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Fußball

Kommentar: Die subjektive Regel

(Vermeintliche) Handspiele haben schon so manche Fußballpartie entschieden, wie zuletzt das Spiel Dortmund gegen Wolfsburg. Dabei ist die Handspielregel viel zu subjektiv auslegbar, meint DW-Reporterin Olivia Fritz.

Hand oder nicht Hand? Selbst eingefleischte Fußballfans sind sich da oft nicht sicher. Und so kommt es immer wieder zu großen Diskussionen. Schiedsrichter Wolfgang Stark entschied im Spiel zwischen Dortmund und Wolfsburg auf Handspiel des BVB-Verteidigers Marcel Schmelzer im eigenen Strafraum. Konsequenz: Rote Karte und Strafstoß. Der Elfmeter ging rein, das Spiel anschließend verloren. Erst nach Ansicht der Fernsehbilder räumte Stark seinen Fehler ein, Schmelzer wird deswegen wohl nicht gesperrt werden. Der Schaden ist jedoch schon angerichtet.

Entscheidender Faktor: Die Absicht

Kaum eine Regel entfacht soviel Streitpotenzial wie die Handspielregel. Doch wieviel Willkür darf in einer Fußballregel stecken? Platzverweis und dazu noch Elfmeter – solche Szenen sind meistens ebenso spielentscheidend wie Tore, die mithilfe der Hand erzielt und nicht als regelwidrig erkannt werden. Siehe Diego Maradona mit der "Hand Gottes" im WM-Viertelfinale 1986 in Mexiko. Oder Thierry Henry beim Playoff-Rückspiel zur WM-Qualifikation 2010 gegen Irland. Sind das "Schlitzohren", die mit all ihrer Abgebrühtheit mit allen Mitteln den Erfolg für ihr Team suchen? Nein. Vor allem sind es unfaire Sportler.

Im Fall Schmelzer sollte es jedoch besser heißen: Im Zweifel für den Angeklagten. Die Tragweite der Entscheidung sollte dabei berücksichtigt werden, denn die Regel an sich ist ziemlich weit auslegbar: Es liegt ein Handspiel vor, "wenn ein Spieler den Ball mit seiner Hand oder seinem Arm absichtlich berührt." Der Schiedsrichter hat also zu entscheiden, ob eine Absicht vorliegt oder nicht. Bewegt sich die Hand zum Ball, soll das Absicht sein. Geht der Ball zur Hand, nicht. Der Ruf nach dem Videobeweis ist an dieser Stelle übrigens unangebracht – denn der kann die Absicht eines Spielers oft nicht entlarven.

Schwere Aufgabe für den Schiedsrichter

Wie also soll man eine Absicht erkennen? Wer je selbst Fußball gespielt hat, wird wissen, dass man nicht immer mit angelegtem Arm durch den Strafraum laufen oder gar zum Kopfball hochsteigen kann. Auch wenn man sich wegdreht, liegt der Arm nicht an, sondern schwenkt mit. Und bevor man einen Ball ins Gesicht bekommt, hält man zum Schutz die Hand davor. (Auch das wird übrigens als absichtliches Handspiel gewertet.)

Die Alternative ist spröde und einfach. Man könnte sagen: Hand ist Hand. Egal ob angeschossen, angelegt, zum Schutz erhoben oder absichtlich herausgestreckt. Dann wäre die Regel wenigstens eindeutig. Aber – und jetzt werden wir zugegebenermaßen mal richtig besinnlich in der Adventszeit – es gibt da auch noch eine andere Möglichkeit: Man könnte ja auch einfach den betreffenden Spieler fragen. Der deutsche Nationalspieler Miroslav Klose zum Beispiel hat zuletzt sein Handspiel zugegeben. Und damit nicht nur bei den gegnerischen Fans großen Respekt geerntet.