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Politik

Kommentar: Es wurde auch Zeit – das Weltsozialforum in Afrika

In Nairobi fand das siebte Weltsozialforum statt. Afrika war zum ersten mal alleiniger Gastgeber des Gipfeltreffens der globalen Zivilgesellschaft. Das war auch höchste Zeit, meint Sandra Petersmann.

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Afrika ist die Bruchstelle der Globalisierung. Die meisten afrikanischen Staaten leben unter dem Diktat von Struktur-Anpassungsprogrammen, von Auslandsschulden und von Entwicklungshilfe, die an Bedingungen geknüpft ist: an Marktwirtschaft und an westliche Demokratie.

Afrika muss seine Märkte öffnen und wird im Gegenzug seiner Bodenschätze und natürlichen Ressourcen beraubt, die anderswo das Wirtschaftswachstum anfeuern. Die meisten Menschen haben nichts davon. Afrika wird beraubt von den G8, beraubt von der Europäischen Union, beraubt von der aufstrebenden Wirtschafsmacht China, beraubt von den eigenen Regierungen, die in die eigene Tasche wirtschaften.

Grundlegende Rechte

Deshalb war es allerhöchste Zeit, dass das Weltsozialforum Afrika endlich zum alleinigen Gastgeber gemacht hat. Die Wahl fiel auf Kenia. Auf ein Land, in dem die Hälfte der Bevölkerung von weniger als zwei Dollar am Tag lebt. Die Wahl fiel auf eine Stadt, in der jeder dritte Einwohner ein Slum-Bewohner ist. In Nairobi hat die weltweite Gemeinschaft der Anti-Globalisierungsgegner gelernt, wie Globalisierung in den Sprachen Afrikas buchstabiert wird: Recht auf Wohnraum. Recht auf Nahrung. Recht auf Wasser. Recht auf Bildung. Ein Recht darauf, gehört und ernst genommen zu werden.

Die meisten afrikanischen Teilnehmer beim 7. Weltsozialforum wollten vor allem ihre elementaren Bedürfnisse diskutieren und ihre Lebensumstände in großer Runde teilen. Sie wollten endlich für sich selber sprechen, und nicht auf die Gnade derer hoffen, die für sie sprechen, ohne sie vorher zu fragen. Das alles hat Nairobi zu einem afrikanischen Weltsozialforum gemacht.

Finanzprobleme

Die heißen Themen von früher wie die Tobin-Steuer auf internationale Finanz-Spekulationen landeten in Nairobi nur in der zweiten Reihe. Es gab auch keine neuen, revolutionären Entwürfe für eine friedliche Weltpolitik oder für eine gerechtere Weltökonomie. Aber wenn sich im Zeitalter des Terrorismus, in dem das globale Dorf immer neue Mauern bekommt, viele zehntausend Menschen aus allen Kontinenten und aus allen Bildungsschichten treffen, um sich auszutauschen, dann ist das ein Wert an sich.

Es waren nicht so viele Teilnehmer wie erhofft. Aber die kleine afrikanische Zivilgesellschaft hat trotzdem dafür gesorgt, dass das Weltsozialforum kein Elfenbeinturm wird, der die Brot-und-Butter-Themen aus den Augen verliert. Jetzt muss das Weltsozialforum selber entscheiden, wie es weitergehen soll.

Der Gipfel der Anti-Globalisierungsbewegung ist immer schwieriger zu finanzieren. Die Grenze ist längst erreicht. Es wäre trotzdem schön, wenn die größte offene Plattform der zivilen Welt ihren Charakter als Weltuniversität nicht verliert. Damit auch in Zukunft eine landlose Kenianerin und ein deutscher Metallgewerkschafter mit einer indischen Umweltaktivistin über den globalen Klimawandel diskutieren können.

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