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Welt

Kommentar: Ein wichtiger Schritt für Merkel, ein kleiner für die G20

Die Kanzlerin hat Kritik an ihrem Euro-Stabilitätskurs an sich abprallen lassen. Die Euro-Rettung, und damit die Stabilisierung der Weltwirtschaft, wird an anderer Stelle entschieden.

Mirjam Gehrke

Mirjam Gehrke

Angela Merkel kann den G20-Gipfel zufrieden abhaken. Wie ein Fels in der Brandung hat sie die geballte Kritik aus den USA und vor allem von den Schwellenländern über sich ergehen lassen. Sie ist ihrer Linie scheinbar unbeeindruckt treu geblieben und hat sich nicht zu weiteren Zugeständnissen an Griechenland drängen lassen. Im Gegenteil: Auch aus Los Cabos erging an Griechenland noch einmal unmissverständlich die Forderung, den eingegangenen Verpflichtungen so schnell wie möglich nachzukommen. In der Lösung der Eurokrise ist man damit zwar nicht konkret weiter gekommen, aber Europa hat sich immerhin geschlossen gezeigt. Der Ausgang der Wahl in Griechenland hatte dazu ohne Zweifel im Vorfeld entscheidend beigetragen.

Selbstverständlichkeiten oder echter Erfolg?

Die Ergebnisse des Weltwirtschaftsgipfels von Los Cabos sind überschaubar: Die Euroländer verpflichten sich zu noch größeren Anstrengungen, um die Gemeinschaftswährung wieder zu stabilisieren und das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen. Im Gegenzug erkennt die G20 an, dass Europa in Sachen Eurokrise bereits erste Fortschritte erzielt hat. Der schärfste außereuropäische Kritiker von Angela Merkels eisernem Sparkurs, US-Präsident Barack Obama, will gar eine neue Geisteshaltung bei den Europäern ausgemacht haben und zeigte Verständnis für den europäischen Weg aus der Krise. Streit war gestern. Ab jetzt wird gemeinsam an einem Strang gezogen, um den Aufschwung zu stärken und Spannungen an den weltweiten Finanzmärkten abzubauen. Das ist die Botschaft von Los Cabos.

Nichts anderes sollte man eigentlich auch von der G20 erwarten: Die Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrieländer der Welt repräsentiert knapp über 80 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts, drei Viertel des Welthandels und rund zwei Drittel der Weltbevölkerung. Gemessen an dieser Bedeutung ist die informelle Staatengruppe ein eher zahnloser Tiger. Man trifft sich seit der Lehman-Pleite, als die Weltwirtschaft kurz davor stand in den Abgrund zu stürzen, in regelmäßigen Abständen. Am Ende stehen stets Versprechen und Selbstverpflichtungen, niemals bindende Beschlüsse.

Los Cabos bildet da keine Ausnahme. Zum zweiten Mal in Folge, nach Cannes im vergangenen November, stand ein G20-Gipfel im Zeichen der Eurokrise. Die aber wird auf einer anderen Bühne gelöst werden müssen. Der EU-Gipfel Ende Juni muss sich des Vertrauensvorschusses der G20 würdig erweisen und darf nicht hinter die in Los Cabos angekündigten Bemühungen zurückfallen.

Kluges Rollenspiel

Merkel, die kühle Stoikerin, Barroso, der aufbrausende Emotionsmensch, der sich jedwede Belehrung von Dritten vehement verbittet, und der eher blasse van Rompuy als ausgleichendes Element zwischen diesen beiden Extremen: die Rollenverteilung innerhalb der EU hat in Los Cabos gut funktioniert. Zumal diese drei Protagonisten es verhindert haben, dass der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy die Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte.

Spanien will bis zum EU-Gifpel Ende Juni offiziell den Hilfsantrag für die Rekapitalisierung seiner maroden Banken in Brüssel einreichen. Ob die zugesagten 100 Milliarden jedoch reichen ist ungewiss. Sicher ist nur, dass die Rettung Spaniens die nächste, möglicherweise entscheidende Bewährungsprobe für die Stabilität der Eurozone und damit der Weltwirtschaft sein wird. Wenn das gelingt, könnten auf dem nächsten G20-Gipfel in Russland 2013 vielleicht die Themen in den Vordergrund treten, die Mexiko auf die Agenda gesetzt hatte und die in Los Cabos eher am Rande erwähnt wurden - etwa grünes Wachstum und Ernährungssicherheit. Der Kampf gegen den Hunger wird nämlich nicht allein an den Börsen dieser Welt gewonnen.