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Kommentar: Feminismus in Davos

Das Weltwirtschaftsforum lockt jedes Jahr die mächtigsten Menschen der Welt in die Schweiz. Auch wenn es selten konkrete Ergebnisse gibt - ein deutlicher Wandel war in diesem Jahr zu beobachten, findet Andreas Becker.

Es gibt in diesem Jahr einen "Virtual Reality Space" im Davoser Kongresszentrum. Teilnehmer konnten Indigene im australischen Outback besuchen, während sie in Wirklichkeit doch nur mit einer VR-Brille in einem klimatisierten Raum in den Schweizer Alpen saßen.

Dasselbe könnte man auch über das WEF selbst sagen, so groß ist die Dichte an Reichen, Mächtigen und Berühmten. Und so groß die Kluft zwischen der Öffentlichkeit, die durch 1000 Journalisten entsteht, und all den Treffen und Besprechungen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Das öffentliche WEF ist nur eine bunte Verpackung für den eigentlichen Kern - das Netzwerken, Kontakteknüpfen und Geschäftemachen.

Und doch ist das WEF auch ein Gradmesser für Entwicklungen, die von Bedeutung sind. Neben den großen Themen Flüchtlingskrise, Terrorismus und lahmende Weltkonjunktur gab es in diesem Jahr ein paar Überraschungen. Die Auftritte der zahlreichen Politiker gehörten allerdings nicht dazu, sie blieben vorhersehbar.

WEF will nicht mehr vorgestrig wirken

Ungewöhnlich aber war die Entscheidung, "Die Vierte Industrielle Revolution" als Hauptthema zu wählen. Das ist weder neu noch tagesaktuell, aber spannend genug, um es aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und es so aus der technischen Nische zu holen, in der es zumindest in Deutschland meist diskutiert wird.

Becker Andreas Kommentarbild App

Andreas Becker, Redaktion Wirtschaft und Wissenschaft

Überraschend auch, wie oft hier über Feminismus gesprochen wurde. Nur 18 Prozent der 2500 Teilnehmer in Davos sind Frauen, und die Veranstalter scheinen inzwischen gemerkt zu haben, dass das Forum wie ein "Old Boys Club" wirkt, also vorgestrig.

Facebook-Managerin Sheryl Sandberg, Melinda Gates von der Gates-Foundation und der kanadische Premier Justin Trudeau, der sein Kabinett im vergangenen Jahr zur Hälfte mit Frauen besetzte, "weil es 2015 ist", diskutierten hier über die Gründe, warum Frauen in den oberen Etagen der Macht noch immer eine Ausnahme sind. Auch über die Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern wurde gesproche - für Davos eine Premiere.

Ob das alles abfärbt auf die Männer, die, in Sandbergs Worten, noch immer die Welt beherrschen, wird sich zeigen. Aber es ist zumindest ein Anfang. Und es zeigt, dass die WEF-Teilnehmer ihrem hochtrabenden Motto, "die Welt zu verbessern", tatsächlich etwas näher kommen könnten: indem sie sich selbst verändern.

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