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Kommentar: Einbinden statt kleinhalten

China will zurück an die Weltspitze. Die Antwort Europas und des Westens muss sein: China einzubinden anstatt es auszugrenzen - zumindest in den Bereichen, in denen das möglich ist, meint Philipp Bilsky.

Es war eine klare Botschaft. "You go!" - "Verschwinden Sie!" Insgesamt acht Mal forderte die chinesische Marine im Mai ein US-Spionageflugzeug auf, sich zurückzuziehen. Das amerikanische Militärflugzeug war über eine Region im Südchinesischen Meer geflogen, die China für sich beansprucht. Ein Seegebiet, in dem die Volksrepublik versucht, durch den Bau künstlicher Inseln Fakten zu schaffen - mehr als 1000 Kilometer vom chinesischen Festland entfernt und unter scharfem Protest mehrerer Nachbarländer und der USA.

China vertritt seine Interessen in der Region wesentlich offensiver als noch vor wenigen Jahren. Der führende deutsche China-Think Tank, das Mercator-Institut für Chinastudien in Berlin, sieht sogar ein Ende der chinesischen Öffnungspolitik. Die Grundpfeiler der von Deng Xiaoping begonnen Politik der vergangenen dreieinhalb Jahrzehnte würden nun unter Xi Jinping einer nach dem anderen abgetragen - darunter auch eine bisher zurückhaltende Außenpolitik.

Grundlegender Wandel in chinesischer Außenpolitik?

Es gibt Vieles, was für eine solche These spricht. Das robuste Vorgehen im Südchinesischen Meer ist nur ein Beispiel. Außerdem versucht China mit seinem neuen Seidenstraßenprojekt, Asien mit einem Infrastrukturnetz zu durchdringen, in dessen Zentrum China steht. Und Peking schafft neue internationale Institutionen, in denen China ein größeres Gewicht hat. Begleitet wird dieses Vorgehen außerhalb des Landes von einem grundlegenden Umbau der chinesischen Wirtschaft. Bis 2049 will China zur Industrie-Supermacht aufsteigen - nicht mehr die Werkbank der Welt sein, sondern ein Zentrum von Innovation und Effizienz.

Philipp Bilsky

Philipp Bilsky leitet die China-Redaktion der DW

China will dorthin zurück, wo es aus Pekinger Sicht historisch hingehört: an die Weltspitze. Dass das gelingt, ist alles andere als selbstverständlich. Denn die Liste der Herausforderungen scheint endlos. Die aus Sicht der chinesischen Regierung wahrscheinlich größte: das Versprechen einzuhalten, welches der kommunistischen Partei in den vergangenen Jahrzehnten die Legitimation in seiner Bevölkerung gegeben hat - dass es den Chinesen wirtschaftlich heute besser geht als gestern. Und dass es ihnen morgen besser gehen wird als heute. Dies einzuhalten scheint - angesichts der notwendigen kompletten Neuerfindung des chinesischen Wirtschaftsmodells - von außen betrachtet manchmal fast unmöglich.

China wird Einfluss weiter ausbauen

Doch das sind die Fragen der kommenden Jahrzehnte. Für den Moment steht fest: China baut seinen Einfluss weiter aus. Was bedeutet das für Europa? Was für den Westen? Der sollte versuchen - wann immer möglich - mit China zusammenzuarbeiten und China einzubinden. Was nicht funktioniert, haben die USA kürzlich eindrucksvoll bewiesen: Chinas Einfluss einzudämmen und China kleinzuhalten. Als Peking die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB) ins Leben rief, versuchten die Vereinigten Staaten ihre Bündnispartner zu überzeugen, der neuen Institution fernzubleiben. Für Washington ein diplomatischer Supergau. Ein Land nach dem anderen schloss sich der chinesischen Initiative an - auch mit dem Argument, dass nur mitreden kann, wer auch mit am Tisch sitzt.

Ein richtiger Schritt. Klar ist allerdings auch: Dort, wo sich die Interessen direkt widersprechen, ist eine Zusammenarbeit kaum vorstellbar. Das Südchinesische Meer ist das beste Beispiel. China wird seinen Einfluss dort weiter ausbauen. Nicht zuletzt deswegen, weil die Region auch für die wirtschaftliche Entwicklung Chinas eine aus Sicht Pekings enorme strategische Bedeutung hat. Die USA auf der anderen Seite sehen ihre bisherige Stellung in der Region gefährdet. Und die Nachbarländer schauen ebenfalls mit Sorge auf die absehbare Dominanz Pekings. Eine Lösung ist in dieser Frage nicht in Sicht, künftige Konflikte schon heute programmiert.

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