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Kultur

Kommentar: Erfolg der kleinen Schritte

Knapp zwei Wochen lang haben rund 10.000 Teilnehmer aus 189 Staaten das weitere Vorgehen im Kampf gegen den Klima-Wandel verhandelt. Die Ergebnisse der Konferenz kommentiert Henrik Böhme

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Eigentlich hat die Welt keine Zeit zu verlieren. Denn es ist ein Kampf auf Leben und Tod: Der Kampf gegen den Klima-Wandel. Es geht um zwei Grad Celsius. Wenig, könnte man meinen. Dramatisch, bei genauerem Hinsehen. Mehr als diese zwei Grad Erwärmung können wir uns nicht leisten. Nur dann - so sagen es die meisten Forscher - sind die Folgen des Wandels noch einigermaßen beherrschbar. Fühlbar sind sie schon heute: Drastische Natur-Katastrophen, zunehmende Dürre, schmelzende Gletscher.

Erfolgsdruck

Daher stand die Mammut-Konferenz von Montreal unter enormen Erfolgsdruck: Dass vor acht Jahren beschlossene Protokoll von Kyoto, in dem sich die Industrieländer zur Reduktion von Treibhaus-Gasen verpflichtet hatten - es läuft im Jahr 2012 aus. Einen Anstoß zu geben, rechtzeitig Verhandlungen aufzunehmen für ein neues Protokoll - das ist hier in Montreal gelungen - und darf durchaus als Erfolg, vor allem der Europäer gewertet werden. Somit hat die Wirtschaft das erhoffte Signal für mehr Investitionssicherheit erhalten. Das erfolgreiche europäische Projekt des Emissionshandels wird weiterentwickelt.

Und noch etwas steht auf der Habenseite: Die Entwicklungsländer werden auf diesem Weg intensiver als bisher mitgenommen. Freilich ohne feste Vorgaben: Denn die Länder des Südens leiden am meisten unter dem Klima-Wandel, obwohl sie bislang am wenigsten dafür verantwortlich sind. Doch klar ist auch: Ohne Anstrengungen für einen Schutz des Klimas sind alle Bemühungen beispielsweise zur Armutsbekämpfung umsonst, werden bereits erzielte Entwicklungserfolge wieder zunichte gemacht.

Wohlstand, Wachstum, Klimaschutz

Die Diskussionen in Montreal machten einmal mehr die komplexen Zusammenhänge deutlich: Ohne Entwicklung kein Wachstum. Ohne Wachstum kein Wohlstand. Ohne Rücksicht auf die Umwelt aber nützt das ganze Wachstum nichts. Also muss man einen vernünftigen Weg finden - auch zwischen regulierenden und marktwirtschaftlichen Instrumenten.

Die weltweiten Finanz-Märkte haben das Thema Klima-Schutz mittlerweile entdeckt - auch wenn die Sorge zunächst nur der Finanzierung der immer gigantischern Folgeschäden gilt. Und: Immer mehr Unternehmen erkennen, dass der Klima-Wandel auch an ihren Wurzeln nagt - und dass man mit Klima-Schutz nicht zuletzt gute Geschäfte machen kann.

All diesen Einsichten haben sich in Montreal die US-Amerikaner einmal mehr verweigert. Ihr Verhalten wurde dort hinter vorgehaltener Hand als geradezu pöbelhaft bezeichnet. Um am Ende nicht völlig isoliert dazustehen, stimmten die Amerikaner schließlich einer butterweichen Abschluss-Erklärung zu.

Druck von innen

Hoffnungsvollere Zeichen setzten da andere: 190 Bürgermeister aus den USA, die rund 60 Millionen Amerikaner vertreten, haben in ihren Städten längst Maßnahmen zum Klimaschutz ergriffen. Genau so wie ein Bündnis von neun US-Bundesstaaten, die zusammen genommen der zehntgrößte Emittent von Treibhaus-Gasen sind. Die Hoffnung der Klima-Schützer richtet sich nun auf einen wachsenden Druck von innen auf die Bush-Administration - und auf einen Wechsel im Weißen Haus nach den Wahlen 2008.

Was bleibt nach den zwei Wochen von Montreal? Es geht - getragen von der Erkenntnis, dass der Klima-Wandel bereits Realität ist - weiter mit dem Kyoto-Prozess. Aber es wurde auch deutlich: Das Ringen um den richtigen Weg ist zäh und mühsam. Klima-Schutz wird nicht nur in Grad, sondern wohl auch in Millimetern gemessen.