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Deutschland

Kommentar: Ein Nein wäre unmöglich gewesen

Mit der Kabinettsentscheidung zum Tornado-Einsatz in Afghanistan gibt Deutschland dem Drängen der NATO nach. Der Regierung ist Bündnisnistreue wichtiger als die Bedenken, meint Nina Werkhäuser.

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Die NATO braucht Aufklärungsflugzeuge in Afghanistan, und sie hat Deutschland darum gebeten. Nur wenige Armeen verfügen über die Fähigkeiten, die die deutschen Recce-Tornados haben - sie können detaillierte Luftaufklärung aus großer Höhe betreiben. Und somit erkennen, von woher Gefahr droht. Und die droht vor allem im Süden und Osten Afghanistans von den Taliban, die der NATO-Truppe schwere Verluste zufügen. Allein Kanada hat im letzten Jahr 36 Soldaten verloren. Die Bündnispartner mit dem Hilferuf im Regen stehen zu lassen, das wäre kaum zu rechtfertigen gewesen.

Die NATO-Truppe ISAF kann nur dann erfolgreich sein, wenn alle Länder mitziehen. Das soll nicht heißen, dass die Bundeswehr in Afghanistan bisher zu wenig geleistet hat - ganz im Gegenteil. An die 3.000 deutsche Soldaten machen im relativ ruhigen Norden Afghanistans einen guten Job. Dort liegt das von der NATO zugeteilte und vom Bundestag abgesegnete Stationierungsgebiet.

Neue Situation verlangt neue Einsätze

Aber es wäre zu einfach, sich ein für allemal hinter dieser regionalen Aufteilung zu verstecken. Denn die ISAF dehnt ihre Präsenz schrittweise auf ganz Afghanistan aus, wobei sie ihre Strategie ständig anpassen muss. Die NATO-Generäle müssen darauf reagieren, dass Briten, Kanadier und Niederländer beim Vorrücken in den Süden auf derart heftigen Widerstand der Taliban getroffen sind. Sie tun es, indem sie im Bündnis nach weiteren Soldaten suchen und auf mehr gegenseitige Unterstützung pochen.

Das ist in der NATO meistens ein Problem - die gewünschte operative Flexibilität scheitert allzu oft am nationalen Eigensinn. Viele Länder haben sich innenpolitisch auf bestimmte Einsatzregeln verpflichtet, so auch Deutschland: Bisher war das Einsatzgebiet der Norden und der Auftrag die Stabilisierung. Das wird sich nun ändern. Zwar werden die deutschen Tornados Ziele nur identifizieren und nicht bombardieren, aber natürlich sind sie damit Teil des Kampfes. Das regt die Kritiker am meisten auf - dass deutsche Soldaten tatsächlich im Kampf stehen und nicht nur eine Art robuste Entwicklungshilfe leisten. Dabei sind Operationen zur Sicherung der eigenen oder anderer NATO-Soldaten schon immer Teil des Auftrags gewesen. Nichts anderes werden die Tornados mit ihren Aufklärungsfotos tun.

Tornados statt Bodentruppen: eine kommode Lösung

Zwar ist es völlig richtig, dass Deutschland sich in der NATO immer wieder für den militärisch abgesicherten Wiederaufbau Afghanistans stark macht. Aber einige Regionen sind eben nur mit Waffengewalt vor der Rückkehr der Taliban zu schützen. Die Bundesregierung kann von Glück reden, dass sie den Wunsch nach der Verlegung deutscher Bodentruppen in den Süden Afghanistans bisher im Keim ersticken konnte. Mit dem Einsatz von einigen Tornados ist sie gut bedient - sie kann angemessene Verantwortung zeigen, ohne allzu viel zu riskieren. Damit nimmt sie den Druck von sich, der sich in den letzten Monaten aufgebaut hatte: Dass immer nur die Soldaten anderer Länder ihr Leben im Kampf riskieren sollen, das hätten die NATO-Partner auf Dauer nicht akzeptiert.

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