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Kultur

Kommentar: Ein Fisch wird kommen?

Mehr als eine Million Menschen kamen zum 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln. Was wird bleiben? Klaus Krämer kommentiert.

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Ein Kölner Kabarettist hatte im Vorfeld des Treffens geschrieben, ein evangelischer Kirchentag im katholischen Köln sei fast so wie ein Pantomimeabend im Radio. Der kölsche Katholik lebe von Bildern und die evangelische Kirche sei doch eher die Kirche des Wortes.

Recht hat er kaum, denn der Kirchentag als eigenständige Laienorganisation hatte seine Bilder, allen voran das Logo - ein Fisch. Dieses Erkennungszeichen der frühen Christenheit gilt als Symbol für Jesus Christus. Und beflügelt durch das Motto "lebendig und kräftig und schärfer", wurde dem friedlich wirkenden Fisch kurzerhand die Rückenflosse eines Hais verpasst. "Lebendig und kräftig und schärfer" ist eine biblische Charakterisierung des Wortes Gottes. Und wer sich dessen bedient, dem gelingt auch eine Profilierung in Sachen Spiritualität und Weltverantwortung, so der Ansatz der Initiatoren des kirchlichen Laientreffens. Sie sollten Recht behalten.

Weit mehr als Volkshochschule

Denn immer wieder tauchte er auf, der Fisch: bei Diskussionsforen zu Themen, die die Menschen global und in Deutschland bewegen oder in der Auseinandersetzung der Teilnehmer mit der bundesdeutscher Politprominenz. Der Fisch wurde immer dann sichtbar, wenn mal fröhliche, mal nachdenkliche, mal streitbaren Menschen sich Orientierung verschaffen wollten in einer Zeit rasanter Umbrüche in fast allen Lebensbereichen.

Keine Frage - dieser 31. Deutsche Evangelische Kirchentag hat sich kräftig eingemischt in die derzeitigen politischen Diskussionen um Klimaschutz, weltweite Gerechtigkeit, Entwicklungspolitik oder Menschenwürde. Das Protestantentreffen war weit mehr als Volkshochschule mit Prominentenbeteiligung.

Liturgie kommt an

Besonders lebendig wurde der Fisch, wenn das Protestantentreffen seinen Grundanliegen gerecht wurde. Herzstück aller 3000 Veranstaltungen sind traditionell Bibelarbeiten und Gottesdienste. Wer wollte, konnte in den Kölner Tagen Kraftstoff für die Seele tanken, sich seines Glaubens versichern, von Dingen hören, die jenseits des Menschen machbaren liegen. Der Trend hin zu den spirituellen Programminhalten setzte sich auch in der Domstadt am Rhein fort. Liturgische Veranstaltungen kommen an.

Auch in der Gemeinschaft mit katholischen Christen ließ sich der Fisch sehen - erstaunlicherweise hatte man ihm dort aber die Haifischflosse gestutzt. Einige große Veranstaltungen wurden zwar ökumenisch gestemmt. Doch das Steckenbleiben in Fragen des Amts-Kirchenverständnisses konnte weder eine Vielzahl engagierter Christen, am wenigsten der Fisch selbst verstehen.

Scharf, aber nicht verletzend

Dass das Protestantentreffen erstmals ein Begegnungszentrum gemeinsam mit Muslimen realisierte, zeigt Fortschritte im Dialog der Religionen. Spätestens in der Diskussion mit muslimischen Spitzenvertretern, als etwa über Integration und Religionsfreiheit gestritten wurde, verdiente sich der Fisch dann die Rückenflosse des Hais zurück - er war scharf aber nicht verletzend.

Ein Besucher sagte dieser Tage, es gäbe in Deutschland drei Sorten von Christen: Katholiken, Evangelische und Kirchentagsbesucher. Da ist was dran, denn längst nicht jeder Teilnehmer von Köln ist engagiertes Gemeindemitglied.

Der Kölner Kirchentag ist Geschichte. Deshalb stellt sich die Frage, ob und wo er künftig wieder auftauchen wird, der Kirchentagsfisch. Ob er tatsächlich die Gewässer der Gemeinden erreicht und die Kirche verändern wird?