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Wirtschaft

Kommentar: "Endlich ist Daimler den Klotz am Bein los"

Die deutsch-amerikanische Ehe der beiden Autokonzerne Daimler und Chrysler ist am Ende. Nach neun Jahren wird der transatlantische Konzern DaimlerChrysler aufgelöst. Karl Zawadzky kommentiert das Ende der "Welt-AG".

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Was vom damaligen Konzernlenker Jürgen Schrempp als "Hochzeit im Himmel" gefeiert wurde, endet nach neun Jahren in einer ganz normalen irdischen Scheidung. Die Ehe DaimlerChrysler ist am Ende. Das ist gut so - und zwar für beide Unternehmen. Zwar bleiben sie über gemeinsame technische Projekte und eine Minderheitsbeteiligung von Daimler an Chrysler noch über viele Jahre hinweg miteinander verbunden. Doch sie haben getrennt viel bessere Chancen als Schrempps Vision von einer "Welt-AG" im Automobilbereich. Ziemlich schnell hat sich der Traum als schlichter Größenwahn entpuppt.

Börse belohnt Vernichtung von Arbeitsplätzen

Karl Zawadzky

Das Ergebnis ist fatal und Schadenfreude nicht angebracht. Denn wieder sind von außer Kontrolle geratenen Konzernstrategen viele Milliarden Euro - und auch viele Arbeitsplätze - vernichtet worden. 26.000 Jobs hatten Daimler-Manager, vorneweg der heutige Konzernherr Dieter Zetsche, bei Chrysler abgebaut. Jetzt muss sich Chrysler im Alleingang von weiteren 13.000 Arbeitnehmern trennen. Und wie das so ist, wenn Arbeitsplätze abgeschafft werden, um die Profitabilität wieder hergestellt wird, kam es an den Börsen als Begleitmusik zur Trennung zu einem wahren Kursfeuerwerk - wie schon bei Schrempps unrühmlichem Abgang von der Unternehmensspitze.

Nun ist es also amtlich: Daimler hat sich mit dem Kauf von Chrysler übernommen. Erst reichte die Managementkapazität nicht aus, um den lange schon angeschlagenen Konzernteil in Amerika zu sanieren. Dann drohte es auch beim Geld eng zu werden. Da ist die Aufspaltung des Unternehmens zwingend. Bestimmender Mehrheitsaktionär bei Chrysler wird die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Cerberus, die für den Erwerb von 80,1 Prozent des Grundkapitals 5,5 Milliarden Euro zahlt - wohlgemerkt nicht als Kaufpreis an Daimler, sondern als Kapitaleinlage bei Chrysler. Daimler muss, um Chrysler loszuwerden, schlechtem Geld noch gutes nachwerfen - 1,2 Milliarden Euro.

Zum Glück bauen Manager keine Autos

Chrysler sollte sich auf die eigene Stärke besinnen, muss neben nur noch schwer verkäuflichen Pick-up-Trucks und Geländewagen auch spritsparende Kleinwagen auf den Markt bringen. Denn auch in Amerika hat bei den Autofahrern ein Bewusstseinswandel stattgefunden. Auf den war Chrysler ebenso wie General Motors und Ford nicht eingestellt. Die Manager von Cerberus dürften erheblichen Druck aufbauen, damit der Wandel schnell gelingt. Doch der eigentliche Hauptprofiteur der Scheidung heißt Daimler. Denn Chrysler hängt dem Hersteller von Luxusautos sowie von Lastkraftwagen und Omnibussen nicht mehr als Klotz am Bein.

Doch der Ruf des Daimler-Managements hat einmal mehr Schaden genommen. Denn die viele Milliarden Euro teure Fehlinvestition bei Chrysler war kein einmaliger Fall, sondern nur ein Teil der Hybris, die über viele Jahre hinweg im Vorstand des Autokonzerns herrschte. Das Ziel war ein europäisch-amerikanisch-asiatischer Autokonzern, in dem die Sonne nie untergehen sollte. Das Ergebnis ist ein finanzielles Desaster. Es ist nur gut, dass Manager weder Autos konstruieren noch bauen. Denn Mercedes hat die Abenteuer des Managements nur überlebt, weil die schwäbischen Konstrukteure und Werker so phantastische Autos herstellen, die sich zu hohen Preisen am Weltmarkt absetzen lassen. Oder anders gesagt: Obwohl sie sich über viele Jahre hinweg eifrig bemüht haben, ist es den obersten Daimler-Managern nicht gelungen, den Konzern in den Abgrund zu fahren.

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