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Standpunkt

Kommentar: Die Umwelt, Opfer auf dem Altar des Geldes

Umweltverschmutzung ist tödlich - und schlecht für die Wirtschaft. Trotzdem wird die Umwelt weiterhin missbraucht und vernachlässigt. Es ist höchste Zeit, dass sich etwas ändert, findet Sonya Diehn.

USA Hurrikan Harvey | Rückblick (Reuters/R. Wilking )

Geschundene Natur: Szene aus Alvin, Texas, nach dem Hurrikan Harvey, August 2017

Wenn ich Umweltthemen kommentiere, kommt es mir vor, als stimmte ich in die immer gleiche Leier ein: "Es ist schrecklich, es muss etwas getan werden!"

Jetzt vernehmen wir, dass Umweltverschmutzung mehr Todesfälle verursacht als Krieg. Was soll, was kann ich sagen? "Es ist schrecklich, es muss etwas getan werden!"

Man kann den Eindruck gewinnen, dass die schlechten Nachrichten über die Umwelt immer schlimmer werden. Aber als Redakteurin, die sich jeden Tag mit diesen Themen befasst, muss ich auch sagen: Die Nachrichten überraschen mich nicht. Sie sind nicht wirklich neu. Vor etwa einem Jahr berichtete die DW, dass Umweltzerstörung - Luftverschmutzung, übermäßiger Einsatz von Chemikalien und Klimawandel - rund ein Viertel aller Todesfälle weltweit verursacht.

Und obwohl wir in der Tat mit vielen gewaltigen und anscheinend nicht zu lösenden Umweltproblemen zu tun haben, gibt es doch auch einige Lichtblicke. So etwa die jüngste bekannt gewordene Nachricht, dass die Klimaschutzmaßnahmen von Unternehmen, Städten und Staaten in den Vereinigten Staaten fast die Hälfte jener Werte erreichen, die nötig sind, um die in den Tagen der Obama-Administration vorgegebenen Klimaschutzziele zu erreichen.

Es ist also alles relativ.

"Der Geruch des Geldes"

Aber die eigentliche Frage angesichts einer derart tödlichen Umweltverschmutzung ist eine andere: Wenn die Lage so schlecht ist - warum gibt es keine breiteren Anstrengungen, um sie zu verbessern?

Sonya Angelica Diehn Environment Team Leader Teamchefin Umwelt (DW/M. Müller)

Sonya Angelica Diehn leitet die Umweltredaktion der DW

Ich behaupte nicht, dass es eine einfache Antwort darauf gäbe. Neulich habe ich bei Associated Press (AP) eine Geschichte darüber gelesen, wie die Trump-Wähler in Texas auf die durch den Hurrikan Harvey - einen vom Klimawandel angeheizten Mega-Sturm - reagierten.

In dieser Trutzburg der Erdölindustrie beschrieben einige Menschen den in der Luft hängenden Chemiegestank als "Geruch des Geldes" - also als "Gehaltsschecks, bezahlte Hypotheken und Mahlzeiten", schrieben die AP-Autoren. Letztlich geht es also um Geld - um viel Geld. In anderen Worten, um Lebensunterhalt und Einkommen. Aber nicht allein darum. Wenn ich die Hauptursache der meisten Umweltprobleme in einem Wort erfassen müsste, dann in diesem: Gier.

Die Opfer der Freiheit 

Auf dem Altar des Profits wurden unendliche viele Opfer gebracht. Weitere werden folgen. Und müsste ich mit dem Finger auf einen Schuldigen zeigen, dann wäre es die Industrie: die fossile Brennstoffindustrie, die Automobilindustrie, die chemische Industrie, die verarbeitende Industrie.

In Ländern wie Indien und China gehen einer neuen Studie zufolge fast die Hälfte aller Todesopfer auf Umweltverschmutzung zurück. Eben dort wurde dieser Industrie freie Hand gelassen. In zu vielen Nationen auf der Welt knicken die Regierungen weiter vor dem Gott des Geldes ein.

Ein Anfang ist gemacht

Das heißt nicht, dass die gesamte Industrie schlecht ist - viele Unternehmen bemühen sich auf die vielfältigsten Weisen, das "Richtige" für den Planeten zu tun. Zudem gibt es interessante Trends im Hinblick auf nachhaltiges Wirtschaften. Außerdem scheinen Unternehmen allmählich die wahren Kosten umweltschädlicher Praktiken zu erfassen. Und vor allem in den Industrieländern versuchen Regierungen, den Bedürfnissen der Bevölkerung wie denen der Umwelt gleichermaßen zu entsprechen.

Leider sind das aber immer noch die Ausnahmen. Und es ist nicht genug. Regierungen müssen ihren Anteil zum Schutz ihrer Bevölkerung leisten. Ist das nicht ihr Job? Und wieder stimme ich die gleiche alte Leier an.

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