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Kommentar: Ein Grund zum Feiern

Das neue Humboldt-Forum in Berlin feiert Richtfest - nach gerade mal zwei Jahren Bauzeit! Die Berliner und die Deutschen sollten sich erst einmal freuen, meint DW-Kulturredakteur Stefan Dege - und dann weiterdenken.

Geschafft: Grau und glatt und massiv ragen die Wände des Rohbaus in den Berliner Himmel. Noch ist der nackte Beton unverkleidet. Noch fehlen Fenster und Türen, Dach und Barockfassaden. Doch bis 2019 bekommt das Gebäude ein stilisiertes Putzkleid umgehängt. Spätestens dann wird sie unübersehbar sein - die Rekonstruktion des alten Hohenzollern-Schlosses.

Die DDR sprengte den monumentalen Bau 1950, errichtete stattdessen ihren "Palast der Republik". Zwischen 2006 und 2008 wurde auch dieser abgerissen. Auf der Spreeinsel hat nun das "ambitionierteste Kulturvorhaben unseres Landes", wie Kultursstaatsministerin Monika Grütters das Humboldt-Forum unlängst nannte, Gestalt gewonnen. Recht hat die Politikerin.

Die Baulücke in der Mitte der deutschen Hauptstadt

Moderner Neubau oder Rekonstruktion des alten Stadtschlosses? Welches Zeichen setzen wir? Unvergessen ist der erbitterte kulturpolitische Streit, den Preußen-Nostalgiker und Modernisten über Jahre mit politischen und ästhetischen Bandagen ausfochten. Der Bundestag beschloss im Sommer 2002 den Wiederaufbau und schuf Fakten: Spätestens jetzt, zum Richtfest, können sich die Streithähne von einst die Hand reichen. Ihr Disput ist Geschichte.

Porträt - Stefan Dege

DW-Kulturredakteur Stefan Dege

Zwar ist dieser Konflikt vom Tisch. Dafür tobt jetzt ein anderer und nicht weniger politischer Streit: Was bitte präsentiert man den Bürgern eines demokratischen Staates hinter der rekonstruierten Fassade eines monarchistischen Schlosses? Fest steht bislang allein, dass die außereuropäischen Sammlungen der Berliner Museen aus Dahlem einziehen sollen. Das sind 24.000 Objekte - von indianischem Schmuck über afrikanische Masken, einem chinesischen Kaiserthron und Azteken-Tassen bis hin zu einem prunkvollen Segelschiff aus der Südsee. Geplant ist ein Museum der Welt, für einen Dialog der Weltkulturen. Auch hier gab es Kritiker.

Große Hoffnungen ruhen auf Neil MacGregor

Unklar ist: Was bringen die anderen beiden Mieter - die Humboldt-Universität und die Stadt Berlin - in das rekonstruierte Schloss ein? "Himmel, hilf!" ruft da der Deutsche Kulturrat und verlangt nach tragfähigen Ideen. Da fügt es sich, dass mit dem Briten Neil MacGregor ein guter, weil kulturpolitisch und historisch mit allen Wassern gewaschener Kulturmanager gewonnen werden konnte. Denn konzeptionell bleibt für den Gründungsintendanten und seine zwei Kollegen im Gründungsteam bis zur Eröffnung 2019 noch ein gutes Stück Arbeit.

Schon jetzt strömen die Menschen zu Hunderttausenden herbei. Touristen und Einheimische ergötzen sich an dem Bauwerk, das sich in Berlins Mitte einfügt, als hätte es schon immer schon da gestanden. Das macht Mut, abseits aller Kritik und (typisch deutschen?) Verzagtheit. Richtfest am Humboldt-Forum, das ist erst einmal ein Grund zum Feiern!

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