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Kommentar: Fünf Gründe, warum Griechenland im Euro bleibt

Seit dem Regierungswechsel in Athen jagt eine "Stunde der Wahrheit" die andere. So nahe am Grexit wie zur Zeit war Europa noch nie. Trotzdem gibt es fünf starke Gründe, warum es nicht dazu kommen wird, meint Max Hofmann.

1. Das mit dem Graccident ist gar nicht so einfach

In den vergangenen Monaten hieß es immer wieder: wenn die Griechen eine Zahlung beim IWF verpassen, sind sie offiziell pleite, die Banken machen dicht, ein unabwendbarer Automatismus tritt in Kraft. So läuft das nicht. Die IWF-Chefin Lagarde wird sich nicht sofort hinstellen und den griechischen Bankrott verkünden. So etwas muss formal festgestellt werden - das dauert zumindest einige Tage. Selbst dann hat Lagarde noch politischen Spielraum, sollten die Griechen Besserung geloben. Griechenland verabschiedet sich gegen den Willen aller "aus Versehen" aus der Währungsunion? So machtlos sind die "Institutionen" dann doch nicht.

2. Ein Austritt wird nicht unbedingt billiger

Die Griechen verschwinden aus der Währungsunion - und was dann? Es gibt immer noch die vielbeschworenen Ansteckungsrisiken. Spekulanten könnten versuchen, Portugal oder Italien in die Pleite zu treiben. Die EU ist für so etwas besser gerüstet als noch vor einigen Jahren, aber ganz ausschließen will es in Brüssel niemand.

Deutsche Welle Studio Brüssel Max Hofmann

Max Hofmann leitet das DW-Studio in Brüssel

In jedem Fall aber müsste die Europäische Union Griechenland im Falle eines Austritts irgendwie weiter unterstützen - denn ein Grexit hätte den kompletten wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes zur Folge. Egal ob Griechenland dann noch Teil der EU wäre oder nicht - die Europäische Union müsste helfen. Das dürfte nicht wesentlich billiger sein, als die Griechen in der Währungsunion zu halten.

3. Geopolitischer Unsinn

Teil eines unbeständigen Balkans, traditioneller Freund Russlands, offenes Scheunentor für Mittelmeer-Flüchtlinge - all das ist Griechenland schon jetzt. Wollen die Mitgliedsstaaten der EU so ein Land wirklich vollends in die Isolation treiben mit unabsehbaren geopolitischen Folgen? Die Antwort liegt in der Semantik der vergangenen Tage: Viele europäische Politiker schwenken schon jetzt um und begründen die Griechenlandhilfe nicht mehr ökonomisch, sondern eben geopolitisch.

4. Tsipras hat es endlich kapiert

Es gibt ernstzunehmende Stimmen in Brüssel, die sagen, dass das Treffen der schlecht gelaunten Finanzminister in Riga der Wendepunkt war. Der griechische Poker-Premier Tsipras hat erkannt, dass er keinen Trumpf mehr hat und deshalb wichtige Verhandlungsführer ausgetauscht. Offenbar bekommt es die Troika jetzt wieder mit Leuten zu tun, die etwas von der Sache verstehen und nicht nur ideologische Tagträumerei betreiben.

5. Eine Union ist eine Union ist eine Union

Sollte Griechenland ausscheiden, wäre die Währungsunion kein echtes Bündnis. Zumindest psychologisch hätte sie dann eher die Anmutung eines Wechselkursverbundes. Der Anreiz, sich wirtschaftlich und vor allem politisch noch enger zu binden, wäre stark geschwächt. Damit würde der europäischen Idee der vergangenen Jahrzehnte ein Tiefschlag versetzt. Die EU-Schwergewichte werden versuchen, das mit allen Mitteln zu verhindern.

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