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Kultur

Kommentar: Ein Schritt in die richtige Richtung

Kunstsammler Cornelius Gurlitt will erste Raubkunst-Bilder den rechtmäßigen Erben zurückgeben. Ein Schritt in die richtige Richtung, meint Adelheid Feilcke. Aber es darf nicht der letzte sein.

Das ist das Zeichen, auf das viele seit Monaten, Jahren und vielfach auch Jahrzehnten gewartet haben! Cornelius Gurlitt will geraubte Kunstwerke an die rechtmäßigen Erben zurückgeben. Damit ist nach zähen Verhandlungen mit dem scheinbar so starrköpfigen Kunstsammler endlich Bewegung in den "Fall Gurlitt" gekommen, - Bewegung in die richtige Richtung. Wenn den Ankündigungen jetzt Taten folgen, werden schon sehr bald erste Bilder zurückgegeben. Das ist ein Stück Wiedergutmachung.

Hoffnungsfroh stimmt auch die Ankündigung Gurlitts, nun mehr "Transparenz" walten zu lassen. Auch das kann für die weitere Aufarbeitung ein sehr wertvoller Schritt sein: Wenn Gurlitt seine Sammlung offenlegt, ist dies für die Nachforschungen eine große Hilfe und wird die tatsächliche Zuordnung, wem welche Kunstwerke rechtmäßig zustehen, erheblich erleichtern.

Was hat diesen Sinneswandel bewirkt? Gurlitt wolle, so heißt es, ein Zeichen setzen, ein Signal, dass ihm die Verbrechen der Nazis nicht gleichgültig seien. Dieses Statement kommt spät, sehr spät. Aber nicht zu spät. Denn es ist wichtig, dass auch in die moralische Dimension des Falles Bewegung kommt. Es geht nicht nur um Recht und Gesetz, sondern auch um Schuld und persönliche Einsicht. Wenn Gurlitt hier klar und deutlich Verantwortung übernähme gegenüber den Opfern der Kunstraube, wäre dies ein wertvolles Zeichen auch für deren Nachkommen.

Die jüngsten Ankündigungen aus dem Umfeld Gurlitts lassen also aufhorchen. Doch angesichts der Dimension der Sammlung, der vielen noch offenen Fragen und einer insgesamt immer noch unübersichtlichen Gemengelage, ist der Weg bis zu einem Abschluss des Falls noch weit. Denn jedes einzelne Bild hat eine eigene Geschichte, die nachverfolgt und bewertet werden muss. Und es ist durchaus nicht sicher, dass schon alle Bilder und Kunstwerke gefunden worden sind. Jetzt, nach der Sichtung des Fundes im Salzburger Anwesen, geht es um insgesamt 1518 Kunstwerke aus der Sammlung Gurlitt. Hildebrand Gurlitt, der Vater, soll sechs Depots unterhalten haben, weitere Funde sind nicht ausgeschlossen.

Die Task Force Schwabinger Kunstfund, die Gerichte, Anwälte und Opferverbände haben also noch viel Arbeit vor sich, bis alle Fälle abschließend geklärt sein werden. Nachdem die Aufarbeitung zunächst sehr ruckelig begann und auf Unverständnis und Kritik vor allem im Ausland stieß, scheint der Prozess jetzt insgesamt auf gutem Wege. Die Task Force ist klug besetzt und bindet alle entscheidenden Opferverbände und Institutionen ein. Sie verfügt nun über die Kompetenz und Autorität, das Verfahren in einem geordneten Prozess voranzubringen. Ihrem Geschick ist es mutmaßlich mit zu verdanken, dass Gurlitt sich jetzt zunehmend an der Aufarbeitung beteiligt.

Doch das darf nicht genügen! Es müssen schnell weitere Schritte der Klärung und vor allem der Rückgabe von Kunstwerken an die rechtmäßigen Erben folgen. Der Fall Gurlitt hat in der Restitutionsfrage und in der Provenienz-Forschung der Museen Prozesse ins Rollen gebracht, in denen über Jahre und Jahrzehnte Verzögerungen und rechtliche Komplikationen die Aufarbeitung und Rückgabe ins Stocken gebracht oder gar verhindert hatten. Diese Dynamik muss unbedingt weiter wirken - denn der Fall Gurlitt ist längst zum Prüfstein geworden, wie das demokratische Deutschland heute mit Raubkunst umgeht.