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Politik

Kommentar: Fernando Lugo könnte himmlischen Beistand gebrauchen

Das Ergebnis steht fest: Der frühere katholische Bischof Fernando Lugo hat die Präsidentenwahl gewonnen. Ist der Kandidat der Mitte-Links-Allianz der Hoffnungsträger, für den viele Beobachter ihn halten?

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Das Horrorszenario nach den Präsidentschaftswahlen in Paraguay geht so: Fernando Lugo wird kurze Zeit nach seinem Sieg ermordet - die Tat wird dem früheren Armeechef und Drittplatzierten der Wahl, Lino Oviedo, in die Schuhe geschoben - und somit ist der Weg frei für Blanca Ovelar, die zweitplatzierte Kandidatin der Colorado-Partei. Das Ende der 61jährigen Colorado-Herrschaft ist dadurch nur von kurzer Dauer.

Oliver Pieper, Südamerika-Experte der Deutschen Welle (2007, Quelle: DW)

Oliver Pieper, Südamerika-Experte der Deutschen Welle

Kein geringerer als der lange inhaftierte Ex-General Lino Oviedo selbst hat dies genau so prophezeit - und viele der sieben Millionen Paraguayer trauen den Colorados ebenfalls sogar einen Mord zu, um an der Macht zu bleiben. Das sagt viel aus über eine Partei, die den Staat jahrzehntelang als Selbstbedienungsladen betrachtete. Die es sich traute, den Bürgern unter die Augen zu treten, obwohl über 40 Prozent der Bevölkerung als arm gelten und die Hälfte davon nicht einmal genug hat, um sich satt zu essen. Die dafür verantwortlich ist, dass die Menschen in Scharen - allein 60.000 im vergangenen Jahr - das Land verlassen. Die dafür sorgte, dass Paraguay weltweit einen Spitzenplatz auf der Korruptionsskala einnimmt. Die Gedanken an Bodenreform oder Teilhabe an den Ressourcen des Landes immer als Bedrohung der eigenen Pfründe begriff. Und die nicht davor zurückschreckte, den früheren Bischof Lugo im Wahlkampf als Antichristen zu bezeichnen, der Paraguay in die Hölle versenken würde.

Auf ihn warten große Aufgaben

Tatsächlich steht Lugo jetzt vor der gewaltigen Aufgabe, ebendies zu verhindern. Und dazu braucht der Mann, der im vergangenen Jahr beschloss, das Priestergewand abzulegen und Politiker zu werden, fast schon himmlischen Beistand. Da ist zum einen die Landreform: Noch gehören 90 Prozent des produktiven Terrains in Paraguay fünf Prozent der Bevölkerung. Da ist die Wiedergewinnung der Souveränität Paraguays auf dem Energiesektor: das Wasserkraftwerk von Itaipú wird gemeinsam mit Brasilien betrieben, der überschüssige Strom weit unter Marktpreis an den Nachbarn verkauft.

Und da ist die von Lugo betitelte soziale Schuld: trotz der gewaltigen Süßwasserreserven haben Hunderttausende keinen Zugriff auf sauberes Trinkwasser, Tropenkrankheiten wie Dengue und Gelbfieber nehmen durch Mückenstiche zu. Und nicht zu vergessen der Wohnungsbau, die Einführung eines universalen Gesundheitssystems, eine Bildungsreform und der Bau von Verkehrswegen.

Er werde für die Armen und die Schwachen arbeiten. Und Paraguay solle in Zukunft für seine Ehrlichkeit und nicht mehr für seine Korruption bekannt sein, hat Fernando Lugo nach seinem Wahlsieg verkündet. Das allein wird nicht reichen.

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