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Kommentare

Kommentar: Es wird eng für Niersbach

Auch wenn eine Steuerrazzia kein Schuldspruch ist, wird das Eis für DFB-Präsident Wolfgang Niersbach dünner, meint DW-Sportredakteur Stefan Nestler und findet, dass Ex-DFB-Boss Zwanziger einfach nur nervt.

Das hat es so noch nie gegeben. Zwar statteten 2011 schon einmal Steuerfahnder der DFB-Zentrale einen Besuch ab. Doch damals richtete sich die Razzia gegen ein paar Schiedsrichter, die Einnahmen aus Freundschaftsspielen nicht ordnungsgemäß versteuert haben sollten. Jetzt aber stehen mit Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt der aktuelle DFB-Präsident, sein Vorgänger und ein langjähriger DFB-Generalsekretär unter dem Verdacht, Steuern hinterzogen zu haben. Und die Ermittler der Steuerbehörde hätten wohl nicht nur die Privathäuser dieser drei, sondern auch jenes der deutschen Fußball-Lichtgestalt Franz Beckenbauer durchsucht, hätte der frühere Chef des WM-Organisationskomitees 2006 seinen Hauptwohnsitz in Deutschland statt in Österreich. Zudem ließ die zuständige Staatsanwältin durchblicken, dass andere mögliche Straftatbestände wie Untreue oder Bestechung von FIFA-Funktionären nur deshalb nicht Teil der Ermittlungen seien, weil sie inzwischen verjährt sind.

Niersbachs Stuhl wackelt

Selbstverständlich gilt für alle Beteiligten so lange die Unschuldsvermutung, bis ihre Schuld bewiesen ist. Deshalb sind Forderungen nach einem sofortigen Rücktritt Niersbachs auch verfrüht. Doch der Stuhl des DFB-Präsidenten wackelt immer mehr. Niersbach ist schließlich der einzige der WM-Macher von 2006, der noch in Amt und Würden ist. Sein Krisenmanagement wird selbst in eigenen Reihen kritisiert. Niersbachs Auftritt vor knapp zwei Wochen, als er versuchte, die Zahlung der ominösen Summe von 6,7 Millionen Euro zu erklären, vermittelte das Bild eines Kapitäns, der sein Schiff nicht mehr unter Kontrolle hat. Längst ist der DFB auch nicht mehr das liebste Kind der Politik. Man macht sich in Berlin nicht gerade neue Freunde, indem man sich, wie Niersbach, unter Hinweis auf die laufenden internen Ermittlungen weigert, im Sportausschuss Rede und Antwort zu stehen. Möglicherweise wird es dem DFB-Präsidenten so ergehen wie manchem Politiker, der seinen Platz räumen muss, weil er einfach nicht mehr zu halten ist.

Ritter mit weißer Weste?

Schade, dass Theo Zwanziger von keinem Posten mehr abgelöst werden kann. Der frühere DFB-Boss nervt zunehmend in der Rolle des aufrechten Ritters mit weißer Weste, der angeblich alleine mutig genug ist, die Wahrheit offenzulegen. Doch es darf daran erinnert werden, dass Zwanziger seit 2001 DFB-Schatzmeister und als Vizepräsident im WM-Organisationskomitee seit 2003 für die Finanzen zuständig war. Die 6,7-Millionen-Euro-Zahlung ging auch über seinen Schreibtisch. Und warum hat er sich erst jetzt zu Wort gemeldet? Vielleicht weil er als Jurist die Verjährungsfristen kennt? Als moralische Instanz taugt Zwanziger wohl ebenso wenig wie Franz Beckenbauer. Vom sonst so redseligen "Kaiser" hat man bisher in der Affäre bis auf eine dünne Pressemitteilung nichts gehört. Vielleicht hat er inzwischen auch einfach die Nase voll vom Gehabe der aktuellen und ehemaligen DFB-Oberen. Damit stünde er nicht alleine - auch wenn sich Beckenbauer seiner eigenen Verantwortung am ganzen Schlamassel nicht entziehen kann.

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