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Standpunkt

Kommentar: Die Reise ins Ungewisse mit Donald Trump

Das Warten auf Donald Trump hat ein Ende. Das ist einerseits gut, denn nun muss er handeln und nicht nur twittern. Andererseits bleibt vieles unberechenbar, meint Peter Sturm von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Die Übergangszeit war schon immer so lang, der Tradition des Postkutschenzeitalters geschuldet. Aber dieses Mal hätten sich sicher viele außerhalb der Vereinigten Staaten gewünscht, der im November neu gewählte Präsident wäre früher ins Amt gekommen. Dann hätte die quälende Unsicherheit darüber ein Ende gehabt, was Donald J. Trump mit seinem Land und der Welt wirklich vorhat. Dem übergroßen Ego des Gewählten hätte es geschmeichelt, wenn seinetwegen die Tradition der langen Übergangszeit geändert worden wäre.

Sturm Peter Frankenberger Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Peter Sturm ist Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Ab Freitag wird Trump nun Präsident sein. Und wir wissen - nichts. Kommuniziert hat Trump im Übermaß. Aber Einblicke in sein politisches Konzept - immer vorausgesetzt, er hat eines, das über die Eroberung des Weißen Hauses hinausgeht - bleibt im Ungefähren. Es wäre verfehlt, Äußerungen ins Lächerliche zu ziehen, etwa mit der Begründung, dies und das sei nicht realistisch, also werde es dazu auch nicht kommen. Das Problem ist, dass ein amerikanischer Präsident allein durch Interviewäußerungen Realitäten schafft beziehungsweise diese verändert. Das gilt zum Beispiel für die Bemerkungen über die NATO. Die soll einerseits "obsolet" sein, andererseits aber auch wirklich wichtig. So etwas lädt Gegner des Bündnisses dazu ein, doch einmal auszuprobieren, was man so machen kann, ohne bestraft zu werden. Dieser Zusammenhang sollte auch einem intellektuell schlichten Gemüt unmittelbar einleuchten.

Viele Unternehmer halten sich für die besseren Politiker. Und Trump hält sich sowieso für den Allergrößten. Nur ist es ein Unterschied, ob man in einem Unternehmen per Dekret "durchregiert", oder in dem überaus komplexen Gebilde namens "Staat" Entscheidungen herbeiführt. Unternehmen sind in einem bestimmten Sektor tätig und müssen sich kaum um andere Bereiche kümmern. In der Politik hat alles mit allem zu tun, und das ist kein dummer Spruch entscheidungsunwilliger Schwächlinge. Man kann, vielleicht muss man auch, in Amerika viele Dinge anders machen, als Präsident Barack Obama es getan hat. Auf eines allerdings kann man nur hoffen: Dass es Menschen geben möge, die die Energie des Super-Egos in halbwegs berechenbare Bahnen lenken. Ansonsten werden wir die Welt in vier (oder gar acht) Jahren nicht wiedererkennen.

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