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Standpunkt

Kommentar: Europa schaut in den Abgrund

Das Undenkbare ist geschehen: Donald Trump wird der nächste Präsident der Vereinigten Staaten. Europa wird große Unsicherheit und das Ende einer Ära erleben, kommentiert Barbara Wesel.

Was wir von Donald Trump wirklich erwarten können, wissen wir nicht. Aber nach seinem Wahlkampf kann man davon ausgehen, dass es überwiegend Schlechtes sein wird. Denn Vieles von dem, was er - in seiner chaotischen Art - angekündigt hat, wird die Interessen Europas verletzen.

Europa in schwierigem Fahrwasser

Er stellt die Nato infrage, bewundert Putin, diskriminiert Migranten und will Handelsabkommen zerreißen - die Liste der Horror-Ankündigungen ist lang. Welche davon er tatsächlich umsetzen wird, welchen seiner konfusen politischen Impulsen er folgen wird, wissen wir natürlich nicht. Diese Ungewissheit ist erschütternd.

Und sie ist auch sehr gefährlich. Es hat immer populäre oder weniger populäre US-Präsidenten gegeben, aber keiner hat solche Angst in den Herzen der Verbündeten gesät wie Donald Trump.

Das Ende der liberalen Demokratie

Das Wahlergebnis fühlt sich an wie das Ende einer Ära. Eine Ära, in der die transatlantischen Beziehungen mit all ihren Stärken und Schwächen der wichtigste stabilisierende Faktor der Weltpolitik waren. Wenn Trump seinen isolationistischen Impulsen nachgibt, dann wird der globale Handel einen Sturm erleben. Die Sicherheitspartnerschaft, die den Westen über Jahrzehnte geschützt hat, könnte zerbrechen. Und wenn er an Putin heranrückt, dann wird sich das globale Machtgefüge verändern.

Barbara Wesel Studio Brüssel (DW/G. Matthes)

Barbara Wesel ist DW-Korrespondentin in Brüssel

Der Aufstieg des Donald Trump könnte aber auch Vorbote für das Ende der liberalen Demokratie sein, wie wir sie kennen. Er könnte Katalysator sein für den Aufstieg rechtspopulistischer Bewegungen in Europa. Wenn man sich dazu noch Recep Erdogan in der Türkei vorstellt, Wladimir Putin in Russland, das Hardliner-Regime in Nordkorea und den philippinischen Machthaber Rodrigo Duterte, dann sieht die globale politische Landschaft tatsächlich absolut furchteinflößend aus.

Goodbye America!

Selbst wenn sich die schlimmsten politischen Konsequenzen vermeiden lassen, der Kulturschock, zu dem dieser Wahlkampf geführt hat, sitzt tief. Dies ist der Ende des Amerikanischen Traums, des Mythos von Bob Dylan und Susan Sonntag, Robert Redford und all unserer anderen liberalen Helden. Sie wurden unter Donald Trumps gehässiger und banaler Rhetorik begraben, der damit glänzte, jegliches Tabu zu brechen, mit seinem Sexismus, Rassismus, seinen Lügen und seiner Wut. Es ist Zeit, sich von dem Amerika zu verabschieden, das wir kannten und liebten.

Die Welt ist gefährlicher und unberechenbarer geworden. Donald Trump könnte den Stoff für unsere schlimmsten Albträume liefern. Es gibt nur wenig Hoffnung, dass uns das Schlimmste erspart bleibt. Mit Trump könnten wir wieder im tiefsten Mittelalter landen.

 

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