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Kommentare

Kommentar: Ein Plädoyer für den Videobeweis

Nach der Abseits-Fehlentscheidung zugunsten von Borussia Dortmund kann es nur eine Konsequenz geben, kommentiert Tobias Oelmaier. Der Videobeweis schützt die Schiedsrichter davor, sich lächerlich zu machen.

Fußball Bundesliga 19. Spieltag Borussia Dortmund - FC Ingolstadt Protest

"Schau doch auf die Anzeigetafel!" - Ingolstadts Spieler reklamieren bei Schiedsrichter Winkmann

"Wenn wir heute einen Spielleiter gehabt hätten, der nur halb so gut gewesen wäre wie wir, dann hätten wir garantiert etwas mitnehmen können", lamentierte Ralph Hasenhüttl nach der 0:2-Niederlage bei Borussia Dortmund. Es waren gleich mehrere Entscheidungen, die den Trainer des FC Ingolstadt erzürnt hatten. Über einige lässt sich diskutieren, ob sie nun richtig waren oder nicht. Über eine nicht: Beim ersten Tor der Dortmunder stand Schütze

Pierre-Emerick Aubameyang

eindeutig im Abseits. Der Treffer hätte nicht zählen dürfen. Jeder im Stadion konnte das sehen, denn noch in den Torjubel hinein wurde die Videosequenz auf der Anzeigentafel gezeigt. Verbotswidrig übrigens, denn bei strittigen Szenen, so eine Anweisung der Deutschen Fußballliga DFL, soll der Bildschirm schwarz bleiben.

So also konnte sich jeder schnell eine Meinung bilden, auch das Schiedsrichtergespann. Dem aber sind laut Reglement die Hände gebunden. Den Videobeweis dürfen sie nicht in ihre Entscheidungen einfließen lassen. Da nützte auch die heftige Intervention der Ingolstädter Spieler nichts. Kein Vorwurf also an die Unparteiischen. Dass man eine Abseitsstellung um vielleicht einen halben Meter übersieht, ist menschlich. Und im Regelwerk heißt es ohnehin: im Zweifel für den Stürmer. Nach dem Spiel räumte Schiedsrichter Winkmann seinen Fehler ein, fügte aber an: "Selbst wenn ich das Abseitstor auf der Leinwand gesehen hätte, dann hätte ich es nicht zurücknehmen dürfen. Es war eine Tatsachenentscheidung."

Oelmaier Tobias Kommentarbild App

DW-Sportredakteur Tobias Oelmaier

Nun mag man als Traditionalist argumentieren, dass Technik im Fußball nichts zu suchen habe. Dass es den Charme dieses Sports ausmacht, dass die Regeln und deren Überwachung überall dieselben sind. Von Afghanistan bis Zypern, von der Kreisklasse bis in die Champions League. Aber mit diesen Prinzipien wurde mit der Einführung der elektronischen Torüberwachung und mit dem Videobeweis bei hinter dem Rücken des Schiedsrichters begangenen Tätlichkeiten ohnehin schon gebrochen.

Selbst wenn die Dortmunder die strittige Abseitszene nicht auf ihrer Anzeigentafel gezeigt hätten, auf dem Smartphone ist es schon heute möglich, Bundesligapartien zu sehen. Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Auch nicht im Fußball. Die Unparteiischen der Lächerlichkeit preiszugeben, wider besseres Wissen Fehlentscheidungen beizubehalten, ist ein zu hoher Preis für den Purismus. Der Videobeweis muss also kommen!

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