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Politik

Kommentar: Die USA haben die 'Willigen Koalitionäre' im Irak allein gelassen

Die USA haben ihren Abzug aus dem Irak mit Bagdad vertraglich geregelt. Die wenigen verbliebenen Waffenbrüder aus der "Koalition der Willigen" stehen jetzt allerdings da wie die Düpierten. Peter Philipp kommentiert.

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Als das irakische Parlament sich am 27. November nach langem Ringen dazu entschloss, das Truppenstationierungsabkommen mit den USA in Kraft zu setzen, da folgten die Parlamentarier eher einsichtiger Vernunft als ihrem eigenen Wunsch: Es dürfte wohl keinen unter ihnen geben, der die amerikanische Besatzung auch nur einen Tag länger als unbedingt erforderlich zu verlängern bereit ist. Alle wissen doch aber auch, dass man solch einen Besatzer nicht einfach durch Parlamentsbeschluss los wird. Obwohl solches die Weltgeschichte sicher um einiges erleichtern würde.

Peter Philipp

Peter Philipp

Ebenso wissen die Iraker natürlich auch, dass dieses Kapitel in der unseligen Geschichte ihres Landes nur dann wenigstens einigermaßen problemlos beendet werden kann, wenn der Übergang von Besatzung zu echter Souveränität geordnet vonstatten geht und der Irak am Ende dieses Prozesses in der Lage ist, sich selbst zu verwalten und seine Bürger selbst zu schützen.

Abzug bis 2011?

Mit Washington ist vereinbart, dass dieser Prozess bis Ende 2011 abgeschlossen sein soll. Ein löblicher Vorsatz, den Irak bis dahin so weit zu stärken, dass er dann allein die Verantwortung übernehmen kann. Und so ist denn auch nicht die Rede von einem "Truppen-Abzugs"- sondern von einem "Truppen-Stationierungs"-Vertrag. Denn die US-Truppen sollen den Übergang zur Normalität begleiten, sie sollen den Übergang erst ermöglichen.

Sie werden dabei weitgehend auf sich gestellt sein, nachdem der Krieg ja noch von einer "Allianz der Willigen" geführt worden war. Mit überwältigender US-amerikanischer Mehrheit zwar, aber doch auch mit Kontingenten und Helfern aus Dutzenden von Ländern, die sich teilweise aus Überzeugung (wie die britische Regierung unter Tony Blair), teilweise aber auch aus Opportunitätsgründen - wie zum Beispiel so manche "neue Europäer" (der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld) der Invasion angeschlossen hatten. Abgesehen von den Briten waren dies in keinem Fall Truppen von relevanter Größe und Stärke und die meisten von ihnen haben – manchmal eher sang- und klanglos – den Irak längst wieder verlassen.

Fast alle Willigen sind weg

Vor einer Woche gingen die letzten Japaner und Südkoreaner, übrig bleiben das auf 4100 Mann geschrumpfte britische Kontingent, 1000 Australier sowie einige Hundert Mann aus Rumänien, El Salvador und Estland. Ihnen aber will das irakische Parlament nicht zugestehen, was man den USA gegenüber akzeptiert hat: Ähnliche Abkommen mit diesen Staaten sind bisher nicht abgeschlossen worden und wenn das nicht bis zum Ablauf des UN-Mandats am Jahresende geschieht, dann werden diese Soldaten sich ohne jegliche Rechtsgrundlage im Irak aufhalten.

In den Augen der irakischen Parlamentarier kann das am besten durch einen sofortigen Abzug geregelt werden, die irakische Regierung bemüht sich um einen Ausweg – notfalls mit Separatabkommen am Parlament vorbei. Dies alles kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die "Koalition der Willigen" verkommen ist zum Haufen der Unerwünschten. Und dass diese noch nicht einmal Washingtons Hilfe bekommen. Zwar zogen sie für Washington in den Krieg, heute aber sind sie auf sich selbst gestellt: Die USA haben ihre unmittelbare Zukunft im Irak geregelt, die anderen schauen in die Röhre. Fast schon wie die toughen Jungs von "Blackwater", die auch nicht im Truppenstationierungsabkommen berücksichtigt sind. Sie aber haben sich in den letzten Jahren im Irak eine goldene Nase verdient, die Verbündeten der USA aber gingen in jeder Hinsicht leer aus.