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Afrika

Kommentar: ein Neuanfang mit einem alten Bekannten?

Der neue Präsident in Burkina Faso hat viele Baustellen: Eine der wichtigsten ist die Aufarbeitung der Verbrechen aus der Zeit seines Vorgängers. Schwierig, findet Dirke Köpp, denn er hat selbst im alten System gedient.

Der Wahlausgang in Burkina Faso lässt einen mit gemischten Gefühlen zurück: Einerseits war es eine Freude zu sehen, wie die Menschen in langen Schlangen warteten, um zum ersten Mal in 55 Jahren ihre Stimme abzugeben - in einer Wahl, in der der Präsident nicht schon von vorneherein feststand. Mehr als die Hälfte dieser Zeit hatte Blaise Compaoré das Land regiert, bevor er im Oktober 2014 gestürzt wurde. Die Menschen wollten es nicht hinnehmen, dass der Präsident die Verfassung ändert, um noch länger an der Macht zu bleiben.

Dirke Köpp

Dirke Köpp, Leiterin der DW-Redaktion Französisch für Afrika

Andererseits aber wirft der überwältigende Sieg von Roch Marc Christian Kaboré einige Fragen auf: Warum gewinnt ausgerechnet ein Politiker die Wahl, der lange Jahre im System des geschassten Ex-Präsidenten Blaise Compaoré gedient hat? Das lässt einen stutzig werden. Stand der Sieger wirklich nicht schon vorher fest? Wie stark ist das System Compaoré noch in Burkina Faso verankert?

Sicher, Kaboré wird nicht müde zu betonen, dass er mit dem alten System gebrochen habe. Aber stimmt das wirklich? Und sind seine Seilschaften nicht dennoch die alten? Und welche Rolle spielt Frankreich mit seiner Afrika-Politik "Françafrique", das Compaoré bis kurz vor Schluss unterstützt hatte?

Portrait des geschassten Präsidenten Blaise Compaoré

Auch wenn er nicht mehr an der Macht ist: Wie viel Einfluss haben der Ex-Präsident Blaise Compaoré und seine ehemaligen Gefolgsleute noch?

Kaboré galt lange als Stütze Compaorés. Er war erst sein Ministerpräsident und später für zehn Jahre Parlamentspräsident. Außerdem führte Kaboré als Vorsitzender die Regierungspartei des Präsidenten, den "Kongresses für Demokratie und Fortschritt" (CDP). Dann kam es zum Bruch zwischen den beiden, weil Kaboré nicht einverstanden war mit einer weiteren Amtszeit Compaorés. Über die Hintergründe für Kaborés Ärger gehen die Meinungen auseinander: Die einen sagen, es sei die Moral gewesen. Doch die anderen meinen, Kaboré sei enttäuscht gewesen, weil der ursprüngliche Plan gelautet habe, dass er Compaoré ablöse. Er sei dann aber vom Ex-Präsidenten düpiert worden.

Wo die Wahrheit liegt, wird schwer festzustellen sein. Kaboré selbst sagt, er wolle nun in die Zukunft schauen. Daran tut er gut, denn es wartet viel Arbeit auf ihn: Die Jugendarbeitslosigkeit ist ein Burkina Faso ein Riesenproblem, denn zwei Drittel der Bevölkerung sind jünger als 18 Jahre. Das muss er so schnell wie möglich anpacken. Seit Jahren rangiert das Land zudem auf einem der letzten Plätze im Entwicklungsindex der Vereinten Nationen - auch das eine riesige Herausforderung.

Bild von Aktivisten der Bürgerbewegung Balai Citoyen, zu Deutsch: die 'Bürger-Besen'

Sie haben den alten Präsidenten aus dem Amt 'gefegt' - die Balai Citoyen, zu Deutsch: die 'Bürger-Besen'

Eines der größten Themen seiner Amtszeit aber muss die Versöhnung und Strafverfolgung werden. Die Zeit unter Compaoré, sowie die beiden Putsche in den Jahren 2014 und 2015 müssen aufgearbeitet werden. Dabei besteht jedoch die große Gefahr, dass er sich als ehemaliger Premier, Parlamentspräsident und Chef der Regierungspartei selbst im Wege stehen wird. Dann wäre das Land genauso weit wie vorher.

"Der Weg ist noch lang", sagen auch die Aktivisten der Bürgerbewegung Balai Citoyen. Sie haben bereits angekündigt, darauf achtzugeben, dass der neue Präsident den Erwartungen entspricht. Und wenn er dies nicht tue, so die vollmundige Ankündigung der Aktivisten, dann werde man ihn wie Blaise Compaoré einfach wieder aus dem Amt werfen.

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