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Kommentare

Kommentar: Don Marios Kampf gegen die Windmühlen

Die Preise steigen kaum noch in der Eurozone - was die Europäische Zentralbank veranlassen könnte, die Märkte mit noch mehr Geld zu fluten. Das ist der falsche Weg, meint Rolf Wenkel.

Ein neuerlicher Preisrückgang in der Euro-Zone hat am Montag für eine Überraschung gesorgt. Die Verbraucherpreise sind im Februar erstmals seit einem halben Jahr wieder gefallen, meldet die europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg, und zwar um 0,2 Prozent.

Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik im März weiter lockert - zumal sich auch noch die Konjunkturaussichten für Deutschland und Europa zuletzt eingetrübt haben. Denkbar wäre etwa, dass sie ihren Strafzins für Banken erhöht: Diese müssten dann für Geld, das sie bei der EZB parken, noch mehr Gebühren zahlen. Dies soll sie dazu verleiten, mehr Kredite zu vergeben, was Konjunktur und Inflation ankurbeln könnte.

Begründet wird dieser geldpolitische Aktionismus regelmäßig mit den angeblichen Gefahren einer Deflation, die sich wie Mehltau über die Volkswirtschaften der Währungsunion senken könnte. Und glaubt man den Szenarien, die regelmäßig von den Deflationstheoretikern beschworen werden, dann kann einem wirklich angst und bange werden.

Abwärtsspirale?

Fallende Preise würden, so argumentieren sie, bei Investoren und Verbrauchern Attentismus erzeugen, also eine abwartende Haltung. Was durchaus rational ist: Wer mit weiter fallenden Preisen rechnet, verschiebt seine Anschaffungen auf einen späteren Zeitpunkt, weil dann alles billiger ist - die private Konsumnachfrage sinkt also.

Unternehmer, die eine sinkende Konsumnachfrage beobachten, werden ihrerseits keine Investitionen mehr tätigen. Denn Unternehmer investieren, wenn sie mit steigender Nachfrage rechnen - und nicht, weil die Zentralbank gerade die Zinsen nahe Null hält und den Banken das Geld hinterherwirft. Wenn aber Investitionen und Nachfrage einbrechen, dann ist auch der Zeitpunkt nicht mehr weit, an dem Aktien- und Immobilienpreise einbrechen und - in der nächsten Runde der Abwärtsspirale - die Arbeitslosigkeit steigt und die Zahl der Pleiten dramatisch zunimmt.

Beängstigende Logik

Das klingt geradezu beängstigend logisch. Das Dumme ist nur: Eine Deflation mit derart verheerenden Effekten ist erst ein einziges Mal beobachtet worden - vor 87 Jahren, in den Vereinigten Staaten von Amerika, von 1929 bis 1933. Damals sind die Preise auf breiter Front eingebrochen, um zehn Prozent pro Jahr, und haben zum Schrumpfen der Wirtschaft und zur Massenarbeitslosigkeit geführt.

Ansonsten aber haben deflationäre Erscheinungen nirgendwo tatsächlich zu einer verheerenden Abwärtsspirale geführt. Selbst in Japan, das sich im Grunde seit einem Vierteljahrhundert mit deflationären Tendenzen herumärgert, selbst dort war immer noch ein leichtes Wachstum zu verzeichnen – nie aber war eine tödliche Abwärtsspirale in Sicht.

Auch in der Eurozone sind wir meilenweit von solchen Gefahren entfernt. Im Februar sind die Preise zwar im Schnitt um 0,2 Prozent gefallen - das war allerdings ausschließlich den Energiekosten zu verdanken, die sich um acht Prozent verbilligten.

Ansonsten aber haben wir immer noch eine leichte Teuerung: bei den Dienstleistungen, bei Lebensmitteln, Alkohol, Tabak und bei Industriegütern. Damit aber fehlt die Hauptvoraussetzung einer wirklich gefährlichen Deflation, nämlich ein Absinken der Preise auf breiter Front, in allen Branchen, bei allen Produkten und Dienstleistungen.

Schön, könnte man jetzt argumentieren, wenn die EZB tatsächlich im März ihre ohnehin schon ultralockere Geldpolitik weiter lockert, dann bekämpft sie zwar ein Gespenst, richtet aber weiter keinen Schaden an. Schließlich hat Don Quijotes Kampf gegen die Windmühlenflügel auch keinen nennenswerten Schaden beim Rest der Menschheit angerichtet.

Doch Mario Draghi ist nicht Don Quijote - er kann mit seiner Geldflut sehr wohl großen Schaden anrichten. Monat für Monat steigen die Risiken für das Finanzsystem. Eine überbordende Liquidität, negative Zinsen, Strafgebühren für geparktes Zentralbankgeld - das alles sind Bestandteile einer gefährlichen Mischung, die spekulative Blasen fördert. Kapitalanleger, Investoren, aber auch Spekulanten und Zocker sind ständig auf der Suche nach hohen Renditen. Lassen die sich nicht mehr auf seriöse Weise erwirtschaften, müssen die Anleger immer höhere Risiken eingehen - bis die Blase platzt.