische Hauptstadt Sanaa eingenommen haben, bringen sie Schritt für Schritt alles unter ihre Kontrolle, was ihre Macht festigt. Das Parlament haben sie aufgelöst, den Übergangspräsidenten in Abed Rabbo Mansur Hadi in die Flucht geschlagen, jetzt rücken sie auf die Stadt Aden im Süden des Landes vor.

Die Huthi haben dabei leichtes Spiel. Denn die Zentralregierung ist schon seit Jahren geschwächt - nicht erst seit Beginn des so genannten arabischen Frühlings. Dass sich der ehemalige Präsident Ali Abdullah Salih mehr als drei Jahrzehnte an der Staatsspitze halten konnte, lag auch daran, dass er zahlreiche seiner Gegner kaufte. Einige Gebiete hatte seine Regierung aber nie ganz unter ihrer Kontrolle - zum Beispiel die Region um Saada, die Hochburg der Huthi-Rebellen.

Die Huthi stammen von den schiitischen Zaiditen ab, die rund ein Drittel der jemenitischen Bevölkerung ausmachen und im Norden des Landes beheimatet sind. Schon seit langem kämpfen sie um eine Beteiligung an der Macht. Seit dem Bürgerkrieg in den 1960er Jahren fühlen sich die Schiiten von der sunnitischen Mehrheit an den Rand gedrängt.

Wechselnde Allianzen im Jemen

Nun sehen sie ihre Chance. Denn im ärmsten Land der arabischen Halbinsel funktioniert längst nichts mehr, wie es sich für einen Staat gehört. Unterstützt werden die Huthi ausgerechnet von Ali Abdullah Salih, gegen dessen Truppen sie jahrelang gekämpft haben. 2011 verbündeten sie sich sogar mit anderen Revolutionären und erzwangen seinen Rücktritt. Doch nun haben die Huthi und Salih ein gemeinsames Ziel: die Übergangsregierung von Abed Rabbo Mansur Hadi zu stürzen und selbst die Macht zu übernehmen – gegen den Widerstand eines großen Teils der Bevölkerung. Die internationale Gemeinschaft hat das bislang nicht groß gekümmert.

GMF Foto Anne Allmeling

DW-Redakteurin Anne Allmeling

Das Problem: Nicht nur die Huthi versuchen, die Schwäche der Regierung ausnutzen. Auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" machte in der vergangenen Woche im Jemen auf sich aufmerksam: mit einem Anschlägen auf zwei schiitischen Moscheen in Sanaa mit mehr als 140 Toten. Das kommt nicht überraschend: Der IS ist dort stark, wo seine Gegner schwach sind. Im Irak und in Syrien konnte die Terrormiliz riesige Gebiete erobern, weil die syrische Regierung geschwächt und die irakische Regierung gelähmt ist. Erst seit die USA und ihre Verbündeten Luftangriffe auf IS-Stellungen fliegen, stößt der IS an seine Grenzen.

Der Jemen gilt schon seit Jahren als Rückzugsgebiet für Dschihadisten - auch, weil die Zentralregierung nicht willens oder nicht in der Lage war, den Terror im eigenen Land zu bekämpfen. Manche Anschläge des Terrornetzwerks Al-Kaida kamen der Regierung von Ali Abdullah Salih vielleicht auch gelegen. Denn sie sicherten ihr finanzielle und militärische Unterstützung aus den USA für den Kampf gegen den Terror.

Verbleib der Waffen völlig ungewiss

In wessen Händen sich die Schusswaffen und gepanzerten Fahrzeuge aus Amerika heute befinden, ist allerdings unklar. Das jemenitische Verteidigungsministerium räumte der "Washington Post" gegenüber ein, dass militärische Ausrüstung im Wert von 500 Millionen Dollar unauffindbar sei - und das, obwohl es im Jemen ohnehin schon mehr Waffen als Bürger geben soll. Gut möglich, dass sich die Dschihadisten an den Waffen bedient haben - so wie in Libyen, wo Terroristen nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 die zahlreichen Waffenlager des Diktators plünderten. In den folgenden Monaten trugen sie erheblich zur Destabilisierung von Nordafrika und der Sahelzone bei.

Doch selbst wenn sich die Waffen nicht bei den Dschihadisten, sondern in den Händen der Huthis befinden, macht das die Lage im Land nicht sicherer. In den vergangenen Monaten haben die Rebellen immer wieder bewiesen, dass sie ihren Gegnern gegenüber nicht zimperlich sind. Längst sprechen Beobachter von einer Art Stellvertreterkrieg zwischen den schiitischen Huthis, die vom ebenfalls schiitischen Iran unterstützt werden sollen, und der sunnitisch dominierten Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi, die vom Königreich Saudi-Arabien protegiert wird. Eine gefährliche Lage, in der nur eine Sache sicher zu sein scheint: dass die Extremisten davon profitieren. Für die Bevölkerung in dem ärmsten Land auf der arabischen Halbinsel ist das eine Katastrophe.

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