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Politik

Kommentar: Einseitiges Bild von "dem Westen"

Die Welle der Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen hat Pakistan erreicht. Doch "den Westen" gibt es ebenso wenig wie "die Moslems". Die Angelegenheit ist gar nicht so kompliziert, meint Thomas Bärthlein.

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Demonstration im pakistanischen Lahore

In Pakistan bringen - genau wie anderswo - in diesen Tagen eine Menge Leute eine Menge durcheinander: Regierungen und ihre Botschaften werden angegriffen, obwohl sie mit Veröffentlichungen in privaten Zeitungen nichts zu tun haben. "Dem Westen", "den westlichen Ländern" und "den westlichen Medien" werden pauschal Vorwürfe gemacht, die völlig unangemessen sind.

Geschmacklose Karikaturen

Einige Dinge sollte man vielleicht noch einmal in Erinnerung rufen, um die Proportionen gerade zu rücken: Es ist eine Handvoll von Zeitungen in europäischen Ländern gewesen, die die geschmacklosen Karikaturen des Propheten Mohammed abgedruckt haben. Es war nicht die Mehrheit. Es hat viele westliche Medien gegeben - darunter auch die Deutsche Welle - die den Abdruck immer wieder in ihren Kommentaren verurteilt haben. Auch die amerikanischen Medien hatten mit der Sache praktisch nichts zu tun - was der amerikanischen Fast-Food-Kette "Kentucky Fried Chicken" nichts genutzt hat, die in Peschawar von aufgebrachten Demonstranten verwüstet wurde.

Wohin führt das Ganze? Viele Helfer im pakistanischen Erdbebengebiet, von denen nun einmal eine ganze Menge aus Ländern wie Dänemark, Norwegen und Frankreich stammen, trauen sich nicht mehr aus dem Haus - weil sie Angst haben, ins Visier der Proteste zu geraten: stellvertretend für ihre Länder, stellvertretend für "den Westen". Hilfsbereite Menschen, denen Pakistan viel zu verdanken hat in diesen Tagen, und die sicherlich nicht auf die Idee kämen, die religiösen Gefühle der pakistanischen Muslime zu beleidigen.

Wer ist "der Westen"?

Wer, bitte sehr, ist das eigentlich: "die westliche Welt"? Ist das auch ein deutscher Journalist, der Kommentare schreibt wie diesen hier? "Der Westen": Ist das "Kentucky Fried Chicken"? Sind das die Herausgeber der dänischen Zeitung "Jyllands Posten", die als erste die Karikaturen gedruckt hatte? Da muss mehr differenziert werden. Genauso, wie nicht jeder im Westen auf Fast Food steht, fühlt sich hier auch keineswegs jeder solidarisch mit dänischen Rechtspopulisten.

In vielen islamischen Ländern und auch in Pakistan ist in diesen Tagen viel von "Islamophobie" die Rede, die sich in westlichen Ländern verbreite und die es zu bekämpfen gelte. Das ist - leider - eine berechtigte Beobachtung. Es stimmt, dass es viele Vorurteile über "die Muslime" in vielen westlichen Ländern gibt. Es ist wichtig, miteinander darüber zu reden und darüber nachzudenken, wie sich das verändern lässt. Viele Menschen in Ländern wie Deutschland sind daran interessiert und arbeiten bereits daran. Blinde Gewalt gegen alles, was irgendwie mit Europa oder Amerika zu tun hat, ist dagegen keine Lösung. Mit Pauschal-Urteilen gegen Pauschal-Urteile anzukämpfen, das hat noch nie funktioniert.

Große Mehrheit der nachdenklichen Menschen

Im Grunde ist die Angelegenheit nicht so kompliziert. Es gibt "die westliche Welt" genauso wenig wie "die Muslime", außer im primitiven Vokabular der Kulturkämpfer auf beiden Seiten. Die große Mehrheit der vernünftigen, nachdenkenden Menschen sollte auf diese undifferenzierte Gegenüberstellung verzichten. Es geht hier nicht um spitzfindige Diskussionen über sprachliche Feinheiten. Es geht um eine Logik, die letztlich auch Folter und Bomben gegen Unschuldige möglich macht. Ihr müssen wir alle gemeinsam den Kampf ansagen.

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