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Standpunkt

Kommentar: Für eine Bundeswehr mit Zivilcourage

Der Skandal um den rechtsradikalen Offizier Franco A. hat die Frage der Traditionspflege in der Bundeswehr neu aufgeworfen. Das Militär von heute muss sich von Hitlers Wehrmacht deutlicher distanzieren, meint Udo Bauer.

Deutschland Rommel Kaserne in Augustdorf (picture-alliance/dpa/F. Gentsch)

Nach Erwin Rommel, dem Kommandeur des Afrika-Feldzuges 1941, sind bis heute Bundeswehrkasernen benannt

Jede Armee dieser Welt pflegt Traditionen. Soldatenlieder, Symbole, Devotionalien und Geschichten von Tapferkeit und Heldentum im Kampf sollen die aktiven Soldaten anspornen. Die Altvorderen sind Vorbild. Das klingt vielleicht merkwürdig für Zeitgenossen ohne Erfahrung beim Militär. Aus Sicht der Soldaten aber, die für ihr Land ihr Leben riskieren, ist das wichtig - für den sozialen Zusammenhalt in der Truppe genauso, wie für die Identität.

Die Präsentation von Wehrmachtsdevotionalien und Landser-Romantik in Sozialräumen von Bundeswehrkasernen haben viele Deutsche dann aber doch schockiert. Zu recht, denn die Tatsache, dass hier die Wehrmacht der Nazi-Zeit so einseitig zum Vorbild für die Soldaten stilisiert wird, ist verstörend und historisch fahrlässig. Ja, es hat in der Armee unserer Väter und Großväter militärische Helden gegeben. Und ja, die meisten Wehrmachtssoldaten sind "sauber" geblieben, wenn so etwas im Krieg überhaupt möglich ist.

Die Verbrechen der Wehrmacht

Auf der anderen Seite haben sich Teile von Hitlers Armee aber auch schwerster Kriegsverbrechen schuldig gemacht. Die Wehrmacht hat einen brutalen Vernichtungskrieg in Osteuropa geführt. Sie hat die Waffen-SS aktiv bei der Deportation von Juden und mit Massenhinrichtungen von Zivilisten unterstützt. Sie hat Hunderttausende von sowjetischen Kriegsgefangenen absichtlich verhungern lassen. Deshalb kann die Wehrmacht kein Vorbild sein für die Soldaten eines demokratischen Staates, der in internationalen Bündnissen und Einsätzen zuhause ist.

Bauer Udo Kommentarbild App

Udo Bauer ist Korrespondent im Hauptstadtstudio

Man stelle sich vor, dass polnische Soldaten, die im Rahmen der NATO in einer deutschen Kaserne stationiert werden, Wehrmachtsdevotionalien zu Gesicht bekommen, unter anderem Waffen, mit denen ihre Vorfahren getötet wurden. Das wäre ein Skandal sondergleichen. Deshalb ist es richtig, dass Verteidigungsministerin von der Leyen die Kasernen von solchen Devotionalien säubern lässt. Auch der sogenannte Traditionserlass der Bundeswehr, der seit 1982 regelt, auf welche Traditionen sich die deutsche Armee beziehen soll und auf welche nicht, soll überarbeitet werden. Man will dort auch den Umgang mit der Wehrmacht konkreter regeln.

Die wirklichen Helden waren im Widerstand

Besser wäre es, wenn das Verteidigungsministerium Tabula Rasa machen würde. Weg mit den Traditionen der Wehrmacht samt und sonders. Weg mit den Namen von Wehrmachtsgenerälen, nach denen Bundeswehrkasernen immer noch benannt sind. Männer, die nicht den Mut hatten, gegen Hitlers Pläne des Vernichtungsfeldzuges aufzubegehren oder zurückzutreten. Stattdessen sollten diese Kasernen nach Mitgliedern des Widerstandes gegen Hitler benannt werden, nach Graf Stauffenberg, Henning von Tresckow und anderen. Diese Offiziere der Wehrmacht, die Hitler töten wollten, waren mutig bis zum Tode und sind als Vorbilder für moderne Soldaten geeignet. Was unser Militär braucht, ist mehr Zivilcourage. 

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