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Standpunkt

Kommentar: Donald Trump ist abstoßend, die NRA gefährlich

Der US-Präsident hat bei Twitter ein Video gepostet, das ihn bei einer Prügelattacke gegen CNN zeigt. Doch die große Empörung ist fehl am Platz - denn ein anderes Video ist noch viel schlimmer, meint Michael Knigge.

Donald Trump schlägt neben einem Wrestling-Ring auf einen Mann im Anzug ein, dessen Gesicht von einem CNN-Logo überdeckt ist - ein Video, das nicht nur ziemlich schlecht produziert ist, sondern auch eine äußerst plumpe Aussage hat. Donald Trump knöpft sich sinnbildlich die von ihm so bezeichneten "Fake-News-Medien" vor: traditionelle Medienhäuser wie CNN, die New York Times oder die Washington Post. Schon im Wahlkampf hat Trump rigoros gegen alle Medien ausgeteilt, von denen er sich ungerecht behandelt fühlte. Dadurch ist es ihm gelungen, seine Anhängerschaft zu mobilisieren, denn die von Trump geschmähten "Fake-News-Medien" verachten in gleicher Weise auch viele seiner Wähler.

Eines Präsidenten nicht würdig

Das gepostete Video, in dem Trump auf CNN einschlägt, ist abstoßend und eines Präsidenten unwürdig. Andererseits - wen kann das noch überraschen? Die zahlreichen Tweets des Präsidenten sorgen ja fast täglich für Schlagzeilen. Und auch seine tiefsitzende Abneigung gegen die Medien ist nicht neu. Die Aufregung über das Wrestling-Video wird, so wie jedes Mal, nach ein oder zwei Tagen abklingen und keine Konsequenzen nach sich ziehen. Und irgendwann twittert Trump dann den nächsten Aufreger.

DW-Redakteur Michael Knigge

DW-Redakteur Michael Knigge

Um es ganz deutlich zu sagen: Dass Donald Trump Twitter missbraucht, um seine Gegner zu beleidigen, zu schikanieren und zu attackieren, ist seinem Amt völlig unangemessen und unentschuldbar - ganz egal, ob sich die Tweets gegen die Medien, gegen andere Politiker oder wen auch immer richten. Kommunikationsexperten verweisen jedoch längst drauf, dass Trump mit seinen Tweets eine klare Strategie verfolgt: Er lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit gezielt von anderen Themen ab, die Medien und Öffentlichkeit ansonsten diskutieren würden. In diesem Fall waren es die ins Stocken geratenen republikanischen Bemühungen um die Gesundheitsreform, die eigentlich hätten die Schlagzeilen beherrschen müssen. Denn dieses Thema betrifft Millionen Amerikaner ganz persönlich. Trumps Krieg mit den Medien, so beunruhigend er auch ist, dürfte die meisten Amerikaner dagegen nicht direkt beeinflussen.

Gefährliches Video der Waffen-Lobby

Viel schlimmer als das amateurhaft gemachte Wrestling-Video ist ein anderer Film, der sich derzeit im Netz verbreitet: ein professionell produziertes Video, mit dem die National Rifle Association (NRA) für Nachwuchs wirbt. Die Waffenlobbyisten der NRA gehören zu Trumps treuesten Unterstützern. In dem Clip ist eine Männerstimme zu hören, die eine klare "Wir gegen die"-Rhetorik verwendet und so das trübe Bild einer Nation zeichnet, die angeblich von den Unterstützern des ehemaligen Präsidenten Obama und anderen Trump-Gegnern bedroht wird. Wörtlich heißt es dort: "Es gibt nur einen Weg, dies zu stoppen und unser Land und unsere Freiheit zu retten: Wir müssen die Gewalt der Lügen mit einer geballten Faust an Wahrheit bekämpfen."

Kritiker bezeichnen den Clip, der seit seiner Veröffentlichung im Juni schon mehr als sechs Millionen mal angeschaut wurde, als Brandsatz. Er rufe geradezu zur Gewalt gegen Trump-Kritiker auf.

Dass die Waffenlobby bewusst eine solche Nachricht aussendet - und das mitten in ein ohnehin schon politisch aufgeladenes Klima hinein - ist ein deutlich schlimmeres Signal an diese tief gespaltene Nation, als es ein schlecht gemachtes Prügelvideo des Präsidenten je sein könnte.

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