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Kommentare

Kommentar: Fast wie eine Vorahnung

Der Terroranschlag von London überschattet das Treffen der US-geführten Militärkoalition in Washington. Einige Aussagen wirken durch das Attentat fast prophetisch. Doch eine klare Vision fehlt, meint Miodrag Soric.

Fast schon prophetische Worte des amerikanischen Außenministers kurz vor dem Anschlag in London: Die Welt müsse zusammen stehen im Kampf gegen Terror in all seinen Formen, nicht nur in Syrien und im Irak. Rex Tillerson formulierte dies in Washington zu Beginn einer internationalen Konferenz über den Krieg gegen den Terror. Kurz darauf ereignete sich der Anschlag in der britischen Hauptstadt - wie ein schicksalhaftes Echo auf Tillersons Worte.

Viel Geld für Wiederaufbau

Seit Monaten sind Islamisten im Nahen und Mittleren Osten auf dem Rückzug. Gleichzeitig wächst der Druck auf die internationale Gemeinschaft, Milliarden für den Wiederaufbau dieser Region vorzustrecken. Am Rande der Konferenz im State Department legten die Amerikaner noch einmal die Daumenschrauben an:  Wohlhabende arabische Staaten sollten doch bitte großzügiger spenden als bisher.

Am Ende dürften weitere Milliarden für den Wiederaufbau fließen. Wenn Amerikas Anti-IS Koalition den Frieden in dieser Region dennoch verlieren sollte: Am Geld wird es nicht liegen.

Wenig gemeinsame Interessen

DW-Washington-Korrespondent Miodrag Soric (Foto: DW)

DW-Washington-Korrespondent Miodrag Soric

Woran es mangelt ist eine Idee, eine Vision, wie eine gerechte Ordnung nach den Kämpfen aussehen könnte. Die Vorstellungen gehen weit auseinander. Schließlich wird in Syrien und im Irak nicht nur ein militärischer Kampf ausgefochten; in dieser Region geht es um eine geopolitische Auseinandersetzung.

Einander entgegengesetzte Vorstellungen, verfeindete Konfessionen, zerstrittene Parteien oder entzweite Sippen prallen aufeinander. In dieser Gemengelage gemeinsame Interessen zu finden, Toleranz walten zu lassen oder auch nur langfristig zu denken - eine Herkulesaufgabe.

Viele Fragen offen

Nur um einige Beispiele zu nennen: Wird die Türkei nach einer Niederlage der Islamisten akzeptieren, dass in Damaskus immer noch der von ihnen verhasste Präsident Assad regiert? Werden Sunniten in Syrien und im Irak eine staatliche Ordnung vorfinden, in der auch ihre Interessen gewahrt werden? Wo verläuft die Grenze zwischen der amerikanischen und der russischen Einflusssphäre in diesem Raum?

Russlands Vertreter wurden zu der Washingtoner Konferenz erst gar nicht eingeladen. Unter ihren Vertretern konnten die wichtigsten Fragen, wenn überhaupt, nur kurz angerissen werden. General David Petraeus, der den Kampf gegen Islamisten in dieser Region wie kaum ein anderer kennt, blickt daher pessimistisch auf die Zeit nach dem militärischen Sieg über den IS. Das Ringen um einen dauerhaften Frieden beginne dann erst.

Neue US-Regierung mit unklarer Richtung

Was die Sache zusätzlich erschwert: In Washington regieren derzeit politische Debütanten. Der ehemalige Reality-TV-Star Donald Trump entdeckt gerade erst, wie kompliziert die Reform des amerikanischen Gesundheitswesens ist. Der frühere Exxon-Chef Tillerson ahnt, dass der Weg zum Frieden im Nahen Osten lang und steinig ist.

Seine Rede vor den Delegierten war teilweise widersprüchlich: Zum einen wollten die USA Sicherheitszonen für Flüchtlinge etwa entlang der Grenze zur Türkei schaffen, erklärt er; damit kündigt er ein längeres, robustes Engagements der USA in Syrien an. Gleichzeitig sagte Tillerson aber auch: Die Amerikaner und ihre Koalition betrachteten es nicht als ihre Aufgabe, beim Wideraufbau zu helfen.

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