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Standpunkt

Kommentar: Documenta in Athen - eine Eintagsfliege

Mit großem Tam-Tam startete die Documenta diesmal nicht in Kassel, sondern in Athen. "Von Athen lernen" hieß das Motto der Weltkunstschau. Doch ihr griechischer Ableger war überflüssig, meint Stefan Dege.

Reiter auf dem Weg von Athen nach Kassel - ein Kunstwerk der documenta 14 (picture-alliance/dpa/S.Pförtner)

Reiter auf dem Weg von Athen nach Kassel - ein Kunstwerk der Documenta 14

"Die Welt kann nicht ausschließlich von Kassel aus erklärt, kommentiert und erzählt werden", ließ der künstlerische Leiter Adam Szymczyk gleich zu Beginn der Doppel-Ausstellung wissen. Seine Idee, die 14. Documenta-Ausgabe je zur Hälfte in Athen und Kassel stattfinden zu lassen, hat die Kunstwelt dann doch ratlos gemacht.

Zwar verließ der Pole Szymczyk die ausgetretenen Pfade der Weltkunstschau. Doch sein Versprechen, einen neuen, verstehenden Blick auf die Hauptstadt des armen Griechenland zu öffnen, das unter Finanzkrise, Flüchtlingsansturm und politischer Krise leidet, hielt er nicht. Mitleid hat Hellas nicht nötig, schon gar nicht das des Kunstbetriebs. Solidarität sieht anders aus. Szymczyks aufwendig inszenierte Idee - ein teurer Flop?

Schuldendienst mit Oliven

An 50 Spielorten, verteilt über die stets lärmende Stadt, inszenierten der Documenta-Chef und seine Kuratoren die Kunst. Wer sie abklappern wollte - angefangen beim Nationalmuseum für Zeitgenössische Kunst (EMST), das wegen der Wirtschaftskrise nie richtig eröffnet war, über das Konservatorium, die Kunsthochschule bis hin zum Benaki-Museum - der sammelte schnell Kilometer unter der Sohle. Der Erkenntnisgewinn hielt sich in Grenzen.

Porträt - Stefan Dege (DW/K. Dahmann)

DW-Kulturredakteur Stefan Dege

Da war Daniel Knorrs Installation aus Abfallresten: Bierdosen, Plüschtiere, alte Pässe und einige Fundstücke mehr türmte der gebürtige Rumäne zu seinem Kunstwerk auf. Da fügte der in Berlin lebende Kurde Hiwa K eine aus Beton gegossene Treppe, ein Podest und ein Bett zu einem "One-Room-Apartment" zusammen. Da häufte die Argentinierin Marta Minujin im Eingangsbereich des Nationalmuseums 200 Kilogramm Oliven auf, verbunden mit dem Vorschlag, die Rückzahlung der Schulden an Deutschland doch mit Oliven und Kunst zu leisten.

Neoliberalismus, Globalisierung, Flüchtlingsströme - keines der globalen Themen fehlte im Zentrum des kriselnden Griechenland. Der Anspruch der Documenta war hier, wie später auch in Kassel, ein betont politischer. Oder besser: ein gut gemeinter? Der Ausstellungsparcours führte zielsicher, wie ein Kritiker ironisch schrieb, "an die Ränder der Welt, zu vergessenen Völkern und Problemen, an die Stätten heroischer Freiheitskämpfe und zerschlagener Hoffnungen."

Folkloristisches Themen-Potpurri

Stoff zum Nachdenken gab es genug. Installation, Performance, journalistische Dokumentation - auf solche Mittel setzte Szymczyk bei Auswahl und Präsentation seiner Künstler. Hergerichtet hat er das Kunstspektakel für die einfliegenden Kunst-Touristen eines opulent bestückten Kunstsommers 2017. Und der besondere Effekt? Die Kunst-Karawane erlebte in Athen ein folkloristisch anmutendes Themen-Potpourri. Es deckte sich mit dem in Kassel. Da war viel oberflächliche Symbolik und wenig Ästhetik.

In der langen Geschichte der Weltkunstschau wird das Athen-Experiment deshalb wohl eine Eintagsfliege bleiben. Scymczyks Botschaft an die nordhessische Metropole lautete: Die Documenta kommt auch ohne eure Stadt aus! Richtig ist: Das "Museum der 100 Tage", die Documenta, kommt ohne Athen aus. Um von Athen zu lernen, hätte es der griechischen Kulisse nicht bedurft.

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