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Fußball

Kommentar: Ein würdiges Finale

Real Madrid holt sich in einem packenden Endspiel den Titel in der Champions League. Der Favorit wird seiner Rolle gerecht und Atlético erweist sich als fairer Verlierer, findet DW-Sportreporter Thomas Klein.

Der Sieg über das große Real Madrid war zum Greifen nahe. Nur noch zwei Minuten in der Nachspielzeit musste Atlético überstehen. Mit der 1:0-Führung im Rücken stand die Krönung einer außergewöhnlichen Saison für den frisch gekürten spanischen Meister unmittelbar bevor, doch dann kam Sergio Ramos. Der Spanier köpfte den Ball mitten ins Herz des Teams von Trainer Diego Simeone. Real war zurück und entschied die Partie nach Toren von Gareth Bale, Marcelo und Cristiano Ronaldo - ein verdienter Sieg.

Verdient auch deswegen, weil die Mannschaft von Coach Carlo Ancelotti zu keinem Zeitpunkt der Begegnung aufgegeben, immer gekämpft und vor allem an den Erfolg geglaubt hatte. Nach dem Ausgleich drängte Real auf die Entscheidung, Atlético hatte dem großen Stadt-Rivalen nicht mehr viel entgegenzusetzen - eine lange Saison zeigte Wirkung. "Sie haben noch das 1:1 geschossen und dann haben sie dominiert und verdient gewonnen. Wir haben alles gegeben, alles versucht. Irgendwann ist die Kraft zu Ende", sagte Atlético-Kapitän Gabi.

Geld dominiert nicht immer

Respekt! Kurz nach dem Ende eines solchen Spiels, nach einer Niederlage gegen den ungeliebten Nachbarn, derartige Worte zu finden zeugt von Größe. Die Elf von Trainer Simeone kann stolz auf eine fantastische Saison sein, denn trotz verpasstem Titel in der "Königsklasse" hat sie Beeindruckendes geschafft: In der Primera División mussten sich die beiden Top-Klubs FC Barcelona und Real Madrid mit den Plätzen zwei und drei zufrieden geben, hinter Atlético. Der durchschnittliche Marktwert des spanischen Meisters ist gerade einmal halb so hoch wie der von Real und Barca. Schön, dass Geld eben nicht immer dominiert. Simeone weiß, was er mit seiner Mannschaft in dieser Saison geleistet hat und verbot seinen Spielern folgerichtig traurig zu sein. "Die Spieler und Fans sollten keine Sekunden traurig sein", sagte der Argentinier.

Torjubel à la Balotelli

Torjubel á la Balotelli: Nach seinem verwandelten Strafstoß zum 4:1 kann Cristiano Ronaldo (4.v.l.) nicht mehr an sich halten und zeigt was er hat. (Foto: Getty)

Torjubel à la Balotelli: Nach seinemTor zum 4:1 kann Ronaldo (4.v.l.) nicht mehr an sich halten und zeigt, was er hat.

Und auch das hat das Finale gezeigt: Ronaldo kann wichtige Spiele entscheiden! Der oft kritisierte Portugiese eroberte den Ball am eigenen Strafraum und leitete so den entscheidenden Angriff zur 2:1-Führung ein. Ronaldo hat sich entwickelt: Von einer Fußball-Diva zu einem Teamspieler, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt. Das klappt allerdings nicht immer, wie sein Torjubel à la Mario Balotelli, nach dem verwandelten Strafstoß kurz vor dem Schlusspfiff, zeigte. Ein wenig übertrieben, aber Ronaldo machte eben das, was er am besten kann: Er rückte sich in den Fokus, erregte so die ganze Aufmerksamkeit der Fotografen und Fernseh-Kameras. Typisch.

Sei es drum. Das diesjährige Champions-League-Finale dürfte allen Zuschauern in positiver Erinnerung bleiben. Nicht weil Real Madrid die langersehnte "La Décima" - den zehnten Titel im Pokal der Landesmeister - errungen hatte, sondern weil es ein Spiel mit zwei Siegern war. Der Beleg: Auftritt des "Verlierer"-Trainers Simeone auf der Pressekonferenz nach dem Spiel: Applaus der anwesenden Journalisten. Als Ancelotti das Podium betrat, blieb es dagegen ruhig. Auch als Reals Spieler das Mediengespräch stürmten und mit Wasser herumspritzten, bewegten sich lediglich die Kugelschreiber der Journalisten. Die Herzen schlagen eben (fast) immer für den Underdog. Danke Atlético für ein spannendes Finale!

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